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Hochmoorbiotop in Gefahr? Mit *Umfrage*

„Versiegeln wir jetzt auch für Radfahrer Flächen?“: Kritik an geplantem Radweg in Kolbermoor

Was ist wichtiger: Naturschutz oder das Umsteigen vom Auto aufs Rad? Soll das Biotop (links, rot schraffiert) unberührt bleiben oder hier künftig ein asphaltierter Radweg für Alltagspendler entlangführen: In Kolbermoor wird diese Frage jetzt diskutiert.
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Was ist wichtiger: Naturschutz oder das Umsteigen vom Auto aufs Rad? Soll das Biotop (Mitte, rot schraffiert) unberührt bleiben oder hier künftig ein asphaltierter Radweg für Alltagspendler entlangführen: In Kolbermoor wird diese Frage jetzt diskutiert.

Kolbermoor plant einen asphaltierten Radweg für Berufspendler nach Großkarolinenfeld. Der würde direkt an einem Biotop entlangführen. Jetzt wird Kritik laut, da Natur für etwa 250 Radler versiegelt werden soll.

Kolbermoor – Auf dem Fahrrad von Kolbermoor nach Großkarolinenfeld, entlang eines komfortabel ausgebauten Radweges und fernab vom Straßenverkehr – das ist die Vision der beiden Nachbargemeinden. In Kolbermoor soll der neue Radweg den Radlern vor allem den gefährlichen Abschnitt über Flur-, Filzen- und Kolberstraße hinauf in Richtung Großkarolinenfeld ersparen. Momentan macht das Radfahren dort absolut keinen Spaß, denn mitten im Verkehr und im Slalom vorbei an parkenden Autos ist das für alle Verkehrsteilnehmer gefährlich.

Bürger weisen auf Widersprüche hin

Doch die Pläne kommen nicht bei allen gut an, denn für den Radweg wäre ein massiver Eingriff in die Natur erforderlich, müsste zusätzliche Fläche versiegelt werden. Er soll nach aktuellen Plänen von der Moosstraße aus gen Osten an landwirtschaftlichen Flächen, Wiesen und einem Biotop vorbei zur Franz-Sperber-Straße führen, ehe er dort in vorhandene Wege mündet und über den Theodor-Mayer-Weg weiter nach Großkarolinenfeld führt.

Der geplante Radweg soll nach aktuellen Plänen von der Moosstraße in Kolbermoor aus gen Osten an einem Biotop vorbei zur Franz-Sperber-Straße führen, ehe er dort in vorhandene Wege mündet und über den Theodor-Mayer-Weg weiter nach Großkarolinenfeld führt.

„Der Neubau wäre ein massiver Eingriff in die Natur“, mahnte Katharina Meidinger, die viele Jahre für die Grünen im Kolbermoorer Stadtrat saß, auf der jüngsten Bürgerversammlung zum Verzicht auf diese Pläne. „Der Radweg tangiert ein kartiertes Hochmoorbiotop. Die Bauarbeiten würden den Moorkörper entwässern. Zudem würde ein wichtiges Rückzugsgebiet für Wild zerstört. Und das, obwohl nur 400 Meter weiter andere Wege vorhanden sind.“ Sie forderte, vorhandene Straßen und Wege zu nutzen und im Stadtrat noch einmal intensiv zu überlegen, ob dieser Radweg wirklich sein müsse.

Erst am Ortsende von Kolbermoor gibt es auf Höhe der Sperber-Straße einen straßenbegleitenden Radweg. Bis zu dieser Stelle – von der Moosstraße sind es etwa 400 Meter – sollten vorhandene Wege genutzt werden, um die Zerstörung des Biotops und eine Versiegelung der Natur zu vermeiden, so der Vorschlag aus der Bürgerversammlung.

Bürgermeister Peter Kloo versicherte: „All diese Gedanken haben wir uns auch gemacht, doch wir können die Situation an Filzen- und Kolberstraße derzeit nicht ändern. Wir brauchen attraktive Radwege für Alltagsfahrer, keine unattraktiven Umwege.“ Der kurvenreiche Abschnitt von Filzen- und Kolberstraße sei gefährlich, deshalb „müssen wir Kompromisse schließen“. Die Schaffung eines straßenbegleitenden Rad- und Fußweges sei aus Platzgründen aber leider nicht möglich.

„Der Fußweg ist hier 1,50 Meter breit, eignet sich nicht zum Radfahren. In diesem Bereich mehr Grund für einen Radweg zu erwerben, würde bedeuten, von allen Eigentümern einen Streifen von etwa 1,20 Metern zu erwerben. Das ist völlig aussichtslos, denn die Grundstücke sind bis an die Grenzen bebaut“, erläuterte Stadtbaumeister Andreas Meixner auf Anfrage des Mangfall-Boten.

Filzen- und Kolberstraße im Norden der Stadt sind zu eng, um einen zusätzlichen Fuß- und Radweg zu schaffen. Grundstückszukäufe entlang der Straße sind aufgrund der engen Bebauung aussichtslos.

„Selbst für Querungshilfen fehlt uns hier einfach der Platz“, erläuterte der Bürgermeister auf der Bürgerversammlung. Die bislang einzige Alternative: der Durchstich von der Moosstraße bis zur Sperber-Straße. Für diese Variante spräche auch, dass sich die Grundstücke im Eigentum der Stadt und des Freistaates Bayern befänden, und somit eine Realisierung des Vorhabens sehr wahrscheinlich werde. Der Tenor der ersten Gespräche mit dem Freistaat sei positiv gewesen. Ab dem Theodor-Mayer-Weg seien die Grundstücke dann bis zur Gemeindegrenze im Besitz der Stadt Kolbermoor. Mit dem neuen Radweg eröffne sich auch die Möglichkeit, die Alte und die Neue Siedlung über den Tonwerkweiher ans Radwegenetz anzuschließen.

Von der Moosstraße aus soll ein Durchstich erfolgen, damit der Radweg entlang von Biotop, Wiesen und Feldern zur Sperberstraße geführt werden kann.

„Früher haben wir die Flächen für die Autos versiegelt, heute versiegeln wir sie für Fahrräder?“, machte eine Bürgerin auf den Widerspruch im Klimaschutz aufmerksam. Einerseits sollen die Menschen vom Auto aufs Rad umsteigen, andererseits sollen in Kolbermoor dafür jetzt wieder Flächen versiegelt werden.

„Wir sind am Anfang des Projektes und werden alle Argumente mit der Gemeinde Großkarolinenfeld noch einmal prüfen“, versicherte der Bürgermeister den circa 80 interessierten Bürgern.

Klare Absage vom Bund Naturschutz

„Der Bund Naturschutz spricht sich ganz klar dagegen aus“, betont Klaus Dehler, der Vorsitzende der Ortsgruppe Kolbermoor, gegenüber dem Mangfall-Boten und erklärt: „Das Biotop ist im Westen von der Wohnbebauung begrenzt, der Radweg würde es im Süden und Osten von den Wiesen und Feldern abschneiden. Das entwertet das Biotop, zerstört den Lebensraum der Tiere, verdrängt Wild, Amphibien und Insekten aus diesem Bereich, der einer der letzten Rückzugsorte am Rande Kolbermoors ist.“

Das Bayerische Landesamt für Umwelt beschreibt das Biotop als „Birkenwald im ehemaligen Torfstichgebiet mit Streuwiesenresten, seggen- und binsenreichen Nasswiesen, Sümpfen, Landröhrichten und Faulbaumgebüschen“. Die Bauarbeiten für den Weg, so warnt Dehler, könnten den Wurzelbereich des Baumbestandes am Rande des Biotops schädigen und unterm Asphalt begraben.

Ein Biotop (rechts, rot schraffiert) ist im Norden von Kolbermoor ausgewiesen. Der geplante Radweg würde im Süden und Osten genau an dessen Grenzen verlaufen. Eine Gefahr für das Biotop und die Tiere, warnen Naturschützer.

Mit Radweg kommt Winterdienst ins Revier

An einem öffentlich gewidmeten Radweg bestehe zudem Verkehrssicherungspflicht. „Das heißt, die Bäume müssten zurückgeschnitten werden, im Winterdienst kommen Räumfahrzeuge ins Biotop, wird möglicherweise Salz gestreut.“ Zudem kämen mit dem asphaltierten Radweg auch Spaziergänger ins Revier. Mit ihnen frei laufende Hunde und enormer Stress für das Wild. Mit den Hunden auch der Hundekot, der dann in Folietüten auf den Feldern der Landwirte lande. „Wo Menschen sind, ist auch Müll“, macht Dehner klar.

Doch was ist wichtiger für den Umweltschutz: das Umsteigen aufs Rad oder der Schutz eines Biotops? „Das kann man nicht gegeneinander aufwiegen“, betont Dehler: „Doch ich stelle infrage, ob mit dem neuen Radweg tatsächlich so viele Menschen aufs Fahrrad umsteigen, dass sich dieser Aufwand lohnt.“

Lohnt sich Aufwand für wenige Pendler?

Nach einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit pendeln täglich 250 Menschen zwischen Kolbermoor und Großkarolinenfeld zur Arbeit. „Wenn davon künftig zehn Prozent aufs Rad umsteigen, wäre es viel, aber aus Sicht der Steuerzahler trotzdem ein unsinniges Projekt“, sagt der Vorsitzende der Ortsgruppe des Bund Naturschutz.

Dehler hat einen Vorschlag, von dem alle Bürger im Norden Kolbermoors profitieren könnten: „Wenn die Westtangente eröffnet wird, verlagert sich auch der Durchgangsverkehr. Dann könnte man Kolber- und Filzenstraße in eine 30er-Zone verwandeln.“

Hoffnung liegt auf Westtangente

Auf die geplante Eröffnung der Aicherparkbrücke im kommenden Jahr hoffen auch die Stadtväter. „Trotzdem darf man den Quellverkehr aus dem Siedlungsgebiet entlang der Flur-, Filzen- und Kolberstraße nicht unterschätzen“, warnt Bürgermeister Peter Kloo.

Auf der Bürgerversammlung erinnerte er auch daran, dass sich die Stadt bereits vor Jahren darum bemüht habe, in der Bergsiedlung Flächen für Radwege auszuweisen, um eine sichere Parallelachse zur Ortsverbindungsstraße von Kolbermoor und Großkarolinenfeld zu schaffen. „Gegen den Bebauungsplan gab es damals massive Kritik von den Anwohnern, deshalb haben wir ihn auf Eis gelegt“, erklärt Stadtbaumeister Meixner.

Die Verwaltung könnte sich nach Eröffnung der Westtangente auch vorstellen, die Bergstraße ab dem Betonwerk für den Verkehr zu sperren, sodass eine Einfahrt zum Siedlungsbereich nur noch von der Flurstraße aus möglich wäre. „Damit wäre auch dieser Bereich sicherer für Radfahrer“, so Meixner. Doch das ist Zukunftsmusik.

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