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So soll jetzt gegengesteuert werden

Vermüllte Wertstoffsammelinseln in Bruckmühl: Problem spitzt sich zu

An der Wertstoffinsel in Hinrichssegen sind die Papiercontainer voll und die Behälter für Tetrapaks verschwunden. Abgelagert wird trotzdem. Eine Videoüberwachung und Sanktionen sollen künftig für Ordnung sorgen.
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An der Wertstoffinsel in Hinrichssegen sind die Papiercontainer voll und die Behälter für Tetrapaks verschwunden. Abgelagert wird trotzdem. Eine Videoüberwachung und Sanktionen sollen künftig für Ordnung sorgen.

Das Müllproblem an Wertstoffinseln in Bruckmühl spitzt sich offenbar zu. Gerade das größte Sorgenkind in Hichrichssegen ist trotz Videoüberwachung vermüllt. Doch wer ist dafür verantwortlich?

Bruckmühl – Eigentlich hatte sich die Marktgemeinde Bruckmühl von der Videoüberwachung in Hinrichssegen eine Besserung erhofft. Doch die Vermüllung geht weiter – am hellichten Tag. „Die Leute schauen in die Kamera und lagern ihren Müll außerhalb der Container ab“, berichten Mitarbeiter des gemeindlichen Ordnungsamtes., Die Kamera dokumentiert etwa zehn Verstöße pro Tag, die geahndet werden müssen. „Wir müssen erst abwarten, bis die Sanktionen gegen die Ordnungswidrigkeiten greifen“, mahnt Bürgermeister Richard Richter zur Geduld.

Die Auswertung der Videos ist zeitraubend. Nach Ermittlung der Müllsünder wird mit Live-Stream-Beweis Anzeige beim Landratsamt erstattet. „Ob das eine ureigene Aufgabe unserer Marktgemeinde ist, wollen wir jetzt mit dem Landratsamt besprechen“, kündigt Richter an.

An neues System gewöhnen

Seit einer Woche spitzt sich die Situation weiter zu. Nach der neuen Richtlinie des Landratsamtes wird seit dem 1. Januar jeglicher Plastikmüll auf den Wertstoffhöfen gesammelt. „Wichtig ist jetzt die Beratung der Bürger, die das feingliedrige Trennen von Verpackungsmüll, Plastik, Styropor und ähnlichem gewöhnt waren“, so der Bürgermeister. Die Container für Weißbleichdosen und Tetrapak sind von den Wertstoffinseln entfernt worden. Dort können künftig nur noch Papier, Pappe und Glas entsorgt werden. Weißbleichdosen und Tetrapak müssen zu den Wertstoffhöfen gebracht werden. Die haben begrenzte Öffnungszeiten.

In Hinrichssegen werden Weißblech und Tetrapaks trotzdem an der Wertstoffinsel abgestellt und machen das herumliegende Sammelsurium aus Flaschen, Matratzen, Stühlen und Altkleidern noch ein Stück bunter.

Genau das wollte der Umweltausschuss des Landkreises eigentlich vermeiden. Die Sammlung von Kunststoffen, Weißblech, Aluminium und Kartonverbundverpackungen sollte bürgerfreundlicher werden. Deshalb wurde im Dezember 2020 das bisherige Sammelsystems abgewandelt. Eine Umstellung auf „Gelbe Säcke oder Tonnen“ wurde als kritisch gesehen – unter anderem wegen des Erscheinungsbildes an den Straßen an den Abfuhrtagen, heißt es aus dem Landratsamt.

Genau dieses Erscheinungsbild hat Bruckmühl nun an allen Tagen an den Wertstoffinseln. „Trotzdem finde ich den Ansatz mit den Verpackungsstoffen gut“, räumt Richter ein und ergänzt: „Mittelfristig sollte vielleicht doch über die Einführung einer ,Gelben Tonne‘ nachgedacht werden.“ Den Müll, der auf den Wertstoffinseln zurückbleibt, beräumt das Landratsamt. „Jährlich werden rund 300 Tonnen unzulässig an den Wertstoffinseln abgelagerte Abfälle beseitigt. Die Kosten hierfür belaufen sich auf über 240 000 Euro“, informiert Michael Fischer, Pressesprecher des Landratsamtes. Durch diese Vermüllung leide zunehmend auch die Akzeptanz der Anwohner für die Wertstoffinseln.

Essensreste sollen in Restmülltonne

Auch für den Biomüll hat der Landkreis seit Jahren eine eigene Lösung. Biotonnen gibt es nicht. Der Bürger darf entscheiden, ob er seine Essensreste in die Restmülltonne wirft oder zum Wertstoffhof bringt. „Die Entsorgung des Bioabfalls hat sich etabliert. Die Zehn-Liter-Sammelbehälter für Nahrungs- und Küchenabfälle werden auf allen Wertstoffhöfen und Kompostieranlagen angenommen. 2020 wurden 359 Tonnen eingesammelt, 19 Tonnen mehr als im Jahr zuvor“, bilanziert Fischer.

Um das Hausmüllvolumen zu reduzieren, werden im Landkreis zumindest die Grünabfälle getrennt erfasst. „In den Kompostieranlagem in Noderwiechs, Perfall und Weiher wurden 2020 mehr als 116 000 Kubikmeter Häckselgut, Laub und Gras angeliefert“, so Fischer: „Daraus wurden fast 17 900 Tonnen Kompost erzeugt, der im Landschafts- und Gartenbau, im Sportanlagenbau und in Privatgärten eingesetzt wird.“

Essensreste landen trotzdem noch auf dem Kompost. Die Marktgemeinde hat erst kürzlich an ihre Bürger appelliert, das zu vermeiden, um keine Ratten anzulocken (wir berichteten). „Das liegt aber nicht am Mülltrennungssystem im Landkreis“, betont Bürgermeister Richter: „Ich sehe da eher eine Ursache im Konsumverhalten, dem Entsorgen von Essensresten in öffentlichen Abfalleimern und der Überfütterung der Wildtiere. So entstehen Buffets für Krähen und Ratten.“

Förderung für Kompostbehälter

Damit Komposthaufen kein Ungeziefer anlocken, fördert der Landkreis schon seit 1989 die geschlossene Kompostierung im eigenen Garten. „Knapp 12 000 Kompostbehälter wurden seitdem bezuschusst“, informiert Pressesprecher Fischer: „Zudem gewährt der Landkreis einen Abschlag von rund zehn Prozent auf die Müllgebühren, wenn die Bürger im eigenen Garten kompostieren.“

Drei Fragen an das Landratsamt Rosenheim

Warum wurden die Container für Weißblech und Tetrapaks von den Wertstoffinseln in Bruckmühl entfernt?

Michael Fischer, Pressesprecher des Landratsamtes: Um die Sammlung von Kunststofffolien, Kunststoffbechern, Kunststoffflaschen, Styropor, Mischkunststoffen, Weißblech, Aluminium und Tetrapaks bürgerfreundlicher zu gestalten, hat der Umweltausschuss des Landkreises Rosenheim im Dezember 2020 beschlossen, von einer getrennten Erfassung auf die Sammlung im Gemisch umzustellen. Sie wurde zu Jahresbeginn umgesetzt. Die bislang praktizierte Sammlung von Weißbleichdosen und Tetrapaks an den Wertstoffinseln ist parallel zur neuen gemischten Sammlung nicht möglich, weil die Dualen Systeme dem nicht zustimmten.

Warum werden keine Container an den Wertstoffinseln aufgestellt, um alle Leichtverpackungen im Gemisch zu sammeln?

Michael Fischer: Das lehnt der Landkreis Rosenheim aufgrund der Erfahrungen anderer Kommunen ab. Aufgrund des Fehlens einer sozialen Kontrolle, wie sie auf den Wertstoffhöfen erfolgt, werden solche Container häufig zur Entsorgung anderer Abfälle genutzt.

Wären „Gelbe Säcke oder Tonnen“ nicht eine bürgerfreundlichere Alternative zur Sammlung auf den Wertstoffhöfen?

Michael Fischer: Michael Fischer Der Umweltausschuss des Landkreises sieht die Einführung von „Gelben Säcken oder Tonnen“ kritisch. Gründe dafür sind nicht nur das Erscheinungsbild an den Straßen an den Abfuhrtagen, sondern vor allem die Tatsache, dass die Inhalte der Gelben Säcke oder Tonnen bis zu 50 Prozent Fehlwürfe aufweisen. Das heißt, sie werden nicht wie gedacht nur zur Sammlung von Wertstoffen verwendet, sondern auch zur Restmüllentsorgung.

Weitere Infos zu Abfall und Entsorgung unter www.abfall.landkreis-rosenheim.de oder unter www.muelltrennung-wirkt.de.

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