Leserbrief

„Höchste Zeit, den zerstörerischen Generallockdown zu beenden!“

Bild von Georg Kustermann
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Georg Kustermann, Jahrgang 1962, Vater zweier erwachsener Söhne, lebt und arbeitet zusammen mit seiner Frau als Zahnarzt in Kolbermoor.

Georg Kustermann aus Kolbermoor verfasste einen Leserbrief zur aktuellen Lockdown-Situation:

Der Leserbrief im Wortlaut:


Noch haben wir die zuletzt festgelegte Frist für den aktuellen Lockdown nicht erreicht, noch ist überhaupt nicht absehbar, ob die derzeitigen Regelungen irgendeine Wirkung zeigen werden, da spricht die Kanzlerin bereits von 8-10 weiteren sehr harten Wochen und bereitet die Republik auf massive Einschränkungen des freien Lebens bis mindestens Ostern vor. Anlass genug zwei ganz entscheidende Fragen zu stellen:

Erstens: Haben die Lockdowns, egal in welchen Ländern dieser Erde, überhaupt irgendeine Wirkung gezeigt? Und zweitens: Gibt es eine Alternative, die einem Rechtsstaat besser zu Gesicht stünde als die willkürlichen Verordnungen weniger Regierungsvertreter? Zum ersten Punkt sei eine Auswertung des statistischen Bundesamts angeführt, die belegt, dass seit Beginn des Lockdowns am 01.11.2020 die Inzidenzwerte unbeeindruckt hoch geblieben, ja teilweise sogar weiter gestiegen sind, und das trotz deutlich sinkender Mobilität der Bundesbürger in diesem Zeitraum (Quelle: Destatis, Teralytics).


Der seit drei Monaten ausbleibende Erfolg des Lockdowns liegt also eher nicht an der oft angemahnten fehlenden Disziplin der angeblich „freizeitwütigen“ Bürger. Offenbar spiegeln die Inzidenzwerte eher die Anzahl der durchgeführten Tests und den dabei relativ hoch angesetzten CT-Wert wieder als die Ausbreitung des Virus. Im Hotspot Berchtesgadener Land stiegen beispielsweise die Inzidenzzahlen signifikant nach Einrichtung des Corona-Testzentrums in Bayerisch Gmain und verharren dort trotz harten Lockdowns seit 20.10. auf unverändert hohem Niveau. Somit besteht wohl nur wenig Zusammenhang zwischen Lockdown und Infektionsgeschehen. Inzwischen liegen über 20 Studien zur weltweiten Irrelevanz von Lockdowns vor. Im European Journal of ClinicalInvestigation veröffentlichte am 5. Januar einer der renommiertesten Epidemiologen weltweit, John Joannidis von der Stanford University, das Ergebnis seiner jüngsten Untersuchungen: Darin zeigt er auf, dass Länder mit weniger restriktiven Maßnahmen wie beispielsweise Südkorea oder Schweden inzwischen besser dastehen als Gesellschaften mit hartem Lockdown.

Jene Länder, und damit kommen wir zum zweiten Punkt, praktizieren seit Monaten den Weg, der offenbar zielführender und vor allem einer Demokratie würdig ist: Konsequenter Schutz der Risikogruppen unter weitgehender Schonung eines freien, menschenwürdigen Lebens. Die Auswertung der offiziellen Sterbefälle 2020 in Deutschland beweist eindeutig, dass Corona im Wesentlichen für über 75jährige eine statistisch signifikante Gefahr darstellt. Diese Menschen müssen also geschützt werden. Mit Einführung der Impfung ist dies sogar noch einfacher geworden. Eine freiwillige Impfung für diese Gruppe und alle, die sich selbst als besonders gefährdet erachten. Aber bitte nach vernünftiger Aufklärung über die durchaus ernst zu nehmenden Risiken dieser noch völlig unerprobten, neuen Impfmethoden. Keinesfalls ein direkter oder indirekter Impfzwang für junge Menschen, die ein äußerst geringes Risiko für einen schweren Corona-Krankheitsverlauf haben. Dies würde nach noch geltendem medizinischem Recht den Tatbestand der vorsätzlichen Körperverletzung erfüllen. Hier haben Ärzte wie Politiker die unbedingte Pflicht zu einer Schaden-Nutzen-Abwägung, die eigentlich selbstverständlich sein sollte.

Ohne das Leid der Einzelschicksale auf den Intensivstationen kleinreden zu wollen, wird nämlich eines oft übersehen: Derzeit stehen 0,08 Millionen schweren Krankheitsverläufen mehr als 80 Millionen Menschen dieser Republik gegenüber, die unter den Folgen dieses Lockdowns massiv zu leiden haben. Insbesondere diejenigen mit der geringsten Lobby von allen: Unsere Kinder, von denen oft so schön gesagt wird, dass sie unsere Zukunft sind! Doch genau diese Gruppe wird derzeit auf dem Altar der geradezu panischen Isolationsmaßnahmen geopfert: Keine Kontakte zu Freunden, kein Sport im Freien. Von Schlittenbergen und beim Schneemannbauen von der Polizei verjagt, kein normaler Unterricht, oft keine praktische Ausbildung, kein geregelter Universitätsbetrieb, alle kulturellen und sonstigen Begegnungsstätten geschlossen. Kurz gesagt kein normales Leben mehr. Und hier reden wir von fast 25 (!) Millionen Menschen unter 25 Jahren in dieser Republik. Was für ein Irrsinn oder um es mit den Worten des Historikers und Philosophen Michael Hüter zu sagen: „Eine Gesellschaft, die Kinder und Jugendliche für nicht systemrelevant hält, will keine Zukunft!“. Höchste Zeit also, den zerstörerischen Generallockdown zu beenden, den Menschen Arbeit, Lebensfreude und vor allem das Lachen zurückzugeben. Denn im Gegensatz zu Angst und Panik sind das die stärksten Verbündeten, die wir im Kampf für ein gesundes Immunsystem zur Seite haben.

Georg Kustermann, Kolbermoor

Zur Person

Georg Kustermann, Jahrgang 1962, Vater zweier erwachsener Söhne, lebt und arbeitet zusammen mit seiner Frau als Zahnarzt in Kolbermoor. Er war 23 Jahre lang als Stadtrat für die Grünen im Kolbermoorer Stadtrat kommunalpolitisch aktiv. Von daher beschäftigen ihn nicht nur die medizinischen, sondern auch die sozialen und gesellschaftlichen Folgen der Coronakrise.

Weitere Leserbriefe von Georg Kustermann:

„Völlig unsinnig, Privilegien für Geimpfte einzuführen“

„Zwingend notwendig, unsere derzeitige Strategie zu überdenken“

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