Aibling zeigt Gesicht gegen Hetze - AfD-Gegenkundgebung auf dem Marienplatz

"Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass und Hass führt zu unsäglichem Leid"

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Bad Aibling - Für Menschlichkeit, Demokratie und Toleranz gegen Hetze! So lautete das Motto der friedlichen Gegenkundgebung zu einer AfD-Parteiveranstaltung in Bad Aibling. Unsere Reporterin war vor Ort:

UPDATE, Montag 6 Uhr: Pressemeldung der Polizei

Friedlich und ohne bedeutende Zwischenfälle verliefen am Sonntag, 30. September 2018, drei ordnungsgemäß angemeldete Versammlungen mit gegensätzlichen politischen Positionen auf dem Marienplatz in Bad Aibling sowie in Willing im Bereich des „Gmoahofs“. Das polizeiliche Fazit fällt demensprechend positiv aus.

Drei angemeldete und durch das Landratsamt Rosenheim genehmigte Versammlungen fanden am Sonntag in der Zeit von 16.00 Uhr bis etwa 22.00 Uhr im Stadtzentrum von Bad Aibling und in Willing statt. Für die polizeiliche Betreuung des Versammlungsgeschehens waren zahlreiche Beamte umliegender Dienststellen, der Einsatzhundertschaft des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd und der Bereitschaftspolizei unter der Leitung der Polizeiinspektion Bad Aibling im Einsatz. 

Mehr als 500 Teilnehmer umfasste ab 16.00 Uhr eine Versammlung des Bündnisses „AIB zeigt Gesicht“ im Bereich des Marienplatzes, die nach verschiedenen Redebeiträgen und Musikdarbietungen wie geplant gegen 19.00 Uhr endete. Etwa 200 Teilnehmer nahmen dann ab 16.30 Uhr an der Veranstaltung der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) im „Gmoahof“ in Willing teil. Unter den Teilnehmern war auch Alice Weidel. Dem gegenüber standen etwa 100 Personen der angemeldeten Versammlung „ausgehetzt is“ aus dem überwiegend linken Spektrum, die verbal immer wieder ihre Ablehnung ausdrückten. 

Die beiden Versammlungen verliefen im Großen und Ganzen nahezu störungsfrei, so dass der Einsatzleiter der Polizei Bad Aibling sehr zufrieden mit dem Verlauf der Versammlungen in und um Bad Aibling war. Polizeirat Mario Huber, der Einsatzleiter der Polizei, sagte dazu: „Ich bin mit dem Verlauf der drei Versammlungen sehr zufrieden. Wir registrierten insgesamt nur zwei Straftaten (eine Körperverletzung und eine Beleidigung) was sicher auch unserem angemessenen Personalansatz, dem engagierten Einsatz sowie dem Fingerspitzengefühl meiner Kolleginnen und Kollegen geschuldet ist.“

Nachdem die Versammlungen bereits beendet waren, wurde ein 31-Jähriger aus Bad Aibling beim Versuch eine polizeiliche Funksprechgarnitur sowie einen Einsatzstock zu entwenden vorläufig festgenommen.

Pressemeldung Polizeipräsidium Oberbayern Süd

UPDATE, 19.21 Uhr: Abschlusswort von Bürgermeister Felix Schwaller

Als Abschluss spielt nun Werner Schmidbauer.

UPDATE, 19.18 Uhr: "Die Freiheit ist erkämpft worden, diese Freiheit gilt es auszubauen"

Christian Peiker vom Bündnis Wasserburg: "Wir haben uns versammelt, um zu zeigen, dass Hetze und Ausgrenzung in unserer Region nicht dazu gehören. Der Ton an den Stammtischen ist rauher geworden. Die AfD marschiert mit bekennenden Rechtsradikalen auf unseren Straßen. Hetze und Ausgrenzung sind salonfähig geworden. Aus diesen Gründen ist es wichtig, gemeinsam gegen Ausgrenzung zu stehen. Rechtspopulisten nutzen die Ängste der Menschen. Sie stellen eine Nationalität über das verfassungsrechtliche Recht der Würde eines Menschen. Die Freiheit ist erkämpft worden, diese Freiheit gilt es auszubauen. Ich will in einem Land mit offenen Herzen Leben."

Ricarda Krüger von Die PARTEI: "Die radikale Tochterpartei der CSU, die selbsternannte Alternative für Deutschland kommt mit ihrem völkisch nationalen what ever nobody cares Bullshit im Stechschritt an. Die Entscheidungsfreiheit der AfD begrenzt sich in dieser gar icht mal so lustigen Spaßpartei eher auf die Wahl des schönsten Brauntons als auf bunte Vielfalt. Wer  unklasische Familien, die nicht aus Vater, Mutter Kind bestehen für nicht förderungswürdig hält, unterbindet die Möglichkeiten, statt Alternativen enstehen zu lassen. Immerhin gehören Frauen bekanntermaßen an den Herd, und können unserer Meinung nach noch selbst entscheiden, welche Süppchen sie kochen. Wer an dieses Frauenbild wie an den Weihnachtsmann glaubt, nicht jedoch an den Klimawandel hat eines ganz und gar nicht nicht verstsnden: Fakten. Fakten sind quasi der natürliche Feind der AfD. Den AfD-Wählern gibt sie noch ein Zitat von Meister Joda mit auf den Weg: "Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass und Hass führt zu unsäglichem Leid."

Marie Luise Kunst von der Partei Mut: "Wir stehen nicht hier um irgendeinen politischen Gegner zu bekämpfen, sondern wir stehen hier um die Grundrechte die 1949 noch unter dem Einfluss der Nazizeit in unserer Verfassung festgeschrieben wurden zu verteidigen. Dieser sogenannte politische Gegner ist deswegen für mich gar kein politischer Gegner, weil er ständig Aussagen tätigt, die gegen unser Grundgesetz verstoßen. Und wer sich nicht innerhalb des Grundgesetzes bewegt ist für mich kein Gegner, er ist ein Feind des Friedens und des Zusammenhaltes in unserer Gesellschaft. Wo steht denn in unserem Grundgesetz, dass Menschen muslimischen Glaubens zu diskriminieren sind? In unserem Grundgesetz steht die Religionsfreiheit. Wo steht denn in unserem Grundgesetz, dass Menschen die vor Krieg, Verfolgung oder Ausbeutung fliehen als Menschen zweiter Klasse zu behandeln sind? Im Grundgesetz steht: Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Die Würde des Menschen ist unantastbar, das steht im Grundgesetz. Es darf aber auch nicht sein, dass Leute, die gestern noch als konservativ galten, aber nicht als rassistisch plötzlich allen Anstand über Bord werfen und sich dem rechten Lager anschließen. Wir müssen uns hinstellen und das schützen, was uns zusammenhält."

V.l. Marie Luise Kunst, Ricarda Krüger, Christian Peiker

Es treten Ralf Müller und Bene Dorn von "Vait" auf.

UPDATE, 18.42 Uhr: "Ich hab Angst vor den brauen Männern"

Barbara Kleeblatt vom Kreis Migration Bad Aibling ist die nächste Rednerin:

"Für mich ist wichtig: Wir müssen sie nicht alle lieben, aber wir müssen auch keinen Hass unter uns sähen lassen. Das Thema Angst liegt mir auch am Herzen. Warum müssen wir uns alle Angst machen lassen? Wir haben Vollbeschäftigung, dann müssen wir uns Angst um die Arbeitsplätze machen lassen. Und vor den schwarzen Männern müssen wir uns Angst machen lassen. Was für ein Blödsinn? Ich hab Angst vor den brauen Männern."

UPDATE, 17.55 Uhr: "Wir sagen Herz statt Hetze"

Die Band "Interstellare Kommunikation" tritt auf, zuvor sprach Sepp Altenburger von der Partei Mut.

Sepp Altenburger von der Partei Mut

Eva Bulling-Schröter, die Linke: "Wir sagen Herz statt Hetze - das wollen wir. Wir stehen heute wieder da und sagen: Wehret den Anfängen. Wir wollen keine Rassisten. Chemnitz hat uns gezeigt, wohin diese Hetze führt. Es wird von Volksverderbern gesprochen, das sind rassistische Worte. Das Grundgesetz sagt die Würde des Menschen ist unantastbar und das ist die des Menschen und nicht des deutschen Menschen." 

Roger Reckless tritt nun auf.

Roger Reckless

UPDATE, 17.18 Uhr: "Der Wind weht bei denen immer von rechts"

Landtagskandidat Martin Knobel von den Grünen spricht:

"Wenn in Bayern in zwei Wochen gewählt wird, zieht eine Partei ein, die keine Schamgrenze kennt. Spätestens in Chemnitz haben sie ihr bürgerliches Schafsfell abgelegt und sind im braunen Wolfspelz aufmarschiert. Wer bei dieser Partei sein Kreuz macht, unterstützt damit Antidemokraten. Seid's ned so sau bläd, diese Partei ist keine Alternative! Der Wind weht bei denen immer von rechts."

Knobel weiter: "Es wird den Faschisten nicht gelingen, der Mehrheit ihren Willen aufzuzwingen. Stehen wir auf und zeigen wir, was unser Land ausmacht: Das ist Einigkeit und das ist Recht und das ist Freiheit!"

Martin Knobel, Landtagskandidat der Grünen

Florian Ritter von der SPD ist der nächste Sprecher:

"Wir sind da, weil wir für etwas stehen. Es gibt Dinge, die halten uns zusammen. Wir stehen gemeinsam für Toleranz und Vielfalt in dieser Gesellschaft. Wir stehen für die Werte unserer Verfassung, gegen die Hetzer und gegen die Spalter in unserem Land. Der Kit der uns zusammenhält, ist die Verantwortung, die wir übernehmen und nicht das Mäkeln und Mosern. Nicht die Leute, die ihren eigenen Nachbarn ablehnen, weil er anders ausschaut oder homosexuell ist oder weil er anders ist."

Florian Ritter, SPD

UPDATE, 16.50 Uhr: "Wer hinschaut wird sichtbar"

Pfarrer Markus Merz und Pfarrer Georg Neumaier aus Bad Aibling sprechen nun:

"Wir sind hier um Menschenliebe zu zeigen" sagt Pfarrer Merz. "Wer hinschaut wird sichtbar, darum soll man sich nicht verstecken, sondern Gesicht zeigen. Wir sind hier, weil wir uns nicht auseinander bringen lassen wollen. Wir wollen miteinander reden und etwas entgegen setzen. Wir haben wahrlich damit zu tun, Hass abzuwenden. Wir wollen, dass Bad Aibling spricht und wir sollen auch mit denen sprechen, wo wir denken hier ist Hopfen und Malz verloren."

Links: Pfarrer Georg Neumaier, rechts Pfarrer Markus Merz

Georg Neumaier: "Aibling ist bunt. Man muss aber auch gegenteilige Meinungen akzeptieren." Er weist darauf hin, dass heute Abend um 19 Uhr in der Willinger Kirche ein ökumenischer Friedensgottesdienst ist.

Als nächstes spielt "Roots Iration Soundsystem".

UPDATE, 16.20 Uhr: "Für uns sind Menschenrechte unteilbar"

Bürgermeister Felix Schwaller wird heute nicht sprechen, wie Moderator Richard Lindl verkündet.

Nun spricht eine Vertreterin des Aktionsbündnisses: Das Aktionsbündnis Aibling zeigt Gesicht, will der AfD etwas entgegen stellen, sagt die Vertreterin über die Motivation der Veranstaltung. Sie betont, dass dies keine politische Veranstaltung sei. Man wolle ein Zeichen für eine tolerante Gesellschaft setzen. "Für uns sind Menschenrechte unteilbar. Für uns ist unsere Geschichte Verpflichtung." Höchster Respekt gelte denen, die 1933 Widerstand geleistet haben. "Wir überlassen unsere Straßen nicht denen, die feindlich gegenüber der Demokratie sind."

Die Mitglieder des Aktionsbündnisses "Aibling zeigt Gesicht" auf der Bühne.

Die erste Band "Scavanger" tritt auf.

UPDATE, Sonntag 16.08 Uhr: 500 Menschen erwartet

Etwa 300 Leute haben sich bereits auf dem Marienplatz vor dem Rathaus eingefunden. 

Die Stimmung ist friedlich. Insgesamt werden rund 500 Menschen erwartet.

 „Aktionsbündnis: Aibling zeigt Gesicht“

Als bekannt wurde, dass die AfD im Kurpark eine Parteiversammlung mit Frau Weidel plant, haben sich Bad Aiblinger Bürgerinnen und Bürger kurzerhand entschlossen, das „Aktionsbündnis: AIBling zeigt Gesicht“ ins Leben zu rufen. Viele Bürger und Bürgerinnen aus dem Landkreis haben sich zum Aktionsbündnis zusammengefunden und planen nun eine friedliche Gegenkundgebung „#AIBling zeigt Gesicht“ am 30.09.2018 um 16 Uhr auf dem Marienplatz in Bad Aibling, mit Eva Niedermeyer, Roger Rekless, Scavanger, Werner Schmidbauer, Roots Iration Soundsystem und Ralf und Bene von Vait.

Teilnehmen werden bei der Kundgebung Politikerinnen und Politiker, Vertreter der Kirchen und Gemeinden, sowie viele bekannte Künstler, Künstlerinnen und Bands und MusikerInnen aus der Region.

„Wir sind uns klar darüber, dass zu dem Zeitpunkt die heiße Phase des Wahlkampfes beginnt, deswegen ist für uns Bedingung, dass unsere Politiker als Bürger und Bürgerinnen auftreten und keine Wahlkampfreden halten. Dies ist Bedingung für die Redebeiträge. Wir als Bürger und Bürgerinnen des Landkreises wollen ein Zeichen setzen, dass es für rechtpopulistische Aktionen keinen Raum in unserer Stadt, in unserem Landkreis gibt“, so die Veranstalter, „Auch wenn die AfD ihre ursprünglich im Kurpark geplante Veranstaltung verlegt hat, werden wir wie geplant weitermachen und am 30.09.2018 am Marienplatz ein klares, deutliches und friedliches Zeichen gegen den Rechtspopulismus setzen“.

Die Kundgebung findet am 30.09.2018 auf dem Marienplatz ab 16 Uhr statt. Das „Aktionsbündnis: AIBling zeigt Gesicht“ setzt sich aus engagierten Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Bad Aibling und dem Landkreis zusammen.

**Wir werden von vor Ort berichten**

Pressemitteilung Aktionsbündnis: AIBling zeigt Gesicht

Vorbericht:

Am 30. September wird Dr. Alice Weidel, Vorsitzende der AfD-Fraktion im Bundestag, nach Bad Aibling/Willing kommen und zusammen mit den Land- und Bezirkstagskandidaten auf einer AfD-Veranstaltung sprechen.

Gegenkundgebung auf dem Marienplatz

Anlässlich des Besuchs von Alice Weidel ruft das Aktionsbündnis "Aibling zeigt Gesicht!" ebenfalls am 30. September alle Bürger des Landkreises und darüber hinaus auf, zu einer friedlichen Gegenkundgebung ab 16 Uhr auf dem Marienplatz zu kommen. Das Motto: #AIBling zeigt Gesicht! Für Menschlichkeit, Demokratie und Toleranz gegen Hetze! Die Mehrheit schweigt nicht.

Auf der Gegenveranstaltung wird es auch viel Musik geben. Angekündigt haben sich: Roger Rekless, Roots Iration Soundsystem, Scavanger, Werner Schmidbauer und Ralf und Bene von Vait.

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