Bevor es auf die letzte Reise geht

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Die Ideensammlung ist bereits groß, nun planen Irene Durukan und ihre Mitstreiter die Umsetzung des Programms "Da, wo der Tod ist, ist das Leben."

Bad Aibling - Den Tod mitten im Leben betrachten? Dabei will der Verein "Mut und Courage" im kommenden Jahr durch viele Aktionen helfen.

Den Tod mitten im Leben betrachten? Das ist kein einfaches, aber ein höchst facettenreiches Thema, das sich der Verein "Mut und Courage" für das Jahr 2013 vorgenommen hat. Mit Aktionen, Lesungen, Filmvorführungen und einer Ausstellung will man die Themen Sterben, Abschiednehmen und "letzte Reise" aus der Tabu-Zone herausholen.

"Wenn man persönlich mit den Menschen über unser Vorhaben spricht, dann ist großes Interesse da", stellt Irene Durukan, Vorsitzende des Vereins Mut und Courage, immer wieder fest. Und doch ist in der "großen Öffentlichkeit" häufig Zurückhaltung spürbar. Das will der Verein ändern. Denn: "Wo der Tod ist, ist das Leben", sagt Irene Durukan.

Eine der Hauptaktionen wird im Juni 2013 eine große Ausstellung unter dem Titel "Koffer für die letzte Reise" sein. Dabei handelt es sich um ein von Bestatter Fritz Roth initiiertes Kunstprojekt. Er hatte 100 leere Koffer an die unterschiedlichsten Personen verschickt, verbunden mit der Bitte, diese jeweils für die letzte Reise zu packen.

Jeder einzelne Koffer ist dabei eine Auseinandersetzung mit dem Thema Tod und der Endlichkeit des Lebens. Zugleich geht es aber darum, auch im Angesicht des Todes nach Hoffnung und Sinn zu suchen. Der Aiblinger Verein hofft, für diese Aktion auch Sponsoren zu finden, die beispielsweise für jeweils 50 Euro die Patenschaft für einen der Koffer übernehmen.

Größte Herausforderung bei diesem Projekt ist die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten: "Wir bräuchten eine Fläche von 350 Quadratmeter - das ist in Bad Aibling gar nicht so einfach", sagt Durukan. Möglicherweise müsse man die Ausstellung auf verschiedene Örtlichkeiten aufteilen, oder - im ungünstigsten Fall - minimieren.

Aber auch eine große Mauer wird benötigt: Für die Aktion "Before I die". Hier greift der Verein eine Initiative auf, die die Künstlerin und Designerin Candy Chang einst in New Orleans auf die Beine gestellt hatte: An einer Tafel an einer Hauswand konnte jeder mit Kreide seine Wünsche und Hoffnungen, die er vor seinem Tod noch erfüllen möchte, niederschreiben - nach den Worten "Before I die I want to..." ("Bevor ich sterbe, möchte ich..."). Schon am nächsten Tag war die Mauer vollständig ausgefüllt und wurde in der Folge immer größer.

Aus dieser Idee ist mittlerweile ein globales Projekt geworden, das nun auch die Aiblinger in den öffentlichen Dialog mit einbeziehen möchte. Die Wand soll ein Jahr aufgestellt bleiben.

Doch die Palette der Angebote ist noch viel breiter. So plant unter anderem der Kunstverein Bad Aibling, einen Film über Sterberituale in Burma zu zeigen. Am 21. Februar wiederum wird Ernst Fritz-Schubert über das an seiner Schule in Heidelberg als Pilotprojekt initiierte Unterrichtsfach "Glück" referieren. Ziel sei dabei die Förderung von persönlicher Zufriedenheit, Selbstsicherheit, Selbstverantwortung und sozialer Verantwortung. Der Direktor: "Uns geht es nicht darum, das Negative auszumerzen, sondern das Positive zu verstärken. Die Jugendlichen sollen empfänglich für Glücksmomente sein und sich Wege für ihr eigenes dauerhaftes Glück suchen können."

Über das Jahr verteilt plant "Mut und Courage" zahlreiche weitere Einzelaktionen. Im Gespräch sind unter anderem eine Filmvorführung als Sonntagsmatinee, ein Stationen-Theater "für Gehende, Gebliebene und Kommende" sowie ein Vortrag von der Trauerakademie Pütz.

Mit ins Boot geholt haben Irene Durukan und ihre Mitstreiter auch den Jakobus-Hospizverein Rosenheim, der im Frühjahr zusammen mit der Volkshochschule einen Hospizkurs anbieten will. Auch hierfür werden noch Räumlichkeiten gesucht. Zudem wird ein Podiumsgespräch zu den Themen Hospiz, Palliativmedizin und Krisenintervention vorbereitet.

Die Aiblinger Stadtbücherei will außerdem eine Medienliste zu den entsprechenden Themen zusammenstellen und plant überdies eine Buchausstellung sowie Lesungen. Vertreter der Aiblinger Kirchengemeinden haben laut Durukan ebenfalls Interesse an der Aktion signalisiert.

Weiterhin sind aber auch Tipps, Anregungen und Sponsoren willkommen, um das Programm auf möglichst breite Füße zu stellen. Kontakt über Irene Durukan, irene@muttutgut.org.

red/Mangfall-Bote

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