1 Jahr Corona-Pandemie

Wie Bad Feilbach zum Corona-Sonderfall wurde – RKI-Statistiker sind weiter am Werk

Bad Feilnbachs Bürgermeister Anton Wallner war der erste Bürger, der in einem der beiden Untersuchungsbusse des RKI durch Studienmitarbeiter Nicu Anghel (links) den Rachenabstrich und die Blutentnahme für die Studie vornehmen ließ.
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Bad Feilnbachs Bürgermeister Anton Wallner war der erste Bürger, der in einem der beiden Untersuchungsbusse des RKI durch Studienmitarbeiter Nicu Anghel (links) den Rachenabstrich und die Blutentnahme für die Studie vornehmen ließ.

Im Sommer 2020 erreichte Bad Feilnbach wohl bundesweit Aufmerksamkeit. In der Gemeinde hatten sich viereinhalb Mal mehr Menschen mit dem neuen Corona-Virus infiziert, als zuvor durch positive Tests bekannt gewesen war. Doch das blieb nicht das einzige statistische Wunder in der Region.

Bad Feilnbach – Mitarbeiter des Robert-Koch-Instituts (RKI) hatten im Verlauf einer großen Studie bei einer entsprechenden Anzahl von Bad Feilnbachern Antikörper und damit die Corona-Infektion nachgewiesen. Die Ergebnisse der Untersuchung brachten noch einiges andere ans Tageslicht. An der Studie nahmen auch Bad Feilnbacher teil, die bei einem Sars-CoV-2-Test als positiv festgestellt worden waren – bei 24 Prozent konnten trotzdem keine Antikörper nachgewiesen werden.

2150 Menschen an RKI-Studie beteiligt

Die Studie mit gut 2150 Menschen zeigte aber auch, wie leicht Corona im günstigen Fall verlaufen kann. 14 Prozent spürten gar keine, 86 Prozent offenbar nur geringe Symptome. Und das erfreulichste Ergebnis: Im Zeitraum der Studie, also von 23. Juni bis 4. Juli, wurde keine einzige akute Infektion in dem einstigen Hotspot festgestellt. Es schien fast ein bisschen, als habe man die Pandemie bereits hinter sich. Und die Mitarbeiter vom RKI seien nur noch gekommen, um die statistische Aufräumarbeit zu machen.

Dann kam der Herbst – und mit ihm die zweite Welle, mit noch heftigeren Auswirkungen als die erste. In drei Monaten starben an oder mit Corona in der Region so viele Menschen wie zuvor in acht Monaten. Ein globales, aber auch ein unübersichtliches Ereignis. Virologie und Epidemologie, so zeigte sich, sind keine Mathematik. Ihre Grundlagen können sich von Woche zu Woche ändern.

Kürzlich stellte das RKI die Ergebnisse seiner jüngsten Studie in Berlin vor. Deren Zahlen belegen immerhin zweifelsfrei, wie weit das Testkonzept mittlerweile gediehen ist: Nur noch 2,2 Mal so viele Berliner dürften sich demnach tatsächlich infiziert haben, wie bislang durch Tests festgestellt worden war. Ansonsten aber zeigte sich: Die Mühlen der Wissenschaft mahlen langsam. Und das Virus ist immer wieder zu Überraschungen fähig.

Statistiker kommen an ihre Grenzen

Es bricht aus, wie es will. Unter fast 2300 Probanden stellten die RKI-Mitarbeiter erstaunliche 21 akut Erkrankte fest. Wo die sich angesteckt hatten, sei nicht mehr so richtig nachvollziehbar gewesen, sagt Jörg Schaarschmidt vom Robert-Koch-Institut, mit zuständig fürs Corona-Monitoring lokal. „Ein diffuses Ausbruchsgeschehen“, sagt er. Anders als bei so vielen Ausbrüchen während der ersten Welle, als man oft bestimmte Ereignisse als mutmaßliche Virenschleuder ausmachen konnte.

Mit der Bad Feilnbacher Studie sind die RKI-Analytiker übrigens noch immer nicht fertig. Noch sind die Fragebögen nicht ausgewertet, die etwa Anhaltspunkte zu Ansteckungswegen liefern könnten. Wo und wie steckten sich im Frühjahr 2020 die Bad Feilnbacher an? Da sind die RKI-Leute wissbegierig.

Antworten werden noch ausgewertet

Auf der anderen Seite grenzt Jörg Schaarschmidt die Aussagekraft von erinnerten Fragebogen-Antworten ein. Aufgrund der Inkubationszeit sei das oft schwierig zu bewerten, meint er. „Wer weiß denn noch genau, was er vor fünf, sechs Tagen wo getan hat?“

Das Virus und seine Mutationen

Schwerwiegender aber ist die enorme Wandlungsfähigkeit des Virus. Der Anteil an ansteckenderen Varianten liegt in Deutschland bei mindestens einem Viertel. Was sie für Folgen haben, werden neue Studien zeigen. Es ist zu erwarten, dass es bis dahin neue Varianten gibt.

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