nonfiktionale 2015

"Ich hab die Arbeit nie besonders gemocht"

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Bad Aibling - Eine humorvolle Abrechnung mit dem ehemaligen Arbeitgeber bekam das voll besetzte Kino zum Beginn des Filmfestivals zu sehen. Der Regisseur im Gespräch mit dem Publikum:

Mit der abendfüllenden und preisgekrönten Dokumentation "Das Grosse Museum" über das Kunsthistorische Museum in Wien von Johannes Holzhausen startete die diesjährige "nonfiktionale" in Bad Aibling. Ein trockener Blick auf die Wirklichkeit? Fehlanzeige!

Mit dem alten Arbeitgeber abgerechnet

Das voll besetzte Kino zur Eröffnung mit dem Film "Das Grosse Kino"

Traditionell stand der Regisseur des Eröffnungsfilms nach der Vorführung Rede und Antwort für die Fragen des Publikums. Nachdem Johannes Holzhausen selbst in Österreichs Hauptstadt Kunstgeschichte studiert hatte, sieht er den Film als Mittel zum "Verarbeiten der eigenen Vergangenheit". Holzhausen gibt offen zu, dass er die Arbeit dort nie sonderlich gemocht hatte. "Am liebsten hätte ich mich immer auf die Sessel dort gelegt und geschlafen", schmunzelt der Filmemacher im Gespräch mit dem Publikum.

Fragestunde mit den Regisseur des Eröffnungsfilms Johannes Holzhausen

Trotzdem gelingt Holzhausen in seinem Film über den Mikrokosmos Museum mit streng hierarchischer Struktur ein humorvoller und nicht selten auch skurriler Einblick in die Arbeit mit multi-millionenschweren Kunstwerken. Egal ob dabei der Restaurator zu sehen ist, der sich behutsam mit einer Skulptur fechtender Frösche beschäftigt oder der Bauarbeiter, der mit roher Gewalt und Spitzhake den Boden im Prunksaal entfernt. Der krasse Gegensatz zwischen den unermesslichen Reichtümern, die in den Ausstellungsräumen, Kellern und Kabinetten schlummern und der stets im Hintergrund schwingenden Finanzierungs-Keule bildet dabei die Spitze der Absurdität.

150.000 Euro Gewinn bei 38 Millionen Euro Einnahmen

Die diesjährige Schülerjury der nonfiktionale in Bad Aibling

Als "Paradies für Kuratoren" beschreibt Holzhausen die große Sammlung im Herzen von Wien. "Ich wollte den Kinobesuchern die Sachen zeigen, die er normalerweise nicht sieht", begründet Holzhausen seine Perspektive. Dabei musste der Regisseur der Wirklichkeit manchmal dezent nachhelfen. Klassisches "direct cinema" mit kleinen Regieanweisungen nennt Holzhausen das Genre seines Films.

Noch bis Sonntag zeigt das Lindenkino in Bad Aibling eine breite Palette an Dokumentarfilmen zum diesjährigen Thema der nonfiktionale "Schauplätze". Am Sonntag Abend kann sich dann noch der Gewinnerfilm des Festivals, der von der dreiköpfigen Jury prämiert wird, über 2.000 Euro Preisgeld freuen. Auch die beste Kameraarbeit wird mit einem Sachpreis der Fa. Sachtler ausgezeichnet.

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © sl

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