Sind die Regeln im Stellwerk zu komplex?

Zugunglück bei Bad Aibling: Fachwelt wartet dringend auf Abschlussbericht 

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Nach dem Zugunfall in Bad Aibling
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Bad Aibling - Vor rund zweieinhalb Jahren erschütterte das verheerende Zugunglück von Bad Aibling die Region und ganz Deutschland. Viele Fragen sind noch ungeklärt. Alles wartet gespannt auf den Abschlussbericht der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung.

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Der Fahrdienstleiter, der vom Traunsteiner Landgericht im Dezember 2016 wegen fahrlässiger Tötung in zwölf Fällen zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden war, befindet sich inzwischen wieder auf freiem Fuß. Dennoch sind noch viele Fragen ungeklärt. Der Abschlussbericht fehlt noch immer, das Gutachten wird bisher unter Verschluss gehalten. Auf Nachfrage der Westdeutschen Zeitung heißt es aus der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung: "Für die Veröffentlichung des Unfallberichts zu Bad Aibling streben wir Oktober an."

Sind die Regeln zu komplex?

Prof. Dr. Ing. Jörn Pachl von der Technischen Universität Braunschweig ist überzeugt, dass Fahrdienstleiter viel zu schnell von einer Störung der Technik ausgehen, schreibt die Westdeutsche Zeitung. Laut dem Professor sollen dann viel zu schnell Ersatzbedienungen greifen, die immer wieder fatal enden.

Das Sondersignal Zs 1, das in Bad Aibling unter anderem für den schlimmen Zusammenstoß verantwortlich war, wurde im zweiten Weltkrieg etabliert, um den Verkehr bei bombardierten Bahnhöfen am rollen zu halten. Es existiert nur noch in Deutschalnd und Österreich

Gutachter Pachl sieht auch die Vorschriften der Bahn kritisch: "Das Problem ist das Regelwerk, nach dem die Fahrdienstleiter in Deutschland arbeiten. Die Mitarbeiter dürfen sehr tief in den Bahnbetrieb eingreifen." Außerdem seien die Regeln für Menschen, Typ "preußischer Beamter", gemacht, die es heute nicht mehr gebe.

Das Gutachten von Pachl soll mit dem Abschlussbericht der Bahn auf den Markt kommen. Die Fachwelt wartet dringend darauf.

Schadensersatzansprüche werden geprüft

Nach wie vor laufen Verfahren zu Schadensersatzansprüchen von Betroffenen und Hinterbliebenen des Zugunglücks von Bad Aibling. Laut dem Bad Aiblinger Anwalt Friedrich Schweikert gibt es Schadenersatzansprüche gegen die Deutsche Bahn und die Bayerische Oberlandbahn. Man werde zunächst den fertigen Untersuchungsbericht abwarten, erklärte der Anwalt. Zudem habe man ein Gegengutachten erstellt. Einer mehr, der dringend auf den Abschlussbericht wartet.

Bei dem schrecklichen Unglück am 9. Februar 2016 auf der Bahnstrecke Rosenheim - Holzkirchen waren zwölf Menschen getötet worden, darunter auch beide Lokführer. Weitere 89 Personen wurden verletzt. Zwischen Bad Aibling und Kolbermoor waren auf freier Strecke zwei Züge frontal kollidiert. Im Prozess hatte sich dann herausgestellt, dass der Fahrdienstleister abgelenkt war, da er während seiner Dienstzeit auf seinem Smartphone das Spiel "Dungeon Hunter 5" spielte.

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