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Unseriöse Anzeigenverkäufer

Abzocker in Bruckmühl unterwegs

Gerhard Brock warnt die Bruckmühler, dass falsche Anzeigenverkäufer erneut versuchen, den Gewerbetreibenden das Geld aus der Tasche zu ziehen.
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Gerhard Brock warnt die Bruckmühler, dass falsche Anzeigenverkäufer erneut versuchen, den Gewerbetreibenden das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Neues Jahr, neues Glück scheinen sich unseriöse Geschäftemacher zu denken, die aktuell wieder in Bruckmühl unterwegs sind. Per E-Mail, Telefon und Postwurf versuchen sie, Gewerbetreibenden Anzeigen für angebliche gemeindliche Broschüren zu verkaufen. Doch die Gemeinde plant gar keine neuen Veröffentlichungen.

Bruckmühl – „Derzeit sind keine neuen gemeindliche Broschüren geplant. Für den Bürger Boten darf nur ein Verlag aus Valley Anzeigen akquirieren“, betont Cornelia Ahrens von dem gemeindlichen Mitteilungsblatt.

Mehrere Kommunen sind betroffen

Die Masche ist nicht neu. Erst im Oktober hatte der Markt Bruckmühl vor dubiosen Anzeigenverkäufern gewarnt. Damals gaben sie vor, für die neue Bürgerinformationsbroschüre der Marktgemeinde zu werben (wir berichteten). Anfang Dezember waren sie in Bad Aibling aktiv: Auch hier machte die Stadtverwaltung öffentlich darauf aufmerksam, dass die Stadt keine Bürgerbroschüre plane.

Einen Monat später sind die angeblichen Anzeigenverkäufer nun offenbar zurück in Bruckmühl. Diesmal behaupten sie, für den monatlich erscheinenden „Bruckmühler Bürger Boten“ zu akquirieren.

Vertreter brauchen eine Legitimation

„Das ist jedoch nicht der Fall“, warnt Cornelia Ahrens von der Marktgemeinde, die die Redaktionsleitung für das gemeindliche Mitteilungsblatt innehat. Sie ergänzt: „Die Marktgemeinde hat nur mit der h&mDruck GmbH aus Valley einen Vertrag geschlossen. Nur diese ist berechtigt, Anzeigen für unseren Bürger Boten zu akquirieren.“

Die falschen Anzeigenverkäufer gehen immer mit derselben Masche vor. Sie benutzen die Kontaktdaten aus veröffentlichten Anzeigen der Unternehmen. Sie kopieren die Anzeigenvordrucke aus gemeindlichen Broschüren und erwecken so den Eindruck, als sei tatsächlich eine neue Auflage in Vorbereitung.

Achtung Falle: Das Schreiben einer Londoner Firma ist täuschend echt und bedrohlich formuliert.

Genau so versuchte nun eine anonyme Anruferin, den Bruckmühler Unternehmer Gerhard Brock über den Tisch zu ziehen. Nicht zum ersten Mal. Im August sollte er für eine neue Auflage der Bürgerinformationsbroschüre eine Anzeige schalten. Der Anruf habe ihn während der Autofahrt erreicht. „Ich sagte, dass ich so etwas nicht am Telefon kläre“, erinnert er sich. Doch zu Hause erwartete ihn schon eine E-Mail mit der Rechnung. „Die Rechnungsadresse war in London“, berichtet Brock. So wusste er, dass da etwas faul sein musste.

„Ich hatte vorher schon einmal eine Anzeige in der Bruckmühler Informationsbroschüre geschaltet“, erzählt er. Mit dem Anzeigenverkauf hatte die Marktgemeinde damals einen regionalen Verlag beauftragt – den Reba-Verlag aus Freising. „Dessen Mitarbeiter suchten mich persönlich auf und wies sich mit einem Legitimationsschreiben der Gemeinde aus. Da passte alles und lief wunderbar“, wusste Brock aus Erfahrung.

Hinter dem aktuellen Anruf steckte nun keine Firma aus London, sondern ein Unternehmen mit Sitz in Luxemburg. Da Brock die Masche schon kannte, verwies er direkt an seinen Rechtsbeistand. „Zum Glück hatte ich danach Ruhe“, sagt er. Trotzdem hat er die Marktgemeinde gewarnt, dass es wieder losgeht. So will er auch andere Gewerbetreibende schützen.

Gerhard Brock hat alle Unterlagen aufbewahrt. Auch das Musterschreiben, das ihm im August aus der Falle half: Darin werden die angeblichen Anzeigenverkäufer aufgefordert, einen Nachweis über die Herkunft von Textvorlage und Logo des Anzeigen-Layouts zu erbringen und die Rohdaten vorzulegen. „Damit hatte ich Erfolg“, ist Brock froh. Mit diesem Musterschreiben können Betroffene klarmachen, dass es sich um einen Verstoß gegen das Urheberrechtsgesetz handelt. Ein Blick ins Gesetz zeigt, dass Verwertungsrechte im Urheberrechtsgesetz genau definiert sind. So kann man eine Anzeige zwar für den privaten Gebrauch kopieren, nicht aber für den geschäftlichen.

Urheberrecht wird verletzt

Rechteinhaber ist der Herausgeber einer Broschüre, was dieser mit den originalen Unterlagen auch beweisen kann.

Vier Bruckmühler Gewerbetreibende, denen es ähnlich erging wie Gerhard Brock, haben bei der Polizeiinspektion in Bad Aibling Anzeige gegen Unbekannt erstattet. „In allen vier Fällen haben die Betroffenen keine Zahlungen geleistet, ist kein materieller Schaden entstanden. Trotzdem wurden die Ermittlungen aufgenommen und die Fälle an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet, da der Anfangsverdacht eines Betruges vorliegt“, informiert Polizeioberkommissar Martin Ziegler.

Staatsanwaltschaft ermittelt in vier Fällen

Betrug ist ein Straftatbestand. Damit ist die Polizei nach dem Gesetz verpflichtet, die Ermittlungen einzuleiten. Man versuche in solchen Fällen unter anderem, über Telefonverbindungen oder IP-Adressen den Ursprung des E-Mail-Verkehrs oder Briefwechsels zu finden. „Bei Online-Banken oder ausländischen Adressen ist der aber kaum nachvollziehbar“, so Ziegler.

Brock ist sich allerdings sicher, dass die Urheber nicht in London oder Luxemburg sitzen, sondern vor Ort, vielleicht sogar in Bruckmühl, denn: „Ich habe den Brief per Einschreiben an die Londoner Adresse geschickt. Am nächsten Morgen hatte ich bereits eine Antwort im Briefkasten.“

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