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200-jähriger Baum in Tuntenhausen ist nicht mehr zu retten

Die letzte Bestimmung der alten Christuslinde von Schönau

Die Christuslinde zwischen Schönau und Biberg wird zum Lebensraum für Vögel, Säugetiere, Insekten und Pilze umgewandelt. In den nächsten Wochen muss sie dafür auch noch einmal gestutzt werden.
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Die Christuslinde zwischen Schönau und Biberg wird zum Lebensraum für Vögel, Säugetiere, Insekten und Pilze umgewandelt. In den nächsten Wochen muss sie dafür auch noch einmal gestutzt werden.

Die alte Christuslinde, die an der Straße zwischen Schönau und Biberg steht, darf in Würde sterben. Sie ist nicht mehr zu retten, wird im natürlichen Kreislauf des Lebens aber noch eine letzte, wertvolle Aufgabe übernehmen.

Tuntenhausen – Sie kennt mittlerweile fast jeder: Die alte Christuslinde von Schönau, die auf halbem Weg neben der Lindenstraße zwischen Schönau und Biberg steht. Die Geschichte dieses Baumes ist bemerkenswert und auf einem kleinen Schildchen für Wanderer festgehalten. Dort heißt es, dass diese Linde daran erinnere, wie sich das Bewusstsein der Menschen verändert hat. Der Baum sollte nämlich in den 50er-Jahren beim Bau der neuen Straße von Schönau nach Biberg beseitigt werden.

Technische Wunden an Rinde sind verheilt

Damals galt die beabsichtigte Rodung mit einer neuen Schubraupe als Kraftdemonstration der neuen Technik. Doch wider aller Erwartungen war der Baum trotz mehrfacher Anläufe nicht zu erschüttern. Resigniert musste die moderne Schubraupe unter dem Gelächter der Zuschauer aufgeben. Mittlerweile sind die tiefen Rindenabschürfungen, die dieser Kraftakt an der alten Linde hinterlassen hat, verheilt und verwachsen. Später wurde vor dem Baum ein kleines Feldkreuz errichtet – als Zeugnis eines Martyriums, das nicht zum Tode führte.

Gut 70 Jahre später geht es dem Baum nun wieder an den Kragen – allerdings im positiven Sinne. Das Landratsamt hat bei der unter Naturschutz stehenden Linde einen massiven Befall mit dem schuppigen Porling festgestellt. Dieser Pilz tritt häufig hoch oben in der Baumkrone auf und gilt als sicheres Zeichen für größere Faulstellen.

„Bei der Regelkontrolle der Naturdenkmale im Landkreis wurden erhebliche Zweifel an der Verkehrssicherheit des Baumes festgestellt, die von einem Gutachten leider bestätigt wurden“, informiert Ina Krug, Pressesprecherin des Landratsamtes. Der starke Pilzbefall führe zu einem massiven Holzabbau und damit einer hohen Bruchgefahr. Deshalb wurde die Linde schon in der Vergangenheit stark eingekürzt und mit einer statischen Kronensicherung versehen, um für Entlastung zu sorgen. „Aufgrund des Alters, der Geschichte und der ökologischen Bedeutung wird von einer Fällung des Baumes abgesehen“, betont Krug.

Neue Höhlungen und Brüche simulieren

Trotzdem müsse die Linde aber weiter massiv zurückgeschnitten werden. „Die Linde soll ihre letzte Bestimmung als sogenannter Habitatbaum erhalten. Diese Bäume bilden mit ihren Höhlungen, Morschungen und Totholzanteilen wichtige Lebensräume für zahlreiche Vogelarten, Säugetiere, Insekten und Pilze“, erläutert die Pressesprecherin. Zudem will Kreisfachberater Roman Pröll in Absprache mit der Baumpflege-Fachfirma zusätzlich noch künstliche Höhlungen am verbleibenden Baum schaffen sowie bestehende Höhlungen, die aufgrund der Verkehrssicherungsmaßnahmen entfernt werden müssen, wieder in den Baum einbauen und natürliche Astausbrüche simulieren.

Die Arbeiten werden voraussichtlich schon Ende Januar oder Anfang Februar durchgeführt. „Die Kosten trägt zu 100 Prozent das Landratsamt“, so Ina Krug. „Der Unteren Naturschutzbehörde stehen Gelder für den Erhalt von Naturdenkmalen zur Verfügung.“

Baum darf in Würde sterben – angepasst an natürliche Prozesse

Warum die alte Christuslinde als Totholzbaum erhalten wird, erklärt Ina Krug von der Pressestelle des Landratsamtes im Interview mit dem Mangfall-Boten:

Warum ist der Baum erhaltenswert?

Ina Krug: Grundsätzlich ist jeder alte Baum erhaltenswert. Dieser Baum kann diverse Geschichten erzählen und sollte durch sein hohes Alter mit Würde und Respekt behandelt werden. Es handelt sich immer noch um ein Lebewesen. Aufgrund der geplanten Maßnahmen kann er als Habitatbaum erhalten werden. Neben den Vorteilen für Tier- und Pflanzenwelt nehmen solitär stehende Altbäume auch eine wichtige Rolle bei der Verknüpfung von Lebensräumen ein und dienen vielen Arten als Trittstein für die Besiedlung oder den Übertritt in neue Lebensräume. So soll der geschichtsträchtige Baum künftig einem möglichst großen Artenspektrum als Lebensraum dienen.

Wie hoch stehen die Chancen, dass er damit gerettet wird?

Ina Krug: Retten kann man den Baum nicht mehr. Die Fäule-Prozesse durch den Pilz sind diesbezüglich schon zu weit fortgeschritten. Es geht darum, den Baum in Würde sterben zu lassen und ihm eine an natürliche Prozesse angepasste letzte Aufgabe als Habitatbaum zu ermöglichen. Leider spielt die Verkehrssicherheit der Linde natürlich eine große Rolle.

Gibt es einen Hinweis auf das Alter des Baumes?

Ina Krug: Laut den Aufzeichnungen im Landratsamt geht man von einem Alter von circa 200 Jahren aus.