BÜRGERMEISTER HOFER BLICKT AUF DAS JAHR 2015 ZURÜCK

"Man hat nicht erkannt, was da los ist auf dieser Welt"

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Bad Feilnbach - So war das Jahr 2015. Im Dritten Teil der Serie: "Bürgermeister blicken zurück" gab Bürgermeister Hans Hofer mangfall24.de ein Interview.  

Die bisherigen Jahresrückblicke:
Bürgermeister Felix Schwaller, Bad Aibling
Bürgermeister Bernhard Schweiger, Feldkirchen-Westerham 

mangfall24.de: Grüß Gott Herr Hofer. Danke dass Sie sich Zeit genommen haben. Könnten Sie ein kleines Resümee ziehen zum Jahr 2015 und vielleicht einen kurzen Ausblick auf 2016? Wie war das Jahr für Sie als Bürgermeister?

Hofer: Wir haben wirtschaftlich eine relativ starke Zeit erlebt. Ich weiß nicht wie lang es halten wird, ich hoffe noch eine Zeit lang, aber ich meine, wenn es jetzt noch nicht geht, dann wäre es nie gegangen. Wir haben natürlich jetzt auch Aufgaben vor uns, die wir geplant haben, weil wir eben eine gewisse Stabilität im Haushalt haben und wir unsere Ortschaft auch weiter entwickeln wollen .

mangfall24.de: Gibt es da schon Konkretes?

Hofer: Das ist die Ortsmitte, die Sanierung der Schule in Au, der Bau des Gemeinschaftshauses und Feuerwehrhauses in Dettendorf. Also ausreichend Aufgaben. Nach oben sind keine Grenzen.

mangfall24.de: Gibt es auch irgendwelche Höhepunkte im letzten Jahr, wo man sagen kann „das haben wir jetzt geschafft“, „das ist super gelaufen“?

Hofer: Ich möchte fast sagen wir haben laufend Höhepunkte gehabt weil einfach alles, gut im Einvernehmen mit den Bürgern erledigen werden konnte. Das ist schon mal die Dorferneuerung in Dettendorf was wir nach langer Vorarbeit optimal für die Ortschaft und auch von den Kosten her entsprechend, hinbekommen haben. Das Dorfgemeinschaftshaus in Litzldorf konnte abgeschlossen werden. Das ist ein ganz tolles Projekt mit der Dorfgemeinschaft und es ist auch unsere Strategie, die Außenbereiche stabil zu halten.

Wie Sie bestimmt wissen, haben wir vier komplett intakte Ortschaften. Vom Kindergarten, der Musikkapelle bis hin zur Feuerwehr, ein komplettes Vereinsprogramm, wie es aus der Historie heraus gewachsen ist. Und das ist einfach wichtig, dass die Ortsgemeinschaften stabil bleiben, dass die Leute vor Ort bleiben, auch wenn die Infrastruktur nicht dem entspricht, wie man es vielleicht gewohnt ist und die Wege eventuell etwas länger sind, aber die Qualität der Heimat ist schon wichtig.

mangfall24.de: Wie sieht es mit dem Zu- und Wegzug aus, ist das stabil in der Gemeinde?

Hofer: Ja es gibt natürlich Bewegung im Zuzug und Wegzug, aber letztendlich soll das Maß irgendwo bei 0,5 - 0,8 Prozent Maximum pro Jahr sein. Das haben wir auch relativ gut eingehalten. Wir haben das Einheimischen Modell weiterhin, dass wir auch für unsere Leute vor Ort die Möglichkeit des „Eigentumschaffens“, des eigenen Hauses verwirklichen kann.

mangfall24.de: Gab es auch negative Dinge worüber man sagen kann „das war nicht so schön“?

Hofer: Das hat man wahrscheinlich jeden Tag ein paar mal, dass es Dinge gibt, die einem nicht so schmecken, aber letztendlich kann ich sagen: Nein. Es hat natürlich ein paar persönliche Dinge gegeben, zwei junge Leute haben im Verkehr das Leben verloren, das tut natürlich weh. Aber was mit der politischen Kommune zusammenhängt, gab es nichts. Die Ziele, die wir uns gesetzt haben, an denen wir gearbeitet haben, haben wir den Schritten entsprechend vorwärts gebracht.

Die Kliniken sind in den Freiberger Konzern übergegangen, das finde ich eine gute Entwicklung, wenn es so sein sollte, dass da ein Eigentümerwechsel stattfindet, dann ist das die beste Lösung. Es wird dort kräftig investiert, die ersten Schritte sind schon gemacht. Es sollen dort 200 Arbeitsplätze entstehen, das ist natürlich für uns schon wichtig. Das schafft natürlich auch ein bisschen das Problem, dass man für diese Leute auch Wohnraum schafft, aber wir sind da mit der Geschäftsleitung in einem sehr guten, offenen Kontakt und wir helfen zusammen, dass wir das auch einigermaßen auf die Reihe bringen.

mangfall24.de: Thema Flüchtlinge: Das Thema ist allgegenwärtig, wie ist Ihre Sicht darauf?

Hofer: Das wird lange Zeit ein großes Thema bleiben und uns alle viel Kraft kosten. Es war ja ein Bericht in der Zeitung, die Bürgermeister des Landkreises tragen das solidarisch einigermaßen mit, soweit es möglich ist, aber es wird natürlich irgendwo seine Grenze haben und man sieht natürlich schon die Aufgabe irgendwo beim Staat angesiedelt. Momentan ist es noch so, dass man es ein bisschen großzügig gesehen aus unserer Seite mittragen kann, aber irgendwann müssen da wahrscheinlich einmal klare Regelungen her wie das Finanzielle geregelt wird.

mangfall24.de: Tragen die Kosten momentan noch die Kommunen?

Hofer: Jetzt sind wir auf alle Fälle noch in Vorleistung mit „hier brauchen wir noch was und da brauchen wir noch was“, da werden Räume zur Verfügung gestellt für Kleider und alle diese Dinge, die müssen natürlich irgendwo abgerechnet werden. Das wird aktuell nicht gemacht, weil wir nicht wissen wohin.

Wir haben das Glück, dass die Ehrenamtlichen noch so fleißig sind, so tolerant sind und sich so einsetzen, aber wenn dieser Bogen mal überspannt wird, dann wäre es schade, wenn es zu einem Bruch kommt, wenn man da nicht irgendwann einmal Regelungen schafft. Es wirkt sich ja aus vom Kindergarten bis in alle Bereiche, wie es eben für unsere Bürger auch ist. Wenn es dann in fünf, in zehn, in zwanzig Jahren soweit ist, da glaube ich, werden für unser Land noch große Aufgaben kommen, wo Toleranz gefordert ist, dass es nicht zu einem sozialen Unfrieden kommt. Das befürchte ich.

Diese Leute brauchen einen Kindergarten, eine Schule, eine Wohnung. Momentan kann für eine kurze Zeit eine Schulturnhalle hilfreich sein, aber das geht nicht auf die Dauer. Grundsätzlich muss es eine Obergrenze geben irgendwann. Es ist natürlich nicht einfach diese Massen kontrolliert aufzunehmen, aber irgendwo hat jedes Land seine Kapazitätsgrenzen erreicht. Wenn eine unbekannte hohe Zahl von Asylsuchenden Leuten bei uns im Land unterwegs sind, ohne Papiere, ohne dass man weiß wer das ist und wo er her ist, dann glaube ich, ist das sehr schlecht.

Ich muss sagen, man hat das nicht erkannt, was da los ist auf dieser Welt. Und dass irgendwann einmal auch diese Leute aufbegehren, das kann ich verstehen. Ich verstehe jeden, der gesagt hat „ich mach mich auf die Reise“, ganz klar. Was aber bei uns wesentlich besser kommuniziert werden muss bis zur obersten Spitze des Landes ist, dass man sich schon so benehmen muss, wie es die Kultur des Landes erfordert. Das gehört zum Miteinander dazu.

mangfall24.de: Merken Sie speziell auch in der Gemeinde, dass es Ängste oder Unruhen bei den Bürgern gibt?

Hofer: Nein, Ängste oder Unruhen nicht. Sorge bemerkt man schon. Das ist am Tag zehn mal ein Thema, wenn man mit jemandem ins Gespräch kommt. Ich werde ständig gefragt: „Was ist los? Wie wird es weiter gehen? Wo kommen sie denn hin?“

Ich kann nur sagen was ist, wir haben Flächen gemeldet, es hat auch der Freistaat Bayern Flächen bei uns in der Wendelsteinstraße. Wir haben jetzt 40 Menschen hier, das ist eigentlich eine Ideallösung, es haut miteinander einigermaßen hin.

mangfall24.de: Kann man resümierend sagen: „Es war ein turbulentes Jahr, ein ruhiges Jahr?

Hofer: Es war ein anstrengendes Jahr. Es war viel los. Es gab wenige Abende an denen ich zuhause war, mit wenig Urlaub. Es waren einfach viele Dinge die gemacht werden mussten. Der Terminkalender füllt sich einfach, bis er voll ist und dazwischen muss man einfach einmal ein bisschen durch schnaufen. Wie es eben jedem Menschen geht, wir sind auch nur Menschen.

Ansonsten hat uns natürlich auch die Umfrage gefreut, dass der Bürger so zufrieden ist mit uns. Ich möchte das jetzt nicht so hoch bewerten, wenn sie ein paar andere gefunden hätten, dann würde das vielleicht anders aussehen. Aber es freut mich natürlich.

Fragen, Tipps, Anregungen - schreibt uns über What'sApp: Tel. 0162/2852300

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