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Zum „Tag der Putzfrau“ am 8. November

Von heiklen Fundstücken bis Schwarzarbeit: Reinigungsexperte aus dem Mangfalltal spricht Klartext

Eine Reinigungskraft reinigt eine Toilettenschüssel. In der Reinigungsbrache ist vor allem Diskretion gefragt.dpa, re
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Eine Reinigungskraft reinigt eine Toilettenschüssel. In der Reinigungsbranche ist vor allem Diskretion gefragt.dpa, re

Nachhaltigkeit, Schwarzarbeit, heikle Fundstücke: Im Interview anlässlich des „Tages der Putzfrau“ am 8. November kehrt Reinigungsexperte Stefan Cara aus Feldkirchen-Westerham nichts unter den Teppich. Und er hat einen wertvollen Tipp für Verbraucher.

Feldkirchen-Westerham – Man kann ihn durchaus als Saubermann bezeichnen: Stefan Cara (37) ist Gebietsleiter des Gebäudereinigungsunternehmens Mar-M-Cleaning mit über 20 Mitarbeitern, das in München und Umland Putzdienste anbietet – vom Privathaushalt über Büroräume und Arztpraxen bis zur Kindertagesstätte. Insgesamt betreut das Unternehmen rund 1000 Objekte. Vom Standort Feldkirchen-Westerham aus koordiniert Cara die Einsätze in den Landkreisen Rosenheim, Ebersberg und Miesbach. Zum „Tag der Putzfrau“ spricht der 37-Jährige über Diskretion als höchstes Gut, die Nachteile von Schwarzarbeit und heikle Schmuckstückfunde.

Was putzt sich leichter? Ein Büro oder eine Wohnung?

Stefan Cara: Ein Büro soll in der Regel leichter zu putzen sein. Und so ist es auch in den meisten Fällen. Allerdings gibt es auch Privathäuser oder Wohnungen, die so gut aufgeräumt sind und dadurch auch leicht zu reinigen sind. Ein wichtiger Teil davon sind Persönlichkeiten und Lebensstil unserer Kunden. Manche wohnen etwa chaotischer und freuen sich jedes Mal, wenn gereinigt wird. Die anderen dagegen sind an sich sehr saubere und organisierte Menschen und haben höhere Erwartungen und können auch nickelig werden.

Der Reinigungssektor gehört zu einem der Bereiche, in denen Schwarzarbeit – beispielsweise in Privathaushalten – an der Tagesordnung ist. Wie schwer machen diese Umstände Ihrem Unternehmen die Kundenakquise?

Cara: Schwarzarbeit ist ein historisches Thema bei uns in der Branche – vor allem in den privaten Haushalten. Es gibt immer noch Internet-Portale, auf denen man sich eine günstige „Putzfrau“ rekrutieren kann. Die größten Verlierer dieses Geschäfts sind am Ende immer die Frauen. Sie verlieren ihre Sozialabgaben, Arbeitssicherheit und vieles mehr. Einige kennen ihre Rechte nicht, die anderen sind durch ein paar Euro dazu verlockt worden. In den letzten Jahren akzeptieren immer weniger Personen, schwarz zu arbeiten. Aber auch immer mehr Haushalte wollen mehr Professionalität, Kontinuität bei Krankheitsfällen oder bei Urlaub, Haftpflichtversicherung und einfach Teil eines gesunden Dienstleistungsmarktes sein.

Werden Sie selbst hin und wieder von potenziellen Neukunden gefragt, ob die Arbeit nicht „schwarz“ erledigt werden könnte?

Cara: Das Thema lasse ich gar nicht in den Vordergrund kommen. Bereits beim ersten Gespräch oder einer Besichtigung erläutere ich, dass wir monatliche Rechnungen erstellen und dass Mehrwertsteuer bezahlt werden muss. Aber auch, dass die Rechnungen wie jede haushaltsnahe Dienstleistung steuerlich absetzbar sind. Und eins muss klar sein: Eine geschulte und in Vollzeit beschäftigte Reinigungskraft arbeitet durchschnittlich deutlich schneller und besser als Tante Müller, die neben ihrer Rente ein paar graue Euros dazuverdienen möchte.

Stefan Cara, Gebietsleiter für die Landkreise Rosenheim, Ebersberg und Miesbach bei Mar-M Chleaning Gebäudereinigung.

Zum 1. Oktober ist der Mindestlohn auf zwölf Euro gestiegen? Für Sie eine richtige Entscheidung? Oder eine Entscheidung, die für Ihr Unternehmen finanzielle Schwierigkeiten mit sich bringt?

Cara:Unsere Branche ist durch tarifliche Verträge stark reguliert, unsere tariflichen Mindestlöhne waren schon immer höher als bundesweite Mindestlöhne. Der Mindestlohn für die Einsteiger-Lohngruppe lag bereits vor 1. Oktober 2022 bei 11,55 Euro und ist jetzt auf 13 Euro – eine Erhöhung von 12,55 Prozent – gestiegen. Diese Erhöhung wird sich in Preisen reflektieren, auch die Unternehmen, die ihre Mitarbeiter übertariflich vergüten, müssen entsprechend reagieren, um auf dem Arbeitsmarkt konkurrenzfähig zu bleiben.

Wie reagieren die Kunden auf Preiserhöhungen?

Cara: Viele Kunden wollen es nicht verstehen und versuchen, ihre alten Reinigungsverträge zu kündigen, um bei der Konkurrenz günstigere Dienste anzufragen. Derzeit gibt es auf dem Markt eine Kündigungswelle so wie jährlich bei Kfz-Versicherungen. Wichtig ist zu verstehen, dass wenn eine Reinigungsfirma ihre Dienstleistungen zu vergleichbaren Preisen wie vor der Tariferhöhung anbietet, dass es nur bedeuten kann, dass deren Reinigungskräfte bei der Stundenkalkulation benachteiligt werden.

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Putzkräfte bekommen tiefe Einblicke ins Leben ihrer Kunden oder in die Arbeit eines Unternehmens. Wie wichtig ist das Thema Diskretion?

Cara: Diskretion ist sehr wichtig. Man reinigt sowohl private Schlafzimmer als auch Finanzabteilungen. Ein gewisser Abstand zu den Privat- oder Geschäftsbereichen unserer Kunden muss unbedingt gehalten werden. Auf der anderen Seite muss ein gewisses Vertrauen gebildet werden – und das kommt nicht erst beim ersten Reinigungstermin.

Welche Eigenschaften sind für Sie wichtig, wenn Sie neue Mitarbeiter auswählen und einstellen?

Cara: Neben körperlicher Ausdauer ist Eigenständigkeit extrem wichtig. Unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen fahren täglich mit dem Firmenwagen zu mehreren Kunden. Sie kennen die Besonderheiten jedes Objektes, das sie reinigen und bauen vertrauliche Beziehungen zu unseren Kunden auf. Den Vorarbeiter oder den Gebietsleiter sieht man eher selten. Das ist ein Bereich, in dem vorwiegend selbstständig gearbeitet wird.

Jetzt wird es doch etwas indiskret: Was war das Kurioseste, was Sie oder einer Ihrer Mitarbeiter beim Putzen erlebt hat?

Cara: Die Frau einer Familie, die wir betreut haben, hat mir einmal eine Nachricht geschickt. Sie hat ein Foto mit einem in ihrem Haus gefundenen Ohrring enthalten. Dazu die Frage, ob eine von unseren Mitarbeiterinnen ihn verloren hat. Keine meiner Kolleginnen hat den Ohrring erkannt. Die Familie hatte auch keine Töchter. Über den Rest kann man nur spekulieren.

Der Beruf der Putzfrau wird oftmals in der Gesellschaft als „einfacher Beruf“, bei dem man nicht viel können muss, angesehen. Wie reagieren Sie auf derartige Klischees?

Cara: Unser Beruf ist extrem wichtig und betrifft jede Ecke unserer Gesellschaft – von der Kinderkrippe Ihres Kindes bis zum Büro Ihres Chefs oder dem Pflegeheim Ihrer Oma. Jeden Abend gibt es eine unsichtbare Armee mutiger und professioneller Reinigungskräfte, ohne die wir buchstäblich an Infektionen sterben würden. Unsere Mitarbeitenden sind robuste, selbständige und gut ausgebildete Arbeitskräfte, die ihre Aufgaben professionell erledigen. Viele von ihnen kommen aus nicht einfachen Verhältnissen und haben einen Migrationshintergrund. Solche Personen haben in der Regel überdurchschnittliche Ausdauer und Anpassungsfähigkeiten.

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Nachhaltigkeit ist ein Thema, das aktuell in aller Munde ist. Wie spielt das Thema in Ihre Branche hinein?

Cara: Heutzutage werden viele Reinigungsmittel als „Bio“ oder „Öko“ bezeichnet, was an sich gut ist. Ob deren Herstellungsprozesse unsere Umwelt tatsächlich weniger belasten oder ob es eher eine Vermarktungsstrategie ist, dazu fehlt mir der tiefe Einblick in die Produktion. Ein gutes und effizientes Reinigungsmittel ist in der Regel sehr ergiebig, so dass man die empfohlene Dosierung nicht überschreiten muss. Mit dem Einsatz von richtigen Wischmopps oder Reinigungsgeräten und vor allem durch die Regelmäßigkeit der Reinigung kann man sein Putzmittel nachhaltig dosieren, egal ob es Bio ist oder nicht.

Haben Sie einen speziellen Putztipp für den Verbraucher, der kaum jemandem bekannt ist?

Cara: In der Regel gibt es kein Reinigungsmittel, das die Arbeit ersetzt. Man kann durch die Anwendung eines passenden Mittels seine Arbeit lediglich vereinfachen. Eines der wichtigsten Geräte in unserer Branche ist jedoch – die Waschmaschine. Beim Bodenwischen sollte man mehrere Wischmopps, maximal einen pro Zimmer, verwenden. Nach einer einzigen Anwendung gehört dieser in die Waschmaschine. So bleibt die Lösung aus dem Eimer immer klar, die Böden werden sauber und der Schmutz wird nicht überall verschmiert.

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