Erste Hilfe meist 44 Sekunden zu spät

Schnelle Hilfe vor Ort soll im Gemeindegebiet von Feldkirchen-Westerham künftig ein eigener Sanitäter-Stützpunkt ermöglichen.
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Schnelle Hilfe vor Ort soll im Gemeindegebiet von Feldkirchen-Westerham künftig ein eigener Sanitäter-Stützpunkt ermöglichen.

Feldkirchen-Westerham - Im Ernstfall entscheiden Sekunden über Leben und Tod. Die Rettung muss schnell vor Ort sein. Doch in Feldkirchen-Westerham ist das meist nicht der Fall.

Zwölf Minuten und 44 Sekunden braucht ein Sanitäter durchschnittlich vom Aiblinger Stadtzentrum in die westlichste Landkreiskommune. Das sind 44 Sekunden zu viel. Das Gemeindegebiet ist in Sachen Erste Hilfe stark unterversorgt, sind sich Experten einig. Abhilfe soll ein eigener Sanitäter-Stützpunkt schaffen.


Das Gemeindegebiet von Feldkirchen-Westerham gilt als weißer Fleck auf der Landkarte - zumindest was die Einsatzpläne des Rettungsdienstes betrifft. Hintergrund: Aufgrund ihrer exponierten Lage erreichen Notärzte und Sanitäter die Kommune in zwei von drei Alarmierungen nicht innerhalb der gesetzlichen Zwölf-Minuten-Frist. Somit gilt Feldkirchen-Westerham als Ausreißer - vom Tegernsee bis zum Chiemsee. Denn im gesamten Gebiet des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (Landkreise Rosenheim und Miesbach, Stadt Rosenheim) wird diese Frist in 90 Prozent der Fälle eingehalten. Das ist bayernweit eigentlich ein Spitzenwert.

Den Stein ins Rollen gebracht hat jetzt der Zweckverband in seiner jüngsten Sitzung im Landratsamt in Rosenheim. Die Verantwortlichen haben eine Studie des Instituts für Notfallmedizin vorgestellt. Die darin enthaltene Empfehlung: Einen eigenen Sanitäter-Stützpunkt in der Ortsmitte von Feldkirchen einzurichten.


Neben einem Stellplatz für einen Rettungswagen benötigt ein solcher Stützpunkt unter anderem einen Aufenthaltsraum. Denn in der Zeit von 8 bis 20 Uhr soll dieser ständig besetzt sein. Sichergestellt werden müsse zudem eine technische Versorgung, beispielsweise zum Vorheizen der Fahrzeuge jetzt im Winter.

Auf diese Überlegung machte auch Bürgermeister Bernhard Schweiger im Gemeinderat aufmerksam. Erhard Passauer (SPD) hatte im Rahmen des Rückblicks von Feuerwehrreferent Sebastian Höss auf einen Anstieg der First-Responder-Einsatzzahlen aufmerksam gemacht (Bericht folgt).

Keinesfalls als Konkurrenz, sondern als Bereicherung sieht Elisabeth Jakob, Leiterin der First Responder, die Errichtung des Stützpunkts für Rettungskräfte. Sie ist ebenfalls davon überzeugt, dass das Gemeindegebiet - trotz der engagierten First-Responder-Gruppe - in Sachen Rettungsdienst unterversorgt ist. Denn die Ersthelfer von Feuerwehr und Rotem Kreuz seien trotz einer guten Ausbildung "nur" Laien. Wichtig sei daneben die professionelle Betreuung der Patienten. Doch bis ein Sanitäter aus Bad Aibling, Holzkirchen, Agatharied oder gar Grafing eintreffe, verflössen meist wertvolle Sekunden oder Minuten. "Wir sind deshalb froh, wenn der Stützpunkt kommt", so Elisabeth Jakob.

Wann und vor allem wo dieser jedoch eingerichtet werden soll, steht nach Angaben von Oliver Winter, Pressesprecher im Landratsamt Rosenheim, noch nicht fest. Erst müsse der Zweckverband in einer seiner kommenden Sitzungen grünes Licht erteilen. Danach werde ein Finanzierungsplan für das Vorhaben erstellt. Winter rechnet mit einer Umsetzung des Projekts im Lauf des Jahres. Der neue Stützpunkt kommt nicht nur der Gemeinde Feldkirchen-Westerham zugute. Auch angrenzende Gemeinden in den benachbarten Landkreisen wie Irschenberg, Weyarn und Valley (Miesbach), Aying (München) sowie Glonn und Baiern (Ebersberg) profitieren laut Winter unter Umständen von dieser neuen verbesserten Versorgung.

Martin Aerzbäck/Mangfall-Bote

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