Energie beschäftigt junge Generation

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Gespannt verfolgten die Gymnasiasten den Vortrag von Hans-Josef Fell.

Bruckmühl - Am Gymnasium Bruckmühl hielt der "Grüne" Energieexperte Hans-Josef Fell einen Vortrag zum Thema "Erneuerbare Energien als Ausweg aus der Klimakrise".

Vorträge von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens bereichern seit einigen Jahren den Unterricht am Gymnasium Bruckmühl. In Fortsetzung dieser Tradition hielt der Bundestagsabgeordnete von "Bündnis90/Die Grünen" und umweltpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion seiner Partei, Hans-Josef Fell, vor rund 160 Schülern im Pfarrheim ein aufschlussreiches Referat mit dem Titel "Erneuerbare Energien - Ausweg aus Wirtschafts- und Klimakrise".

Der Umweltpolitiker ging dabei hart ins Gericht mit der Energiegewinnung aus Atom- und Kohlekraftwerken: "Beides sind Scheinlösungen, weil die Probleme damit immer größer werden." Auf den Weltgipfeln würden sich die Politiker meist nur um die Sicherung der Erdölversorgung sorgen, deren Produkte jedoch bei der Verbrennung den größten CO2-Ausstoß verursachen würden. Der Abgeordnete plädierte hingegen für die erneuerbaren Energien (EE), die längst kein Nischendasein mehr fristen würden.

Während bei der Atomindustrie in Deutschland die Anzahl der Beschäftigten von 38000 im Jahr 1998 inzwischen auf 30000 gesunken sei, hätten sich die EE als Jobmotor erwiesen mit einer Steigerung der Mitarbeiterzahl von 30000 im Jahr 1998 auf 340000 im laufenden Jahr. Bis 2020 rechne man mit 500000 Arbeitsplätzen in diesem Bereich.

Fell prangerte außerdem die Strompreisentwicklung und die Gewinne der Konzerne EON, RWE und EnBW an: "Die hohen Strompreissteigerungen wurden nicht zur Kostendeckung benötigt - sie sind eine Gewinnmitnahme für die Konzerne. Nach einer Studie des Umweltausschusses seiner Partei sei bis 2030 die Gewinnung von 100 Prozent Ökostrom erreichbar, nach Einschätzung der Bundesregierung jedoch nur 80 Prozent bis 2080.

Die Klimaprobleme sind Fell zufolge nur durch zwei Strategien zu lösen: Stoppen der Klimagasemissionen und Herausholen des Kohlenstoffs aus der Atmosphäre. Für die Vermeidung von Emissionen stünden Fotovoltaik, Solartechnik, Biomasse, Umgebungswärme, Geotherme und Wind- und Wasserkraft zur Verfügung.

"Die deutsche Automobilindustrie hat die Entwicklung des Elektroautos in der Vergangenheit nicht verschlafen, sondern aktiv bekämpft", beklagte der Redner. Das Entziehen von CO2 aus der Atmosphäre könne durch Humusaufbau, großflächige Aufforstung und Einsatz hydrothermaler Carbonisierung erzielt werden. Abschließend appellierte er an die Gymnasiasten: "Die EE-Branche leidet unter massivem Fachkräftemangel - ihr habt dort allerbeste Job-Chancen."

In der Diskussion beantwortete Fell Fragen zu einem möglichen Tourismus-Rückgang in Windpark-Gegenden, zur Motivation der Energiekonzerne für einen EE-Einstieg ("staatliche Anreize schaffen"), zur Herstellung organischer Solarzellen ("Entwicklung im Gang, aber noch nicht ausgereift") und zur Wasserstoff-Kernfusion ("nicht zukunftsträchtig").

Die Schüler spendeten langanhaltenden Beifall, für den sich Fell bedankte: "Eure engagierten Diskussionsbeiträge machen mir Mut". Eröffnet worden war die Veranstaltung von Rektor Walter Baier mit dem Hinweis, dass die heutige, junge Generation deutlich stärker mit dem Energie-Thema beschäftigt sein werde als frühere Generationen.

bjn/Mangfall-Bote

Quelle: rosenheim24.de

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