Im Gespräch mit Georg Weigl

Tuntenhausener Bürgermeister über Corona-Opfer und den Zusammenhalt in einem schweren Jahr

Bürgermeister Georg Weigl
+
Bürgermeister Georg Weigl

Ein Mensch aus der Gemeinde Tuntenhausen war es, der der Corona-Pandemie in der Region im März 2020 auf tragische Weise ein Gesicht gegeben hat. Ein Jahr voller Entbehrungen ist zu Ende gegangen. Wie es in der Gemeinde weitergeht, erklärt Bürgermeister Georg Weigl im Interview.

Wie ist die Corona-Lage in der Gemeinde Tuntenhausen?

Georg Weigl: Wir haben viele Infizierte und leider auch Opfer zu beklagen. Hier im ländlichen Raum kennt jeder jeden und fühlt mit den Familien. Ich bin dankbar dafür, dass die Menschen in unserer Gemeinde vernünftig sind und sich an die Regeln halten. Ich bin dankbar für die flächendeckende Hilfe, die Nachbarn, Vereine und Organisationen aufgebaut haben. Hier auf dem Lande funktioniert das soziale Miteinander. Hier wird Solidarität gelebt. Das finde ich toll.

Ich bewundere unsere Pädagogen, die in Kindereinrichtungen und Schulen mit einer Liebe zu den Kindern diese Krise meistern und dabei kaum auf ihren eigenen Schutz schauen. Ich habe größten Respekt vor den Eltern, die seit einem Jahr immer wieder neue Situationen kurzfristig lösen. Dankbar bin ich auch für das tolle Team unserer Gemeindeverwaltung, das es ermöglicht hat, dass wir unter allen Umständen arbeitsfähig geblieben sind.

Wie schätzen sie die Stimmung im „Dorf“ ein?

Georg Weigl: Nachdem wir nun seit fast einem Jahr mit den Corona-Einschränkungen leben, verschlechtert sich die Stimmung schon ein wenig. Die Menschen sind mürbe, wollen wissen, wie es weitergeht. Auch ich mache mir Gedanken darüber, wann es wieder Veranstaltungen geben kann, ob die Initiatoren zur Stange halten oder aufgeben? Das wäre für unser soziales Miteinander eine Katastrophe! Ich frage mich auch, wie es sein wird, wenn wir wieder in die Festzelte dürfen? Können wir die neue Hemmschwelle überwinden? Ich glaube, wir müssen das gesellschaftliche Leben wieder ganz neu aufbauen. Jetzt sehen wir mit den Impfungen zumindest ein Licht am Ende des Tunnels. Das macht Mut.

Corona überlagert alles. Auf welche 2020er Meilensteine sind Sie stolz?

Georg Weigl: Der Spatenstich für unser neues Kinderhaus in Tuntenhausen ist für mich ein solcher Meilenstein. Trotz der Pandemie liegen wir im Zeit- und Kostenplan. Dafür gebührt allen Beteiligten Anerkennung, vor allem den Handwerkern. Im September wird Leben in unser Kinderhaus einziehen. Darauf freue ich mich.

Das Kinderhaus in Tuntenhausen ist das größte Projekt der Gemeinde. Im September zieht hier Leben ein.

Zu allem Übel schwappten auch noch Hochwasser über die Gemeinde.

Georg Weigl: Zum Glück hat sich in diesen Tagen nicht nur das Miteinander unserer Feuerwehren bewährt, sondern auch unser Hochwasserschutzkonzept. Wir haben an den richtigen Stellen investiert. Unsere Regenrückhaltebecken konnten Schlimmeres verhindern, das Eigentum unserer Bürger schützen. Wir sind auf einem guten Weg, den wir in diesem Jahr mit der weiteren Umsetzung unseres Hochwasserschutzkonzeptes weiter beschreiten.

Kurz vor knapp wurden die Kommunalwahlen noch durchgeführt.

Georg Weigl: Das war die erste Herausforderung in der Corona-Pandemie, die wir bewältigen mussten. Ich bin froh, dass sich mitten in der Krise wieder ein Gremium formiert hat, mit dem ein konstruktives Miteinander zum Wohle unserer Gemeinde möglich ist.

Welches werden die Herausforderungen im Corona-Jahr zwei sein?

Georg Weigl: Ich hoffe, dass es das letzte Jahr sein wird, in dem Corona unser Leben überschattet. Wir arbeiten an strategischen Entscheidungen für unsere Gemeinde. Das ist der Flächennutzungsplan, zu dem gerade alle Bürger ihre Meinung kundtun können. Ich möchte unsere Bebauungspläne weiter voranbringen. Da bereiten mir kritische Stimmen Sorge: Anwohner, die keine neuen Nachbarn haben wollen. Doch uns liegt die Lebensqualität der Gemeinschaft am Herzen und dazu gehören auch die jungen Familien, die in ihrer Heimat bleiben wollen, dafür Bauland und Infrastruktur brauchen.

Wir wollen die Ostermünchener Mitte gestalten. Dafür haben wir jetzt aus fünf Varianten einen gestalterischen Rahmen gezurrt, damit die Planer ihre Entwürfe konkretisieren können. Ich wünsche mir, dass wir bald wieder öffentliche Veranstaltungen durchführen dürfen, damit wir die Ostermünchener aktiv in die Planungen einbeziehen können. Das wollten wir schon im November, was aber nicht möglich war.

Wie steht es um die Tuntenhausener Mitte? Investoren, Bauherren und Discounter stehen in den Startlöchern.

Georg Weigl: Die Nahversorgung wird eines der nächsten Themen für unseren Gemeinderat sein. Der Einkaufsstandort Tuntenhausen ist sehr beliebt. Ihn um einen Discounter zu erweitern, wäre durchaus sinnvoll. Die Frage ist, ob wir das auf Grundlage des Landesentwicklungsplanes dürfen, uns die Regierung Oberbayern grünes Licht gibt, oder ob wir bis in die nächste Instanz, also das Wirtschaftsministerium müssen.

Wie geht die Gemeinde mit dem krisenbedingten Finanzloch um?

Georg Weigl: Uns werden in diesem Jahr Einnahmen von etwa einer halben Million Euro fehlen. In der Haushaltsdebatte im Februar und März müssen wir entscheiden, an welchen Ausgaben wir sparen wollen und können.

Kommentare