Jugendhilfe: Positive Entwicklung

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Betreuung für Kleinkinder: die vielen Kinderkrippenplätze in Bad Aibling lobte Kreisjugendamtsleiter Johannes Fischer, hier das Kinderhaus Camino, die erste Aiblinger Kinderkrippe

Bad Aibling - Wie ist die Entwicklung im Bereich Jugendhilfe? Einen Überblick über die vergangenen zwölf Jahre gab jetzt der Leiter des Kreisjugendamtes, Johannes Fischer, vor dem Stadtrat.

Der Kurstadt bescheinigte er insgesamt gesehen gute Zahlen - trotz überdurchschnittlich vieler Ein-Eltern-Familien. Denn, davon ist Fischer überzeugt: "Scheidungen hinterlassen Spuren bei den Kindern." In punkto Jugendarbeit zollte er der Stadt Respekt.

Die dritte Fortschreibung der Sozialstrukturanalyse für den Landkreis Rosenheim (nach 1997 und 1999) stellte der Leiter des Kreisjugendamtes dem Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung vor. Grundlage für die Untersuchung sind die Zahlen der Jugendhilfe und die Strukturdaten. Zu den Indikatoren zählen Fischer zufolge verschiedene Gesichtspunkte, darunter der so genannte Jugendhilfeindex mit den erzieherischen Hilfen, Jugendkriminalität, Trennung und Scheidung sowie Kinder in Ein-Eltern-Familien. Hinzu kommen im so genannten Sozialstrukturindex Arbeitslosengeld-II-Leistungen, Arbeitslosigkeit, Einkommensverhältnisse und die Gebührenübernahme für die Kindertagesbetreuung - "in der Untersuchung geht es auch darum, wer empfängt welche Leistungen", erläuterte Fischer, wobei er das Thema Arbeitslosigkeit im Raum Bad Aibling als "Luxusproblem" betrachtet - "hier haben wir nahezu Vollbeschäftigung."

Enorm ausgebaut wurde Fischer zufolge der Bereich "ambulante Hilfen", in dem Jugendliche für einige Stunden pro Woche eine Betreuung/Erziehungsbeistand erhalten. Ebenfalls bewährt hätte sich die sozialpädagogische Familienhilfe, in der auf die gesamte Familie eingegangen wird - "wie mit Konflikten umgegangen werden kann, Verluste kompensiert und Alltagsprobleme gelöst werden können", führte der Kreisjugendamtsleiter aus. Sein Resümee: In weniger als 25 Prozent der Fälle sei nach drei Jahren zusätzliche Hilfe erforderlich, bei der Familienhilfe gar nur bei 15 Prozent. "Diese Hilfen sind wirksam und wir haben natürlich auch exzellente Träger im Landkreis, die gute Arbeit leisten", lobte er.

Vergleichsweise konstant sind Fischer zufolge die Zahlen der Besucher von Heilpädagogischen Tagesstätten, erforderlich bei massiven Erziehungsschwierigkeiten. Ebenso: die Vollzeitpflege, wobei er positiv die steigende Zahl junger Eltern hervorhob, die Kinder aufnehmen: "Was alles andere als selbstverständlich ist, die Kinder kommen teils aus Familien mit Alkoholismus und Drogensucht", so Fischer. "Für diese Kinder sind die neuen Familien ein großer Segen."

Rückläufig sind der Erhebung zufolge die Fälle von stationärer Behandlung wie Unterbringung in Heimen und Internaten, teils mit heilpädagogischen, teils mit intensiv-therapeutischen Konzepten. "Die Aufenthalte sind deutlich zurückgegangen, in den vergangenen drei Jahren um etwa 5000 Tage", so Fischer - wobei ein Tag zwischen 120 und 150 Euro an Kosten verursache. Vieles könne in diesen Fällen durch ambulante Hilfen aufgefangen werden. Mit guten Zahlen in punkto Erziehungshilfemaßnahmen kann Bad Aibling aufwarten: Die Kurstadt liegt trotz der allgemeinen Steigerung in den vergangenen Jahren mit 1,6 Fällen pro 100 Jugendliche sowohl unter dem bayernweiten (1,96) als auch unter dem landkreisweiten Schnitt (1,98). Bei der ersten Sozialstrukturanalyse in den Jahren 1997 bis 1999 hatte Bad Aibling gerade mal 0,7 Fälle bei 100 Jugendlichen aufzuweisen. Fischer spricht die Erfolge unter anderem der Schulsozialarbeit zu, hierdurch könnten frühzeitig Hilfen angeboten werden, ebenso über die mobile Jugendarbeit. "Je früher man in einer Familie Hilfe vermitteln kann, desto besser sind die Erfolgschancen", so seine Erfahrung.

Trotz überdurchschnittlich vieler Jugendgerichtsverfahren sowohl im Landkreis als auch in der Stadt Bad Aibling sieht Fischer auch auf dem Sektor Jugendkriminalität eine positive Entwicklung. Die Fälle von schwerer Körperverletzung und Drogenmissbrauch seien rückläufig, die vergleichsweise hohen Zahlen kämen durch kleinere Delikte zustande (Diebstähle, Fahren ohne Fahrerlaubnis). Bad Aibling lag in den Jahren 2006 bis 2008 mit 5,4 Jugendgerichtsfällen auf 100 Jugendliche (2003 bis 2005: 6,5) deutlich über dem bayernweiten Durchschnitt von 3,56 (Landkreis Rosenheim 4,21). Wiederum unter dem Landkreisdurchschnitt und im bayernweiten Trend liegt Bad Aibling in punkto Trennung und Scheidung mit einem Fall auf 100 Jugendliche (Landkreis 1,13; Jahre 2006 bis 2008) - "nahezu jede dritte Ehe wird geschieden", weiß Fischer.

Sehr viele Ein-Eltern-Familien

Deutlich vor Kreis und Freistaat liegt Bad Aibling bei der Anzahl der Ein-Eltern-Familien: mit 24,4 Fällen auf 100 Jugendliche (Bayern 18,37; Landkreis 19,88), insgesamt 168 Familien. Einen Grund sieht Fischer in dem sehr guten Arbeitsangebot für Frauen im Raum Bad Aibling durch das Gesundheitswesen, Seniorenheime und den Tourismus. "Andererseits sind in diesen Bereichen oftmals die Löhne sehr niedrig, verbunden mit ungünstigen Arbeitszeiten, was es wiederum schwierig macht", so Fischer. Als das Wichtigste in diesen Fällen betrachtet er den Respekt vor dieser Lebensform in der Gesellschaft: Fast ein Viertel der Kinder würde in Ein-Eltern-Familien aufwachsen - "es handelt sich bei weitem um keine Randgruppe mehr." Arbeitslosengeld II würden unterdurchschnittlich viele dieser Familien beziehen, in Bad Aibling lediglich 122.

Bei den Aiblinger Kindern: 86 unter Sechsjährige, 78 Sieben- bis 14-Jährige und 65 15- bis 24-Jährige, die auf Leistungen angewiesen sind.Auf der Einkommensseite liegt Fischer zufolge etwa ein Viertel der Haushalte unter der Marke von 1500 Euro im Monat - "diese Kinder können nicht mehr so gefördert werden, wie sie es eigentlich bräuchten." Der gesamte "Jugendhilfeindex" ist nach Angaben von Fischer in Bad Aibling leicht angestiegen von 101,1 (2003 bis 2005) auf einen Wert von 107,4 in den Jahren 2006 bis 2008 (Bezugswert Bayern gesamt mit 100). Der Gesamtindex liegt wiederum mit 98,6 deutlich niedriger (2003 bis 2005: 104,3). Insgesamt sieht Fischer in der Kurstadt - die vergangenen zwölf Jahre betrachtet - eine leichte Verbesserung, trotz überdurchschnittlicher Jugendgerichtswerte und vieler Ein-Eltern-Familien. "Mitunter weil die Stadt kontinuierlich in die Jugendhilfe investiert", betonte Fischer. So sei eine Stabilisierung erfolgt, was bessere Werte zur Folge habe. Er hob zudem die große Anzahl an Krippenplätzen in der Kurstadt hervor: "Hier wird Grandioses geleistet."

Rosi Gantner/Mangfall-Bote

Quelle: rosenheim24.de

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