Pressekonferenz im Landratsamt am Dienstag

Geburtsstation in Bad Aibling schließt - vorerst

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Bei einer Pressekonferenz haben die Verantwortlichen über die Geburtshilfe informiert.
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Rosenheim/Bad Aibling - Die Geburtshilfeabteilung im RoMed-Klinikum arbeitet ab Mitte August nicht mehr. Frauen müssen nach Rosenheim oder Wasserburg ausweichen. Dennoch soll es kein Abschied für immer sein.

Update nach der Pressekonferenz

Die Geburtsstation am RoMed-Klinikum in Bad Aibling schließt zum 15. August. Das hat Landrat Wolfgang Berthaler in einer Pressekonferenz am Dienstagmittag nochmals bekräftigt. Allerdings nur vorerst. Sowohl der Landrat als auch die Klinikleitung wollen die Geburtsstation unbedingt wieder zum Leben erwecken. Wann genau das passieren wird, können sie aktuell noch nicht sagen. Die gynäkologische Ausstattung bleibt zunächst einmal wie sie ist. Falls es zum Neustart kommt.

Mindestens bis November soll an einem Konzept gearbeitet werden, dass Wege aufzeigt, die Klinikabteilung wieder zu eröffnen, erklärt Peter Lenz, der Geschäftsführer der RoMed-Kliniken. Auf die Schnelle sei es nicht möglich, die getroffene Entscheidung zu ändern. Bei dem neuen Konzept sollen die RoMed-Standorte als Ganzes betrachtet werden, da alle von Problemen wie in Bad Aibling bedroht sind.

Im Rosenheimer Klinikum werden jährlich etwa 1.500 Kinder geboren, in Bad Aibling und Wasserburg sind es knapp 650. Frauen aus dem Raum Bad Aibling müssen ab Mitte August für die Geburt auf die beiden anderen Standorte ausweichen. Im Durchschnitt ein bis zwei Kinder sind täglich in Bad Aibling geboren worden. Diese Anzahl an Geburten können die Kliniken in Rosenheim und Wasserburg ausgleichen.

Ein großes Problem ist, dass Hebammen fehlen. In den vergangenen Monaten hätten sechs Kolleginnen die Klinik Bad Aibling verlassen, erklärt Simone Donhauser, die im Namen der Belegschaft spricht. Jedoch seien nur zwei neue Kolleginnen hinzugekommen. "Wir haben alle ein Privatleben und wollen unsere Familien sehen", erklärt sie die Situation. Mit dem aktuellen Personal ist es nicht möglich, alle notwendigen Dienste in der Geburtshilfe abzudecken.

Aber auch gynäkologische Belegärzte und Kinderärzte zu finden, die freiberuflich arbeiten, sei schwierig, wie der ärztliche Direktor des RoMed Bad Aibling erklärt. "Dieser Mangel betrifft das gesamte Bundesgebiet", sagt Guido Pfeiffer. "Die Kollegen werden älter und es fehlt an Nachwuchs."

Hinzu komme ein weiteres Problem: Die hohe Haftpflichtprämie in diesem Bereich - sowohl für Hebammen als auch für selbstständige Ärzte. Diese Verantwortung und diese Bereitschaft wollen viele junge Ärzte nicht auf sich nehmen, erklärt Armin Zettl, Gynäkologe im Bad Aiblinger RoMed-Klinikum. Zwar bringe der Beruf viel Freude mit sich, aber eben auch viel Stress und nötige Einsatzbereitschaft.

Ärzte und Hebammen fest anzustellen, sei ebenfalls keine Lösung, erklärt Landrat Wolfgang Berthaler. Denn es gehe nicht primär um finanzielle Sicherheit. Hebammen zum Beispiel würden freiberuflich mehr Geld verdienen, da sie mehr arbeiten können, als wenn sie fest angestellt sind.

Und erst wenn die ärztliche Situation abgesichert ist, macht es Sinn, nach Hebammen zu suchen. Sie bedauern den Schritt sehr, sagt Simone Donhauser. Seit fast 18 Jahren arbeitet sie als Hebamme in der Geburtshilfe und findet es bis heute "spannend und bereichernd, Frauen auf diesem Weg zu begleiten".

Geburtsstation in Bad Aibling schließt - vorerst

Vorbericht

Am Dienstag will sich dazu das RoMed Klinikum im Landratsamt Rosenheim im Rahmen einer Pressekonferenz äußern. Grund für die Schließung der Geburtsstation sind laut Angaben der Klink fehlende Hebammen. 

Damit die Geburtsstation weiter geöffnet bleiben kann, werden drei bis vier weitere Hebammen benötigt. Immer weniger würden sich für den Hebammen-Beruf entscheiden, berichtet Radio Charivari. Grund dafür ist die stetig steigende Haftpflichtprämie. Die überwiegend freiberuflichen Hebammen müssen jährlich rund 6.800 Euro für ihre Versicherung bezahlen.

Der Bad Aiblinger Stadtrat will die Geburtsstation unbedingt erhalten und hat deswegen sogar eine Resolution ans Bayerische Staatsministerium geschickt. Es gibt deswegen auch eine Online Petition.

mangfall24.de berichtet von der Pressekonferenz ausführlich!

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