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Für mehr Lesekompetenz

Wie die Fritz-Schäffer-Schule Ostermünchen die Faszination für Bücher fördert

Im Leseklub gibt es immer wieder besondere Veranstaltungen. Rektorin Margaret Careddu-Bayr (gelbes Shirt) bringt sich auch selbst ein.
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Im Leseklub gibt es immer wieder besondere Veranstaltungen. Rektorin Margaret Careddu-Bayr (gelbes Shirt) bringt sich auch selbst ein.

Die Fritz-Schäffer-Schule Ostermünchen ist die einzige Schule im Landkreis Rosenheim, die einen Leseklub mit eigenen Räumlichkeiten hat. Im Interview spricht Rektorin Margaret Careddu Bayr über Dialekt, Sprachgefühl und wie man bei Schülern die Freude am Lesen weckt.

Tuntenhausen – Nach dem großen Erfolg der Leseförderungsaktionen im vergangenen Jahr bot die Fritz-Schäffer-Schule Ostermünchen in den vergangenen Monaten wieder entsprechende Veranstaltungen an. Rektorin Margaret Careddu-Bayr zitierte dabei James Daniel mit dessen Ausspruch „Bücher sind fliegende Teppiche ins Reich der Fantasie“. Damit traf sie den Kern des Leseklubs. Seit 2015 nehmen in Ostermünchen jährlich zwischen 60 und 80 Kinder daran teil.

Die Fritz-Schäffer-Schule Ostermünchen ist die einzige Schule im Landkreis Rosenheim, die einen solchen Leseklub mit eigenem Leseklubraum hat. Im Interview mit unserer Zeitung spricht Rektorin Careddu Bayr über das Thema.

Lesen lernen die Kinder doch in der Schule, wozu braucht es da noch einen Leseklub?

Margaret Careddu Bayr: Der Leseklub ist keine Pflichtveranstaltung, es geht hier in erster Linie darum, die Lesefreude zu wecken. Wir stellen immer wieder fest, dass die gemeinsame Beschäftigung mit Büchern und Sprache die intrinsische Motivation der Kinder fördert und verstärkt. Dadurch entwickeln sie einen freudvollen, freiwilligen Zugang zu Geschichten und nutzen in der Folge das Lesen, um Spaß zu haben oder Entspannung zu finden.

Warum muss man Kinder zum Lesen hinführen, wieso funktioniert das nicht automatisch?

Careddu Bayr: Ein wichtiger Punkt ist die Auswahl. In unserem Leseklub haben wir über 1000 Titel aus ganz verschiedenen Genres, die von der Stiftung Lesen regelmäßig mit Neuerscheinungen aktualisiert werden. Neben Krimis, Rätseln, Witzen, Comicromanen und lustigen Tiergeschichten kann man auch über Freundschaften und andere Länder lesen. Ganz besonders beliebt sind die hochwertigen Sachbücher mit kurzen Texten oder die Titel, die sich an den Marvel-Superhelden orientieren. Eine solche Fülle hat man normalerweise nicht im Kinderzimmer. Auch der Austausch mit Gleichaltrigen über die eigene Lektüre ist oft noch etwas besonderes. Sie sollten mal sehen, wenn sich die Erstklässler gemeinsam über ein Buch mit Autogeschichten beugen und sich ganz stolz abwechselnd gegenseitig die Texte vortragen. Außerdem ist es mit dem Lesen, wie mit vielen anderen Kulturtechniken – vor allem zu Beginn muss man immer wieder ermuntern und nach einiger Zeit, wie bei ungewohnten Speisen, zum Probieren einladen. Hinzu kommt: Heutzutage ist es nicht mehr in allen Familien selbstverständlich, dass regelmäßig (vor-) gelesen wird.

Lesen versus YouTube und Nintendo Switch – sind Videos und Videospiele nicht viel spannender?

Careddu Bayr: Auf den ersten Blick vielleicht schon, aber genau da setzen wir an: Im Leseklub wird vermittelt, dass das Kino im Kopf viel besser funktioniert, wenn nicht schon ein buntes Bewegtbild und eine bestimmte Spielabfolge vorgegeben sind. Zumal die endgültige Ausgestaltung der eigenen Fantasie überlassen bleibt. Ein weiterer Punkt: Auch Kinder bemerken schon, dass sie von zahlreichen, schnellen Schnitten und vielleicht einer nicht altersgerechten Handlung überfordert sind – von den immer wieder auftauchenden Werbevideos wollen wir gar nicht erst sprechen. Hier vermittelt das gemeinsame Lesen mit der Gelegenheit, zu unterbrechen, Fragen zu stellen und das bisherige Geschehen im Austausch Revue passieren zu lassen, sehr viel mehr Sicherheit und einen entspannteren Rahmen.

Wie fördert das Lesen die Entwicklung des Sprach- und Schreibgefühls?

Careddu Bayr: Regelmäßige Lektüre erweitert den Wortschatz. Außerdem: Wenn sich das Wortbild beim Lesen immer wieder einprägt, wird unbewusst automatisch die richtige Schreibweise eingeübt. Je motivierter ein Kind ist, umso mehr steigert sich seine Lesekompetenz, das heißt, das sinnerfassende Lesen, also das Verständnis für die Inhalte. Das spiegelt sich dann natürlich auch im schriftlichen Ausdruck wider. Ganz wichtig neben dem Sprach- und Schreibgefühl ist auch die Erweiterung der Empathie und dem Verständnis für andere Verhaltensweisen, wie man es durch eine entsprechende Lektüre erwirbt.

Haben es Kinder, die bayrischen Dialekt sprechen, besonders schwer, das richtige Schreiben zu lernen?

Nein, nicht mehr als Kinder aus Hamburg, Berlin oder Stuttgart. Im Gegenteil bereichert der Dialekt den Wortschatz der Kinder und die sprachliche Ausdrucksfähigkeit, weil sie auf diese Weise weitere zusätzliche Begriffe zur Verfügung haben. Wir merken immer wieder, dass die Buben und Mädchen schon sehr früh genau zwischen Bayrisch und Hochdeutsch unterscheiden können und wissen, wann welcher sprachliche Code angebracht ist.

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Wie wichtig ist gerade aus diesem Grund das Lesen?

Careddu Bayr: Lesen ist für alle wichtig, egal, welchen Dialekt jemand spricht oder ob er beziehungsweise sie überhaupt Dialekt sprechen. Denn Lesen ist der Schlüssel zu jeglicher Information und zur Teilhabe am täglichen Leben. Ob Bedienungsanleitung, Kochrezept oder eine Nachricht von der besten Freundin: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.