RoMed-Kliniken zu Ende für Geburtshilfestation

"Sachgerecht, das Thema Geburtshilfe in Bad Aibling zu beenden"

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Bad Aibling/Wasserburg - Seit 15. August ist die Geburtsstation im RoMed-Klinikum Bad Aibling geschlossen. Nun haben die RoMed-Kliniken Stellung zur endgültigen Schließung bezogen.

Update, 15.30 Uhr: Pressemitteilung der RoMed-Kliniken

Die Geschäftsführung der RoMed Kliniken hat dem Aufsichtsrat in der Sitzung vom 30. November vorgeschlagen, die belegärztliche Geburtshilfe an der RoMed Klinik Bad Aibling endgültig zu schließen.

Zunächst trugen Peter Lenz, Geschäftsführer der RoMed Kliniken und Dr. Guido Pfeiffer, Ärztlicher Direktor der RoMed Klinik Bad Aibling, in der Sitzung einen aktuellen Sachstandsbericht vor. Darin betonten sie, dass die RoMed Klinik Bad Aibling für die wohnortnahe Versorgung ein sehr kompetenter und wichtiger Partner für die Bevölkerung sei. Die Klinik hätte sich gut entwickelt - auch im gesamten RoMed-Verbund - und würde strukturell wie baulich weiterentwickelt.

Zum Verständnis für die Problematik in der Geburtshilfe wurde das Belegarztsystem detailliert erläutert. Damit es funktioniert, müssen drei Voraussetzungen als tragende Säulen bei der Geburtshilfe sichergestellt sein: ein geburtshilflicher ärztlicher Bereitschaftsdienst an 365 Tagen im Jahr, Hebammen, die rund um die Uhr Dienste abdecken und Kinderärzte mit neonatologischer Zusatzqualifikation, die in Form eines Rufbereitschaftsdienstes 24 Stunden täglich zur Verfügung stehen. Doch alle drei Säulen sind ins Wanken gekommen.

Aus Altersgründen verringerte sich die Anzahl der Belegärzte in der Geburtshilfe, Nachwuchskräfte ließen sich nicht finden. Hebammen wurden aus verschiedensten Gründen (Familie, Wegzug) immer weniger. Für die Kinderärzte gilt das Gleiche wie für die Gynäkologen – altersbedingter Schwund und mangelnder Nachwuchs. Diese Veränderungen folgen einem grundsätzlichen gesellschaftlichen Wandel: Die Bereitschaft von hochqualifiziertem Fachpersonal, rund um die Uhr zur Verfügung zu stehen, hat extrem abgenommen. Somit gibt es bei allen drei Versorgungsäulen derzeit nicht lösbare Engpässe, die jedoch für eine qualitativ hochwertige Geburtshilfe absolut notwendig sind. „Wir können keine bundesweiten Probleme vor Ort lösen“, resümierte Dr. Guido Pfeiffer, Ärztlicher Direktor der RoMed Klinik Bad Aibling.

Eine funktionierende Versorgung für den geburtshilflichen ärztlichen Bereich wäre insofern nur durch eine Hauptfachabteilung möglich. Dafür werden mindestens sechs bis neun Ärzte benötigt, davon mindestens vier qualifizierte Fachärzte. Das RoMed Klinikum Rosenheim verfügt in der Geburtshilfe über insgesamt 23 Ärzte und die Klinik Wasserburg über acht Ärzte. Neu geschaffene Stellen in Rosenheim können derzeit aus Bewerbermangel nur schwer besetzt werden. Selbst wenn sich Ärzte für Bad Aibling finden würden, bestünde der Hebammenmangel weiter und die kinderärztliche Versorgung wäre offen. „Ein äußerst bedauerlicher und letztlich notwendiger Schritt. Nach eingehender Analyse lassen sich die offenen Problemfelder für eine qualitativ hochwertige Geburtshilfe in Bad Aibling leider nicht lösen“, bedauert Peter Lenz, Geschäftsführer der RoMed Kliniken.

Aus diesen Gründen hält es die Geschäftsführung für sachgerecht, das Thema Geburtshilfe in Bad Aibling zu beenden, um die Energien zum einen in die Stabilisierung und Zusammenarbeit der beiden bestehenden geburtshilflichen Standorte in Rosenheim und Wasserburg zu stecken und zum anderen, um in die Weiterentwicklung und den Ausbau des Standortes in Bad Aibling zu fördern. So gibt es Zusagen vom Kreistag und dem Gesundheitsministerium für einen Ersatzneubau mit drei OP-Sälen sowie einer Zentralsterilisation und die Verlegung der Intensivstation direkt neben OP und Aufwachraum. „Wir investieren enorm in den Standort Bad Aibling“, bekräftigte Landrat Wolfgang Berthaler am Rande der Sitzung.

Die Leistungszahlen der letzten fünf Jahre belegen die hohe Akzeptanz des Standorts bei der Bevölkerung und bei den niedergelassenen Ärzten. Den Standort Bad Aibling zeichnet eine gut gelungene Kombination von Grund- und Regelversorgung mit einem darüber hinausgehenden spezialisierten Leistungsangebot aus. Hierzu gehört die Spezialisierung in der Adipositas-Chirurgie genauso wie die Schaffung eines Hernienzentrums. 

Bad Aibling ist der Standort, an dem im RoMed Verbund die meisten Leistenbrüche („Hernien“) operiert werden. Genauso hat man frühzeitig innerhalb der Unfallchirurgie das Thema Alterstraumatologie erkannt und weiter ausgebaut. Außergewöhnlich für einen Standort mit 140 Betten ist die Vorhaltung einer HNO- Hauptfachabteilung, an der auch Tumor-HNO- Chirurgie und Innenohr-Implantologie betrieben werden. Das sind alles gute Voraussetzungen, die auch weiterhin eine hohe Akzeptanz für die Klinik Bad Aibling schaffen und Weiterentwicklungen ermöglichen.

Pressemitteilung RoMed Kliniken

Die Erstmeldung, 6.50 Uhr:

Der Klinikverbund will die Station wohl nicht mehr öffnen, wie der Mangfallbote nun schreibt. Peter Lenz, Geschäftsführer des Klinikverbundes, erklärt gegenüber dem Mangfallboten: "Die Geburtshilfe auf der Basis eines Belegarztsystems in Bad Aibling hat keine Zukunft." Lenz wolle mit der Rückendeckung des Landrats und des Aufsichtsrates des Romed-Klinikverbundes jedoch alles dafür tun, die Geburtenstationen in Rosenheim und Wasserburg "professionell weiterzuentwickeln".

Einen offiziellen Beschluss zur endgültigen Schließung der Geburtshilfestation in Bad Aibling gebe es noch nicht, jedoch habe auch Landrat Wolfgang Berthaler, der sich anfangs stark für die Wiedereröffung eingesetzt hat, inzwischen die Segel gestrichen und schließe sich der Meinung der Experten an. Berthaler kritisiert, dass die kleineren öffentlichen Krankenhäuser unterfinanziert seien. Er fordert, laut Mangfallbote, ein grundlegendes Umdenken der Bundesregierung in der Krankenhauspolitik.

Den ausführlichen Bericht lesen Sie auf ovb-heimatzeitungen.de oder in Ihrem Mangfallboten.

Rubriklistenbild: © dpa

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