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Einsatz für Ukraine-Flüchtlinge

„Stück weit auch Seelenarbeit“: Bruckmühlerinnen helfen mit Kleidung

Spenden bringt Elisabeth Floßmann (Mitte) ins Kleiderkammerl. Michaela Berberski (links) und Anja Weigl sortieren sie in die Regale ein.
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Spenden bringt Elisabeth Floßmann (Mitte) ins Kleiderkammerl. Michaela Berberski (links) und Anja Weigl sortieren sie in die Regale ein.

Den Gräueltaten im Krieg gegen die Ukraine ohnmächtig zusehen zu müssen, ist kaum auszuhalten. Bruckmühler Frauen haben jetzt einen Weg gefunden, wie sie dort helfen können, wo es möglich und nötig ist.

Bruckmühl – Es ist eine logistische Meisterleistung. Innerhalb weniger Tage wurde im Jugendhaus von Hinrichssegen ein „Ersthilfekammerl“ für ukrainische Flüchtlinge eingerichtet. Hier können sich alle, die Bekleidung brauchen, mit dem Nötigsten versorgen – ganz egal, ob sie bei Gastfamilien oder in den Ankunftszentren des Landkreises Rosenheim leben. „Bei uns ist jeder willkommen“, betont Christina Weber.

Am Gasthaus Bartl nahm das Hilfsprojekt seinen Anfang. Kurz nach Beginn des Krieges gegen die Ukraine sammelten die Höglinger gemeinsam mit #jetzthelfen und dem Helfer-Team aus Stephanskirchen Spenden und organisierten Hilfstransporte an die ukrainische Grenze. „Damals wurde auch viel Bekleidung gespendet, zudem kamen die ersten ukrainischen Familien hier an. Die meisten hatten nur das, was sie auf dem Leibe trugen“, erklärt Weber.

Dort helfen, wo man helfen kann

Schnell waren Mitstreiterinnen gefunden. Gitti Eifert und Anja Weigl suchten passende Räumlichkeiten und fanden diese bei Gerd Schodlok vom Sozialwerk Hinrichssegen.

Inzwischen ist der Helferkreis auf etwa 35 Frauen angewachsen. Alle haben sie einen Job, nebenbei noch eine Familie mit Kindern zu versorgen. Trotzdem nehmen sie sich Zeit. „Jede knappt sich ein paar Stunden ab, um zu helfen“, erklärt Anja Weigl. „Die jungen Mütter bringen ihre Babys im Maxi-Cosi mit und packen mit an“, erzählt Gitti Eifert. „Es ist ein Stück weit auch Seelenarbeit, um mit der Situation klarzukommen, denn persönlich können wir an diesem furchtbaren Krieg nichts ändern, aber wir können hier vor Ort helfen“, beschreibt Weber die Motivation.

Inzwischen hat sich das Ersthilfekammerl im Hinrichssegener Jugendhaus von ursprünglich einem Raum über zwei Etagen ausgebreitet. In Kisten verpackt, nach Themen und Größen geordnet, gibt es hier alles, was an Bekleidung und Reiseutensilien gebraucht werden könnte. Von der Unterwäsche über Socken, T-Shirts, Hosen, Jacken und Schuhe bis hin zu Taschen, Rucksäcken und Koffern. Die Kisten sind auf deutsch und ukrainisch beschriftet.

Das System wird immer weiter optimiert, um den Überblick zu behalten und aus der großen Menge an Kleidung schnell das Passende zu finden. Warme Bekleidung und Decken, die aufgrund der frühlingshaften Temperaturen hier in der Region nicht mehr gebraucht werden, gelangen mit Hilfstransporten an die ukrainische Grenze für die Menschen im Kriegsgebiet.

Eine logistische Meisterleistung vollbringt das Ersthilfekammerl-Team: Am Mittwoch waren am Wirken (von links) Christina Weber, Gitti Eifert, Anja Weigl, Michaela Berberski, Caro Fries, Sabine Oberhauser und Babsi Plötz.

Auch die Ausgabe hat sich im Ersthilfekammerl eingespielt. Während ukrainische Flüchtlinge, die in Gastfamilien leben, per Telefon einen Termin ausmachen, kommt die Asylhilfe Bruckmühl an drei Vormittagen mit den Geflüchteten, die in der Sporthalle des Gymnasiums leben, zur Anprobe ins ehemalige Diabetikerhaus. Damit die Mütter in Ruhe nach dem suchen können, was sie brauchen, wurde für die Kinder eine Spielecke eingerichtet. Auch eine Umkleide mit Spiegel und Sichtschutz gibt es inzwischen.

Die Menschen aus der Region bringen zweimal in der Woche ihre Spenden vorbei. Gebraucht wird aktuell vor allem Kleidung in den Größen 134 bis 176 für Kinder und Jugendliche. Gesucht werden für alle Altersgruppen aber auch neuwertige Unterwäsche oder Gutscheine für den Kauf von Unterwäsche sowie Schlafanzüge, Bademäntel und -schuhe, Rucksäcke, sommerliche Schuhe, einfache Kinderspiele, Dusch- und Handtücher, neue Kosmetikartikel und Snacks.

Angenommen werden nur frisch gewaschene Sachen, saubere Schuhe und Produkte, deren Mindesthaltbarkeitsdatum noch nicht abgelaufen ist. Wenn die Bekleidung zudem nach Größen und Geschlecht vorsortiert ist, erleichtert das die Arbeit der Helferinnen enorm.

Trotzdem kann es natürlich vorkommen, dass Spender in der Eile Verschmutzungen übersehen. „In Einzelfällen waschen wir die Sachen dann zu Hause oder putzen auch mal die Schuhe“, erklärt Weigl. Etwa 20 Prozent der Spenden sind aber auch mit viel Aufwand nicht zu retten.

Das Netzwerk der Helfer wird immer enger, und auch über eine Tauschbörse bringt das Ersthilfekammerl Menschen zusammen.

Netzwerk und Tauschbörse wachsen

Auf Listen ist vermerkt, wer etwas hat oder braucht. „So konnten wir vielen Gastfamilien schon mit Baby-Erstausstattungen helfen“, freut sich Christina Weber. Beschäftigungsmaterial und Spielzeug hat auch Carmen Brachschoss vom Bruckmühler Spielzeugladen vorbeigebracht. Im Geschäft gibt es einen Spendenkorb, der mit nützlichen Dingen für die jüngsten Flüchtlinge gefüllt werden kann. Zudem organisiert sie weitere Schulranzen und Kinder-Sitzerhöhungen fürs Auto.

So kommt zum großen Helferkreis von Hinrichssegen Tag für Tag ein neuer Mosaikstein hinzu. Wer aktiv dabei sein möchte, kann sich per E-Mail an ersthilfekammerl@gmail.com melden.

Wer ukrainische Flüchtlinge aufgenommen hat, kann unter der genannten E-Mail oder Telefon 01 75/5 95 90 91 einen individuellen Termin vereinbaren.

Wer seine Spenden abgeben möchte, kann das mittwochs, von 10 bis 11.30 Uhr und 16 bis 17.30 Uhr oder samstags von 9 bis 11 Uhr. Aktuelle Infos sind auch auf Instagram unter @ersthilfekammerl zu finden.

Valeria aus Saporischschja lernt jetzt online

Es ist erstaunlich, wie schnell sich Online-Plattformen und Netzwerke für die Ukrainehilfe entwickelt haben. So lernt Valeria beispielsweise fast ohne Unterbrechung weiter. Die 17-Jährige ist allein aus Saporischschja geflohen.

In Bruckmühl wurde sie herzlich aufgenommen, hat nicht nur ihr eigenes Zimmer, sondern auch Geschwister und Eltern auf Zeit. Sie war gerade in der Ausbildung zur Köchin und Konditorin, als der Krieg begann. Ihre Berufsschule funktioniert nun online. „Meine Lehrerin ist nach Polen geflüchtet. Die Klassenkameraden sind überall verstreut. Doch im Online-Klassenzimmer sehen wir uns täglich wieder“, berichtet sie. Zudem werde die Lehrerin auch weiterhin vom ukrainischen Staat bezahlt.

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