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Laut wie ein Presslufthammer

Anwohner in Unterlaus leiden unter dem Lärm der Raser

Der Lärm durch Raser raubt den Anwohnern in Unterlaus den letzten Nerv. Aber der Landkreis will kein Geschwindigkeitslimit.

Unterlaus – Als die Geschwindigkeit des schwarzen BMW Cabrio am „elektronischen Zeigefinger" zum ersten Mal erfasst wird, leuchtet die Zahl 96 km/h auf. Der Geschwindigkeitsmesser steht innerorts kurz hinter dem Ortseingangsschild von Unterlaus. Der Mann am Steuer bremst vor dem Kreisel im Zentrum des 150-Seelen-Ortsteils von Feldkirchen-Westerham scharf ab. Dahinter gibt er mit einem lauten Röhren wieder Vollgas und braust aus dem Ort heraus.

Germar Krone mit seinen selbstentworfenen Lärmschutz-Schildern für Unterlaus. Becker

Es sind genau diese Szenen, die Germar Krone die sprichwörtliche Ruhe rauben. Sein Haus und das seines Vaters stehen oberhalb des Kreisels, der sich in einem Talkessel am niedrigsten Punkt des Ortes befindet. Die zwei Kreisstraßen Ro 2 und Ro 3 stürzen sich hier ins Tal und treffen in Unterlaus aufeinander. Durch die besondere topografische Lage wird der Verkehrslärm am Kreisverkehr reflektiert und verstärkt.

Laut wie ein Presslufthammer

„Wenn da einer hochgast, legst du die Ohren an. Meinen Vater hebt es bei dem Lärm manchmal fast aus dem Bett“, sagt Germar Krone. Er hat von seiner Terrasse eine Lärmmessung durchgeführt und ist auf Spitzenwerte von 80 bis 90 dB(A) gekommen. Das entspricht in etwa dem Lärm eines Presslufthammers.

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Neben Lärm auch Gesundheitsgefahr

Besonders schlimm ist es an Sonn- und Feiertagen. „Dann sind die Raser und Poser unterwegs – meist in hochmotorisierten Sportwagen oder auf dem Motorrad“, erklärt Krone. Als Mitarbeiter der Entwicklungsabteilung bei BMW und passionierter Biker ist er beileibe kein PS-Gegner. Er ärgert sich aber maßlos über die Rücksichtslosigkeit mancher Verkehrsteilnehmer. Die neben Lärm nach seiner Meinung auch große Gesundheitsgefahren für die immer größere Zahl von Radlfahrern auf den Straßen mit sich bringen. Der Lauser Weiher ist ein beliebtes Naherholungsgebiet und Radwege gibt es im Ort nur partiell.

Kopfsteinpflaster erhöht Lärmpegel

Um die Situation in Unterlaus zu verbessern, hat Germar Krone als Vertreter der Anwohner in den letzten Jahren viel Zeit und Mühe investiert. Und dabei durchaus vor allem mithilfe der Gemeinde Feldkirchen-Westerham viel erreicht. 2001 wurde die bestehende Kreuzung durch einen Kreisel ersetzt. Seitdem gab es keinen schweren Verkehrsunfall, die in den Jahren zuvor die Regel waren, an dieser Stelle mehr.

Der Kreisel von Unterlaus

Da der Kreisel gemäß der geltenden Regeln jedoch mit Kopfsteinpflaster besetzt ist, hat sich dafür der Lärmpegel erhöht. Viele Fahrer donnern aus Bequemlichkeit darüber. Besonders bei Fahrzeugen mit Anhängern sorgt das für eine entsprechende Geräuschkulisse.

Am störendsten ist jedoch das lautstarke Rausbeschleunigen nach dem Kreisel.

Als letzte Gegenmaßnahme wurden Ende Juli diesen Jahres von Krone entworfene, nichtamtliche Verkehrsschilder aufgestellt. „Bitte Lärm sparen. Danke sagen die Anwohner“ steht darauf geschrieben.

Landkreis will kein Geschwindigkeitslimit

Nach Krones Beobachtungen haben die Schilder eine Verbesserung gebracht. Aber die reicht nach seiner Meinung auch mit Blick auf das Unfallrisiko wegen überhöhter Geschwindigkeit einfach nicht aus. Krone schlägt vor, den gesamten Ort zur 30er- Zone zu erklären.

Nach dem Ortsausgang sollte zumindest auf der viel befahrenen Verbindungsstraße von Feldkirchen-Westerham nach Glonn vor allem mit Blick auf die Radler zunächst eine Begrenzung von 60 km/h gelten.

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Der Landkreis als Verantwortlicher für die Kreisstraßen sieht das anders. „Es gibt vonseiten der Unteren Straßenverkehrsbehörde keine Überlegungen, dass auf den genannten Kreisstraßen innerorts von Unterlaus eine Geschwindigkeitsbeschränkung in Erwägung gezogen wird. Die gesetzlichen Vorgaben (zwingende Gründe nach § 45 Abs. 9 StVO – Unfallhäufung) der Straßenverkehrsordnung liegen hier weiterhin nicht vor", heißt es auf Anfrage des Mangfall-Boten.

Kritik an Verhalten

Germar Krone findet diese Haltung mit Blick auf das „bislang fehlende Unfallgeschehen" zynisch. „Muss man erst warten, bis etwas passiert?", fragt sich der Mann.

Zumindest Radarmessungen mit abschreckender Wirkung würde er sich wünschen, doch bislang ist auch in diesem Punkt nichts passiert. Obwohl in Nachbarortschaften wie Percha oder Westerham ständig geblitzt werde. Germar Krone hat deshalb die Verkehrsbehörde der Gemeinde Feldkirchen-Westerham angeschrieben. Die finale Antwort auf seine Blitzer-Bitte steht noch aus.

Einwohnerstehen hinter Krone

Natürlich wird Germar Krone wegen seiner jahrelangen Beschwerden von einigen Behörden wahrscheinlich als Dauer-Nörgler abgestempelt. Realität ist aber, dass vor allem die vom Lärm besonders betroffenen Einwohner von Unterlaus hinter ihm stehen.

Franz Bergmüller zum Beispiel, Junior-Chef vom „Wirt vo Laus“. Die Wirtschaft ist genau wie das Haus von Krone direkt am Kreisel platziert. Wegen des Lärms der Raser hat Bergmüller für den Biergarten extra eine Stein-Gavione errichtet. Trotzdem kann man sich „dahinter nicht mehr unterhalten, wenn einer auf der Straße daneben so richtig aufs Pedal tritt.“

Tempo 30

Generell muss laut Paragraf 45 Abs. 9 StVO eine besondere Gefährdungslage – zum Beispiel Unfallhäufung – für den Erlass eines Tempolimits vorliegen. Seit 2016 gibt es die Möglichkeit einer erleichterten Anordnung von Tempo 30 in unmittelbarer Nähe von Kitas, Schulen sowie Alten- und Pflegeheimen. Das Umweltbundesamt schreibt auf seiner Website: „1957 wurde in der Bundesrepublik Deutschland die Innerortshöchstgeschwindigkeit von 50 km/h eingeführt. Die Erfahrungen mit diesem Tempolimit zeigen, dass Tempo 50 für einen bedeutenden Teil des Straßennetzes nicht mehr stadtverträglich ist. Die Einführung von 30 km/h als neue Regelgeschwindigkeit ist daher geboten."

Rubriklistenbild: © Becker

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