Markus Haselberger im Interview

Ist das die Mode der Zukunft?

+
Für die Fotos seiner Kollektion stand Haselberger selbst Modell

Bad Feilnbach - Der Auer Markus Haselberger studiert nicht nur Modedesign, sondern hat auch schon sein eigenes Modelabel gegründet. Damit möchte er ganz groß rauskommen:

Markus Haselberger ist ein scheinbar ganz normaler junger Mann aus dem kleinen Dorf Au. Aber dieser junge Mann ist gerade auf dem besten Weg, als Designer in der Modebranche durchzustarten. Denn er durfte seine aktuelle Kollektion "Siddhartha" aus dem selbstgegründeten Label "IC" bereits im Rahmen der Fashion Week in Berlin präsentieren und auch in verschiedenen Pop-Up-Stores waren Teile daraus schon zu sehen. Wie es dazu kam, was sein Label ausmacht und wohin ihn die Zukunft treibt, hat er unserer Redaktion exklusiv erzählt.

Modenschau bei der Fashion Week

In der renommierten Berliner "Platoon Kunsthalle" wurde Haselbergers Kollektion einen Tag lang während der Fashion Week ausgestellt. Der Höhepunkt fand dann aber am Abend statt: Zum ersten Mal bekam Markus eine eigene Modenschau vor größerem Publikum außerhalb seiner Universität. Dieser große Moment sollte dabei nur der Startschuss für weitere Projekte sein: "Ich habe seitdem schon einige Anfragen für Shootings und andere Sachen bekommen und wurde aufgrund der Modenschau auch auf mehrere Messen eingeladen. Dadurch konnte ich mal sehen, dass das, was ich mache, auch bei anderen Menschen gut ankommt. Das war auf jeden Fall eine gute Erfahrung!"

The innovations taking place at the intersection of fashion and technology are profound. The age of wearable technology...

Posted by PLATOON KUNSTHALLE Berlin on Mittwoch, 8. Juli 2015

An diesem Abend wurde er auch gefragt, ob er ein Teil seiner Kollektion, seinen Anzug, nichtin einem der POP-UP-Fashion-Stores Berlin ausstellen wolle. Aber was genau ist es eigentlich, das seine Kollektion so besonders macht? Was beeindruckt die Menschen daran? "Die derzeitige Kollektion setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen. Zum einem ist da in den Farben - schwarz, weiß und blau - eine Interpretation von Melancholie, zum anderen beinhaltet jedes Teil einen Ansatz von Technik. Das wollte ich unbedingt hineinbringen, weil Technik in der Zukunft auch ganz stark in der Mode vertreten sein wird", erklärt Haselberger.

Technik als Mode-Applikation

Um den Leuchtanzug herzustellen, habe er mit Glasfaser, sechzehn verschiedenen Farben und einer Fernbedienung gearbeitet. Durch Wärmereaktion verschwinden die schwarzen Flecken auf dem Kleidungsstück, wenn man sie anfasst. Und auch am Hemd gibt es eine Besonderheit, wie der 20-Jährige erzählt: "An der Seite ist ein Touchscreen angebracht, der mit offenem Stromkreis läuft. Wenn man hinfasst, schließt sich der Kreislauf und Lämpchen leuchten auf. Super simpel und effektiv!"

Der dritte Baustein war Afghanistan. Davon habe sich Haselberger ganz stark in den Schnitten inspirieren lassen: "Die langen Hemden und Tücher und auch die Westen und die Haremshosen mit ihren tiefen Schritten stammen aus dieser reichhaltigen Kultur. Ich habe das dann in diese geometrischen Formen abgewandelt."

Auch der Name der Kollektion hat eine Bedeutung. Benannt ist sie nach dem gleichnamigen Buch von Hermann Hesse. "In dem Buch geht es im Großen und Ganzen darum, dass man Weisheit nicht erlernen kann, sondern erfahren muss. Und so geht es mir auch mit dieser Kollektion. Kein Mensch kann nachvollziehen, was sie mir bedeutet und wie sie mich voran gebracht hat. Ich kann es ihnen erzählen, aber fühlen kann das nur ich", betont Markus an dieser Stelle.

An der ESMOD in Berlin

Für Haselberger geht es beim Designen vor allem um die Kunst und den Spaß am kreativen Schaffen. Auch Grenzen zu überschreiten sei wichtig, sagt er: "Man sollte vor allem das tun, was man liebt und was man mag, und wenn das den Leuten gefällt ist das gut, und wenn nicht, dann ist das auch okay."

Seit zwei Jahren lebt der gebürtige Oberbayer schon in Berlin. Sein Handwerk lernt er dort an der ESMOD (École supérieure des arts et techniques de la mode), eine der berühmtesten Modeschulen der Welt. Obwohl er inzwischen einer der erfolgreichsten seines Jahrgangs ist, hat er dort auch schon Ablehnung erfahren: "Letztes Jahr war ich noch einer der schlechtesten meiner Klasse. Die Lehrer haben zu mir gesagt, ich solle die Uni verlassen." Doch Markus hörte nicht auf seine Lehrer, sondern auf sich selbst - und blieb! "Man muss vor allem auf sich selber hören und auch ehrlich zu sich selbst sein, um seine Ziele zu erreichen", rät Haselberger.

Markus' Fashion-Movie:

Sein Ziel ist es, irgendwann in der Luxus-Modebranche mit seinem eigenen Label Fuß zu fassen: "Ich kann mir einfach nicht vorstellen, mal für jemand anderen zu arbeiten. Viel lieber bin ich in dem was ich mache, mein eigener Chef, auch wenn das viel Arbeit bedeutet." Dabei möchte Markus mit seiner Mode vor allem auchandere Standards setzten und eine Philosophie vertreten . "Mir sind Menschenrechte, Nachhaltigkeit und auch Umweltschutz extrem wichtig. Um da niemanden auszubeuten, bin ich eigentlich gezwungen, meine Produkte ein bisschen teurer zu verkaufen." Dafür wolle er aber auch einen Teil des Gewinns an Projekte von gemeinnützigen Organisationen spenden.

Möchte jede Chance nutzen

Ob Markus Haselberger in Berlin bleibt oder wieder in sein Dörfchen Au zurück komme, das könne er noch nicht sagen: "Ich finde, wenn man plant, ist man schon ziemlich festgelegt. Wenn sich eine Chance ergibt, die vielversprechend klingt und an der ich wachsen kann, dann ergreife ich die auf jeden Fall. Egal, ob in Berlin oder in Au oder ganz woanders."

Das Schönste an der Modeschöpfung sei für Markus, dass man so viele Menschen damit erreiche. Und zwar Menschen aus den unterschiedlichsten Schichten und mit den unterschiedlichsten Hintergründen, wie eine Geschichte beweist: "Ich habe einmal meine Abgabenmappe in einem Supermarkt vergessen. Ich bin dann als ich das bemerkt habe, wieder hin und die Putzfrau, die die Mappe bereits gefunden hatte, wollte sie unbedingt mit mir durchschauen, und sie war richtig begeistert davon. Das war einfach das schönste Kompliment für mich , das Kompliment einer Frau, die eigentlich nichts mit Mode zu tun hat."

Fotos von der Kollektion "Siddhartha":

Haselbergers Kollektion "Siddhartha"

Pegah Meggendorfer

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bad Feilnbach

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser