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„Hurra, ich kann es!“

Kinder am Amboss: Bei der XIII. Schmiede-Biennale in Kolbermoor funkeln Feuer und Augen

Volle Konzentration und Begeisterung zeigten die Kinder beim Schmieden eines Schneckenanhängers. Hier der fünfjährige Florian Kösters mit „Coach“ Richard Kerkhoff.
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Volle Konzentration und Begeisterung zeigten die Kinder beim Schmieden eines Schneckenanhängers. Hier der fünfjährige Florian Kösters mit „Coach“ Richard Kerkhoff.

Die Feuer sind entfacht. Nicht nur die im Schmiedezelt, sondern auch die in den Herzen der Besucher. Welche einzigartige Kunst ein scheinbar grobes Handwerk schafft, zeigen die Schmiede auf der XIII. Schmiede-Biennale in Kolbermoor.

Kolbermoor – Entspannte Campingplatzatmosphäre. So könnte man die Stimmung beschreiben, die am Donnerstag, 4. August, rund ums Schmiedezelt herrschte. An diesem Tag hatte die Schmiedebiennale nämlich noch kein volles Programm. Die Schmiede sollten vielmehr Gelegenheit haben, sich auszutauschen und mit den aufgestellten Gerätschaften vertraut zu machen.

Viel Zeit brauchten sie zudem, um die vielen Fragen der ersten Zuschauer zu beantworten.

Eine beeindruckende Schlange schmiedete Samy Vermeulen am Biennale-Donnerstag.

Manche der Schmiede arbeiteten nämlich schon an Projekten, die sie in den Folgetagen näher vorstellen werden. So auch Kees Klaasen aus den Niederlanden – zum ersten Mal bei der Biennale dabei.

Grobes Handwerk mit viel Gefühl

Er fällt im Zelt sofort auf, weil er immer wieder einen Presslufthammer in der Hand hat, in Dimensionen, die man eher auf einer Großbaustelle vermuten würde. Doch das, was dabei entsteht, sind winzige und auf den ersten Blick überaus detailreiche Figuren.

Kees Klaasen mit seinem Presslufthammer.

Die Frage, wie das zusammenpasst – Presslufthammer und filigrane Figur, kommt deshalb immer wieder. Für Kees Klaasen ist das leicht beantwortet. Die Detailgenauigkeit der Figuren, die man zu sehen glaubt, ist nämlich, so sagt er, fast so etwas wie eine optische Täuschung. „Es geht nur darum, der Vorstellungskraft des Betrachters Ankerpunkte zu geben. Den Rest macht diese dann allein.“

Erstaunlich, was für filigrane Figuren im Schmiedefeuer und auf dem Amboss entstehen.

Von daher, so sagt er, sei das Schwerste am Schmieden – und das gilt ganz allgemein – zu wissen, wann man aufhören muss. „Der Versuch, durch einen weiteren Schlag noch mehr Details hineinzubringen, kann die Wirkung einer Figur fast völlig ruinieren.“

Einen großen Programmpunkt gab es auch am Donnerstag schon: das Kinder-Schmieden. An drei Arbeitsstellen gleichzeitig konnten sich die Kleinen zusammen mit einem „Schmiedecoach“ einen Anhänger in Schneckenform schmieden.

Für Paul Klaasen ist eines besonders wichtig: Die Kinder sollen so viel wie möglich selbst machen.

Der Andrang war groß. Und manche – wie der fünfjährige Florian Kösters – schauten sich das Ganze zunächst aus der Ferne gründlich an, ehe sie dann selbst Hand an den Hammer legen wollten.

Ein tolles Erlebnis für den kleinen Florian: Er ist ein echtes Talent und hat seine erste Schnecke selbst geschmiedet.

Florian war sichtlich nervös, als das rotglühende Stahlstück aus dem Ofen kam, doch mit jedem Hammerschlag kam mehr Zuversicht auf und die Freude: „Ich kann’s!“

Von Kinderhand geschmiedet und perfekt.

Paul Klaasen war einer der „Lehrmeister“ und er sagt, dass es ihm und seinen Kollegen darauf ankomme, dass die Kinder beim Schneckenschmieden bei jedem Arbeitsschritt wissen, warum man ihn macht und dann auch möglichst viel selbst durchführen können: „Es soll einfach ihre Schnecke sein, wirklich selbst gemacht, denn dann ist das ein Erlebnis, das sie nicht so schnell vergessen.“ Wer auch ein besonderes Erlebnis haben möchte, sollte die Schmiede-Biennale nicht verpassen.

Viel Interesse, nicht nur von Bürgermeister Peter Kloo, fand Abdoulahi aus dem Niger, der am Donnerstag auch schon am Arbeiten war. Abdoulahi, der zauberhaften Silberschmuck fertigt, hat die Nachfolge seines Vaters Bouzou übernommen, der aus Gesundheitsgründen nicht mehr zur Biennale kommen kann.

Am Wochenende wartet wieder ein spannendes Programm auf die Besucher.

Das Programm

Samstag, 6. August:

• ab 10 Uhr Vorführung Schellenschmieden mit Renè Soller,

• ab 10 Uhr Ausstellung Mareissaal geöffnet,

• 12 Uhr Workshop Guss-Schweißen mit Martin Fritz,

• 10 Uhr bis 22 Uhr Schmieden im Zelt mit Vorführungen von Kees Klaassen und Kupferschmieden mit Manfred Wirth,

• ab 12 Uhr Bronzegießen wie in der Bronzezeit mit Team Frank Trommer,

• 13 Uhr Messerklingentest von Ulrich Gerfin, Test nach Catra-Methode (Pendelschlagversuch),

• 15 Uhr Vortrag zur Entstehung der Urnengrabanlage „Rosengarten“ Kolbermoor, Saal der Musikschule

• 14 bis 18 Uhr Workshop mit Helmut Brummer

• 10 bis 12 und 14 bis 16 Uhr Schmieden mit Kindern

• 16 Uhr Vorführung Eggenzinken-Schmieden

• 16.30 Uhr Schmiedegottesdienst am Platz

• 18 Uhr Vorführung Aufziehen Reifen für Eisstock.

Sonntag, 7. August

• 9 bis 11 Uhr Schmieden im Zelt,

• Musikalische Unterhaltung am Platz,

• 9 bis 11 Uhr Bronzegießen wie in der Bronzezeit,

• 11 Uhr Versteigerung von Schmiedearbeiten.

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