Kritik an Betriebserweiterung in Thalacker

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Fahrversuch in Thalacker: Der Sattelzug passiert den Weg, über den auch der erweiterte Betrieb erschlossen werden sollte.

Bad Aibling - In einem erneuten Anlauf scheiterte eine Bauvoranfrage der Firma Rottmüller, die ihren Betrieb in Thalacker erweitern möchte.

Zwar wären laut Bauamt die Vorgaben des Bauausschusses hinsichtlich Erschließung und Oberflächenentwässerung mittlerweile erfüllt, doch störten sich einige der Kommunalpolitiker an der Größe des Vorhabens im Außenbereich.

Die geplante Erweiterung des Unternehmens (Zimmerei, Dachdeckerei, Holzausbau und Kranverleih) beschäftigt den Stadtrat und die Ausschüsse schon seit einiger Zeit. Der ersten Bauvoranfrage im März 2010 hatte der Bauausschuss mit 9:1 Stimmen zugestimmt (wir berichteten). Das Landratsamt legte jedoch ein Veto ein, da der Bestand des Betriebes um 84,5 Prozent erweitert worden wäre. Zulässig seien im Außenbereich maximal 50 Prozent.

Der Stadtrat wiederum verwies nach einem Antrag von Richard Lechner (SPD) die Entscheidung aufgrund von fehlendem Informationsmaterial in den Bauausschuss, diskutierte das Thema aber vorab eingehend.

In der nun eingereichten Tektur ist nur noch von einer kleineren Halle und einer Erweiterung um 48,8 Prozent die Rede - ein Wert, der bei einigen Kommunalpolitikern auf Skepsis stieß. "Von welchen Bestandszahlen müssen wir denn ausgehen?", wollte Thomas Höllmüller (CSU) wissen. Denn ursprünglich war die Größe des Bestands mit 2987 Quadratmetern angegeben worden, während sie sich in den Tekturplänen auf 3379 Quadratmetern beläuft. Grund laut Stadtbaumeister Andreas Krämer: Zuvor sei die Fläche des Frei- und Kranlagers nicht miteinbezogen worden.

Ob diese Berechnung denn rechtmäßig sei, hakte Höllmüller nach und wollte die Frage ebenso wie Stefan Rossteuscher (ÜWG) vor einer Entscheidung genau geklärt wissen.

Rossteuscher sorgte sich zudem darum, ob man mit einer Zustimmung nicht Bezugsfälle schaffe - in nächster Zeit sei mit mehreren leer stehenden Gebäuden im Außenbereich zu rechnen. Er stellte die Frage in den Raum, ob es nicht günstiger wäre, wenn sich der Betrieb, dessen Weiterbestehen ihm ein Anliegen sei, in einem Gewerbegebiet ansiedle. Dort sei es auch einfacher, die Auflagen zu erfüllen. Markus Stigloher (CSU) hielt dagegen, dass das Unternehmen an dieser Stelle natürlich gewachsen sei und der Nachfolger nicht einfach umziehen könne. Die Erweiterung dürfe allerdings nicht zulasten der Nachbarn gehen, meinte auch Dr. Birgitt Matthias (SPD), die dem heimischen Handwerk aber ansonsten Rückenwind seitens des Stadtrates signalisieren wollte.

Gravierendere Probleme

Als "absolute Ausnahme" konnte sich Max Leuprecht (GOL) eine Zustimmung zu dem Vorhaben vorstellen, auch wenn er ansonsten gegen die Umnutzung landwirtschaftlicher Gebäude im Außenbereich sei. Die von anderen Ausschussmitgliedern kritisierte "Verschandelung der Gegend" durch die Betriebserweiterung sah er - auch vor dem Hintergrund der Freiflächenplanung - nicht als gravierend an im Vergleich zu anderen Problemen.

Der Traktor passt gerade noch auf die Fahrbahn.

Denn auch an der straßenmäßigen Erschließung schieden sich in der aktuellen Diskussion die Geister. Das Bauamt hatte im Vorfeld der Sitzung Fahrversuche mit einem Langfahrzeug sowie einem Traktor mit Anhänger unternommen. Man sei zu dem Schluss gekommen, dass auch die zirka 3,70 breite Engstelle auf dem insgesamt rund 4,50 Meter breiten öffentlichen Weg, der zu dem Betrieb führt, passiert werden könne: "Es ist schwierig, aber möglich", konstatierte Krämer.

Wie es später mit der Anfahrt von Tiefladern mit Fertigbauteilen aussehe, vermochte niemand zu sagen - ein weiterer Punkt, den Ausschussmitglieder abgeklärt wissen wollten.

Lechner zeigte sich verwundert angesichts der zahlreichen Kritikpunkte, nachdem sich der Bauausschuss nach der Ortsbesichtigung im März das Vorhaben sogar in größerem Umfang habe vorstellen können. Ihm sei es lieber, wenn sich ein Handwerksbetrieb in einem aufgelassenen Bauernhof ansiedle als wenn dort "lauter Wohnungen hineingestopft werden, deren Bewohner sich später über läutende Kuhglocken und krähende Hähne beschweren."

Außerdem habe ein Fachbüro mittlerweile festgestellt, dass die bisher als problematisch gesehene Oberflächenentwässerung in den Griff zu bekommen sei, sodass sich die Situation verbessern ließe. Er appellierte an den Bauausschuss, die Angelegenheit "in etwas milderem Licht zu sehen." Dennoch erteilte das Gremium der Voranfrage bei Stimmengleichheit von 5:5 eine Absage.

von Eva Langwieder/Mangfall-Bote

Quelle: rosenheim24.de

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