Kontroverse Diskussion im Stadtrat

Elfstöckiges "Hochhaus" auf dem Gelände des Ludwigsbades?

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Das Grundstück des ehemaligen Ludwigsbades in Bad Aibling
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Bad Aibling - Was passiert auf dem Grundstück des ehemaligen Ludwigsbades in Bad Aibling? In der Stadtratssitzung am Dienstagabend präsentierte Architekt Stefan Behnisch einen Vorentwurf. 

Eine der bekanntesten Anlaufstellen für Reisende zwischen München und Salzburg: Diesen Ruf bescherte in seinen Blütejahren das ehemalige Hotel Ludwigsbad der Kurstadt. Es war das erste Moorheilbad Bayerns und das erste salinische Moorheilbad der Welt. 1845 wurde es eröffnet. Am 17. März 2007 wurden die Gebäude Ziel einer Brandstiftung zweier Jugendlicher und mussten 2011 wegen der schweren Schäden komplett abgerissen werden. Nun, gut 170 Jahre später soll das Gelände überplant und neu bebaut werden.

Architekt stellt Pläne vor

Bereits im Jahr 2015 präsentierte ein Investor für das Ludwigsbad-Areal Pläne für ein Spezialpflegeheim. In der jüngsten Stadtratssitzung stellte Architekt Stefan Behnisch nun aber neue Planungen vor:

Sechs Baukörper und ein "Hochhaus"

Die Flächenkennwerte des Geländes des ehemaligen Ludwigsbades im Vergleich

Nach dem Vorentwurf sollen dort sechs Baukörper entstehen, wovon fünf Baukörper im Erdgeschoß miteinander verbunden sind. Ein Baukörper, der sich relativ mittig im Areal befindet, ist mit zehn bzw. elf Geschossen geplant und soll eine "grüne Fassade" mit außergewöhnlicher Gestaltung erhalten. Die weiteren fünf Baukörper seien viergeschossig mit mit geneigten Dachformen geplant. Eine öffentliche Wegeverbindung zwischen Rosenheimer Straße und dem Kurpark sei vorgesehen. Für die Planungen muss jedoch der Bebauungsplan geändert bzw. neu aufgestellt werden. 

Nutzungsverteilung

Die Nutzungsverteilung der einzelnen Baukörper ist vorgesehen als Hotel, Wohnen, Servicewohnen und Dienstleistungsgewerbe. 

In einer geplanten Tiefgarage mit Zufahrt von der Rosenheimer Straße können 173 Stellplätze nachgewiesen werden. Weitere Stellplätze seien oberirdisch noch möglich. 

Baumbestand

Der Baumbestand wurde gutachterlich gesichtet und bewertet. Hiernach sind acht Bäume weitestgehend stand- und bruchsicher, neun Bäume weisen langfristig bedrohliche Schäden auf und zwei Bäume müssen kurzfristig entfernt werden, da bereits absterbender Zustand herrsche.

Die Diskussion im Stadtrat

Im Anschluss an die Präsentation des Architekten Behnisch räumte Bürgermeister Felix Schwaller (CSU) gleich mit einigen Sorgen von Bürgerseite auf, wonach befürchtet werde dass man mit einem derart hohen Gebäude Bezugsfälle schaffe: "Man schafft dort keinen Bezugsfall, weil dort so viel Park ist, wie sonst fast nirgendwo in Bad Aibling. Auch die Kritik von Stadträtin Irmengard Ranner-Sobihard (ÜWG) an der Höhe des zentralen Gebäudes, ihr fehle hier der Bezug zu Bad Aibling und sie denke, dass das aus dem Rahmen falle, wies der Bürgermeister zurück: "Dann hätte das Ludwigsbad vor 150 Jahren auch nicht gebaut werden können, das hat auch nicht zu Bad Aibling gepasst, genau wie die Kliniken."

Weber erschüttert über Planungen

Stadtrat Florian Weber (Bayernpartei) war nach eigener Aussage erschüttert über den Entwurf: "Zehn bis elf Stockwerke ist für Bad Aibling zu viel. Das Ortsbild und das soziale Gefüge wird sich dadurch massiv verändern. In einem Hochhaus herrschen anonyme Wohnverhältnisse." Er halte die Bebauung so für völlig ungeeignet und plädiert dafür die Höhe zu halbieren. Der Architekt entgegnete dem, dass es sich aus städteplanerischer Sicht in dem Umfeld ganz gut vertrage und dass man hier nicht von einem echten Hochhaus spreche.

Auch Rosemarie Matheis (ÜWG) könne mit einem elfstöckigen Haus in Bad Aibling im Vergleich zu den bestehenden Gebäuden nicht leben. "Mir gefällt die Planung und ich verstehe auch, dass man die Geschoßflächenzahl nutzen will, das Gebäude würde mit 32 Metern Höhe aber die Bäume überragen und das ist mir zu viel."

Richard Lechner (SPD) monierte, dass es nicht richtig sei, die Wohnanlagen im Westen und an der Glonn entlang völlig auszuklammern. Ihm fehlte auch die Planung für die Tiefgaragenzufahrt. Auch die aus seiner Sicht "relativ magere Beschlussvorlage" sah er kritisch: "Ich werde mich einer Abstimmung heute widersetzen, weil ich nicht genau weiß, über was abgestimmt wird." Er sei mit dem Entwurf relativ zufrieden, nur die Details seien ihm zu wenig. 

Zuspruch von CSU und den Grünen

Grünes Licht bekam die Planung von den meisten CSU-Stadträten und der Fraktion der Grünen. "Wir sind nach wie vor sehr angetan von dem Entwurf und wir wünschen uns, dass  die Planungen bald in Gang kommen und freuen uns auf die Umsetzung", erklärte Fraktionssprecherin Heidi Benda (GOL). Auch das hohe Gebäude dürfe aus Sicht der Grünen durchaus so bleiben.

Schmerzpunkt Bäume

Wilhelm Bothar (ÖDP) sei glücklich darüber, dass überhaupt Planungen gemacht werden, ihn störe aber auch die Dominanz des Hochhauses. Sein Schmerzpunkt seien jedoch die Bäume, die dann "plötzlich erkranken", wie schon öfter in Bad Aibling. Er fordert Ersatzpflanzungen von großen Bäumen. Auch diesen Kritikpunkt wollte Bürgermeister Schwaller so nicht stehen lassen: "Das kann ich so nicht im Raum stehen lassen, dass Bäume plötzlich erkranken. Oft waren Bäume durch umliegende Gebäude geschützt, wenn diese aber abgerissen werden sind sie nicht mehr geschützt und erkranken dann."

Noch kein Beschluss gefasst

Auf Grund der vielen Einwände wurde in der Sitzung am Donnerstagabend noch kein Beschluss gefasst. Bürgermeister Schwaller gab abschließend zu bedenken: „Manchmal muss man sich auch mal was trauen.“

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