Vom Rollstuhl via Lifter ins Wasser

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Ausprobiert und sofort dabehalten: Der so genannte Badelifter in der Aiblinger Therme, mit dem unter anderem auch Rollstuhlfahrer leichter ins Becken gelangen können.

Bad Aibling - Der Besuch der Aiblinger Therme soll auch für Behinderte einfacher und angenehmer werden. Ein so genannten mobiler Badelifter hat jetzt seine Feuertaufe bestanden.

Nach eingehender Beratung beschloss der Stadtrat jüngst die Anschaffung eines so genannten mobilen Badelifters, mit dem die Besucher automatisch ins Wasser geleitet werden. Das Gerät hat jüngst bereits seine Feuertaufe bestanden.


Den Antrag auf Anschaffung dieses Gerätes hatte der Behindertenbeauftragte und ÜWG-Stadtrat Dieter Bräunlich bereits im Juni gestellt und diesbezüglich immer wieder nachgehakt. Mehrere behinderte Badegäste hätten ihn und seinen Fraktionskollegen Rudi Gebhart darauf aufmerksam gemacht, dass in der Therme der Zugang zu den jeweiligen Becken für schwerbehinderte Besucher, besonders für Rollstuhlfahrer, nur unter erschwerten Bedingungen möglich sei. Zwar seien mobile Rampen und Podeste vorhanden, auch helfe das Thermenpersonal enagagiert mit. Jedoch sei der vereinfachte Zugang nur über einen geeigneten Badelifter machbar und ohne Probleme möglich.

Stefan Barber von den Stadtwerken hatte den Stadträten dazu einige Beispiele mitgebracht, erläuterte jedoch zunächst die bisherige Situation. So seien zwei wassertaugliche Rollstühle sowie ein schwimmfähiger Rollstuhl im Einsatz, die mittels Hilfestellung durch das Personal beziehungsweise eine Begleitperson genutzt werden könnten. Im Schnitt besuchten zwei Rollstuhlfahrer pro Woche die Aiblinger Therme, an den Wochenend- oder Feiertagen auch mehr.


Die größte Problematik beim Einsatz eines mobilen Lifters, gleich welchen Modells, sei die Platzfrage. Für einen Typus mit Schwenk-arm sei in der Aiblinger Therme fast kein Platz, so Barber. Auch für einen mobilen Lifter sei es an vielen Stellen zu eng, jedoch könne hier versucht werden, Lösungen zu finden.

Während sich im Stadtrat zunächst einige Mitglieder fragten, ob die Anschaffung eines Lifters im Verhältnis zu den Kosten stehe, zeigte Bräunlich kein Verständnis dafür, "solch ein Brimborium wegen 8000 Euro zu machen." Auch Dr. Birgitt Matthias (SPD) fand die Diskussion "äußerst seltsam angesichts der Tatsache, dass bei allem Möglichen sonst zehntausende Euro bewilligt werden." Dr. Alois Kreitmeier (CSU) sah die Anschaffung eines derartigen, anerkannten Hilfsmittels für Behinderte als sinnvoll an und betonte, man könne es sich schlicht nicht leisten, 26 Millionen Euro für die Therme auszugeben und dann keine 8000 Euro für einen Lifter bewilligen zu wollen.

Bräunlich zitierte die Behindertenbeauftragte des Landkreises, Anita Read, die es als unwürdig bezeichnete, wie man sich in der Therme Bad Aibling "ins Wasser hieven lassen muss." Dr. Matthias wies zudem auf die UN-Menschenrechtskonvention hin und betonte, dass jeder Mensch das Recht auf selbstbestimmte Teilhabe habe, woraufhin Dr. Reiner Keller (SPD) wissen wollte, ob der Lifter denn von dem Nutzer selbst bedienbar sei. Nein, so die Antwort Barbers, der Gast müsse bereits vor dem Becken aus dem Rollstuhl in den Lifter wechseln, welchen wiederum eine Hilfsperson zum Becken schieben müsse.

Nach eingehender Diskussion beschloss der Stadtrat letztlich die Anschaffung des Modells "Blue one" für 8000 Euro mit akkubetriebener Hydraulik. Dieses wurde kurz nach der Stadtratssitzung getestet und ist seither im Einsatz.

Genutzt werden kann es laut Barber für das Erlebnisbecken und in der Sinnekuppel. Nach einigen baulichen Veränderungen am Geländer könne der Lifter auch am Außenbecken zum Einsatz kommen. Bisher sei das Gerät fünf- oder sechsmal angefordert worden. An der Kasse würden Rollstuhlfahrer informiert, dass der Lifter zur Verfügung steht, gleichzeitig werde dem diensthabenden Schwimmmeister von der Kasse aus gemeldet, wenn ein Badegast das Gerät nutzen möchte.

Eva Langwieder (Mangfall-Bote)

Quelle: rosenheim24.de

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