Aus dem Stadtrat

Bad Aibling: Wirbel um gefällte Bäume auf Schulbaustelle

So grün, wie man es kennt, wird es für lange Zeit nicht mehr auf dem Gelände der St. Georg-Grund- und Mittelschule werden: Für die Schulbaustelle wurden bislang insgesamt 24 Bäume entfernt. Ein Umstand, der bei vielen Stadträten in der jüngsten Sitzung für perplexe Gesichter sorgte.

Bad Aibling – Es war eigentlich nur eine kurze Info, die Stadtbaumeister Andreas Krämer unter dem Punkt „Verschiedenes“ am Ende der Sitzung bekannt gab: Die große Ulme auf dem Grundstück, deren Erhalt den Kommunalpolitikern ein großes Anliegen gewesen war, müsse entfernt werden, da sie mitten in der Baugrube stehe. Hätte die Stadt die Entfernung nicht veranlasst, wäre sie im sechsstelligen Bereich schadenersatzpflichtig geworden – die Baufirma habe für diesen Fall eine sogenannte Behinderungsanzeige angekündigt.

Bäume mussten für Parkplatzbau weichen

Auf Nachfragen von Martina Thalmayr (Grüne) nach weiteren Fällungen erklärte Krämer, es sei von Anfang an klar gewesen, dass Bäume auf dem Grundstück entfernt werden müssten, unter anderem auch dort, wo der neue Parkplatz entsteht. Dort seien alle Bäume gefällt worden. Thalmayr ungläubig: „Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber das höre ich heute zum ersten Mal.“

„Mit großer Dimension gerechnet“

Dritter Bürgermeister und CSU-Fraktionssprecher Markus Stigloher erinnerte sich, wie er auf Anfrage unsere Zeitung sagte, an Aussagen des Planers Obel zu einem relativ frühen Zeitpunkt, dass „ein Großteil der Bäume“ werde weichen müsse. Wie viele, sei nicht genau klar gewesen, aber mit einer großen Dimension sei zu rechnen gewesen.

Zweite Bürgermeisterin Kirsten Hieble-Fritz (ÜWG) erklärte auf Nachfrage, auch sie sei persönlich nicht sonderlich überrascht gewesen. Die ÜWG sei der Dimension der Schulhaus-Pläne kritisch gegenüber gestanden. „Die Architekten haben uns aber schon immer gesagt, dass die Bäume bei einer so großen Baustelle nicht bleiben können. Aber ich könnte nicht beschwören, ob das in der Fraktion oder im Stadtrat war.“ ÜWG-Fraktionssprecher Rudi Gebhart indes fühlte sich von den jüngsten Informationen „komplett vor den Kopf gestoßen“. Für ihn sei klar gewesen, dass die Baumgruppe im Bereich des neuen Parkplatzes erhalten bleibt.

„Immer sehr viel Grün eingezeichnet“

Richard Lechner, Sprecher des SPD-Fraktion, kann sich auch nicht erinnern, „jemals einen Freiflächengestaltungsplan gesehen zu haben.“ Die Frage nach den Bäumen habe sich nicht gestellt, da auf allen Plänen, die man bis dato in den Sitzungen zu sehen bekommen habe, „immer viel Grün im Süden eingezeichnet war“.

Für ihn sei es auch hier eine Frage des Anstands, wie man mit dem Stadtrat umgehe, so Lechner weiter. Zwar habe man im April 2020, als es um die aktualisierte Kostenschätzung für das Schulprojekt gegangen sei, die Verwaltung beauftragt, auf der Grundlage der Entwurfsplanung den Bauantrag einzureichen. Als er sich in der Mai-Sitzung erkundigt habe, weshalb der Stadtrat den Antrag nicht zu sehen bekomme, habe es geheißen, dieser sei in Vollzug des April-Beschlusses beim Landratsamt eingereicht worden.

Und auch BP-Rat Florian Weber erklärte: „Uns ist immer etwas ganz anderes gesagt worden. Es wurde heftig debattiert, wie viele Bäume weg müssen. Aber von diesem Ausmaß bin ich jetzt komplett überrascht.“

Für AfD-Rat Andreas Winhart war die Nachricht ebenfalls neu, auch wenn „ja allseits bekannt war, dass es Planungsprobleme gab“. Der Erhalt der Ulme stünde nicht im Verhältnis zu der drohenden Strafe im sechsstelligen Bereich bei einer Behinderungsklage, die die Baufirma für den Fall des Verbleibs des Baums angekündigt hatte. „Aber wenn der Stadtbaumeister sagt, es sei normal, dass bei so einem großen Vorhaben so viele Bäume weichen müssen, dann wurde im Projektmanagement geschlampt“, so Winhart.

„Auch große Bäume versetzen“

Anna Maria Kirsch, für die ÖDP seit Mai im Stadtrat, erklärte, sie sei mit der Materie zwar nicht so gut vertraut. „Aber bei so einem großen Baum wie der Ulme finde ich es schade, dass nicht versucht wird, sie zu erhalten.“ Es gäbe durchaus die Möglichkeit, auch so große und alte Bäume zu versetzen.

Thalmayr monierte abschließend, dass sie keine Schutzmaßnahmen für die noch verbliebenen Bäume erkennen könne; die Bauzäune seien zum Teil viel zu nah herangerückt. „Von anderen Bauwerbern verlangen wir gezielte Schutzmaßnahmen für zu erhaltenden Bäume. Wir machen uns echt unglaubwürdig, wenn es auf unseren Baustellen so ausschaut.“

„Stadtrat war informiert“

Eine Reihe von Stadträten fühlte sich offenbar über die Zahl der Bäume, die auf der Schulbaustelle gefällt werden mussten, nicht informiert. Wir haben bei Bürgermeister Stephan Schlier und Stadtbaumeister Andreas Krämer nachgefragt.

Wurde die Information über die zu fällenden Bäume dem Stadtrat gegenüber kommuniziert und wenn ja, wann?

Andreas Krämer: Gegenüber dem Stadtrat fand eine öffentliche Kommunikation über zu erhaltene und zu fällende Bäume in folgenden Sitzungen: am 1. März 2018; am 26. Juli 2018 (Präsentation Architekt Obel); am 31. Januar 2019 (Beschluss über die Entwurfsplanung zum Bauantrag; am 2. April 2020 (Präsentation Constrata).

Wie viele Bäume und welche Baumarten müssen für den neu geplanten Parkplatz entfernt werden?

Krämer: In diesem Bereich müssen zwölf Hainbuchen gefällt werden, welches bereits im vergangenen Jahr ausgeführt wurde.

Wie viele Bäume müssen für den Bau der Hausmeisterwohnung entfernt werden?

Krämer: Das Gebäude der Fahrradabstellhalle mit integrierter Hausmeisterwohnung wird im östlichen Grundstücksteil errichtet. Laut Planung ist hierzu eine Hainbuche, nördlich des Gehsteigs zu entfernen.

Wie viele Bäume kommen insgesamt auf dem Grundstück weg?

Krämer: Laut Planungen vom 2. April 2020 und 5. November 2020 (Genehmigungsplanung), welche identisch sind, wurden bislang 24 Bäume unterschiedlichster Größe entfernt. Nach jetzigem Stand müssen keine weiteren Bäume mehr gefällt werden. Es ist jedoch nicht gänzlich auszuschließen, dass während der Baumaßnahme noch der eine oder andere Baum entfernt werden muss. Im Zuge der Freiflächengestaltung (2023) werden 16 neue Bäume gepflanzt.

„Umgang erfolgte äußerst schonend“

Die Firma Constrata, die das Schulneubau-Projekt steuert, erklärte, dass bei der Planung der Freianlagen mit großem Augenmaß die bestehende Bepflanzung berücksichtigt worden sei. Im Jahr 2018 sei ein erster Freiflächengestaltungsplan erstellt und dem Stadtrat vorgestellt worden, aus dem die erforderlichen Rodungen hervorgegangen seien. Im Rahmen einer derart großen und komplexen Baumaßnahme könne es immer zu ad-hoc-Entscheidungen im Bauablauf kommen. „Aufgrund der Kollision mit dem Baugrubenverbau und der Baustellenumfahrt mussten leider unvermeidliche zusätzliche Rodungen vorgenommen werden. Der Umgang erfolgte auch hierbei äußerst schonend, das heißt es wurden nur die Bäume entfernt, die eine Kollision mit der Baugrube und der Baustellenlogistik darstellen. Alle verbleibenden Bäume werden während der Bauzeit fortlaufend geschützt.“

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