Nach langer Diskussion

Schwere Geburt: Entscheidung für neues Gebäude am Marienplatz gefallen

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Das Lichtspielhaus am Bad Aiblinger Marienplatz wird abgerissen und neu errichtet
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Bad Aibling - Unterschriftenaktion, Anträge, Diskussionen - die Wellen um die Pläne für das neue Lichtspielhaus am Marienplatz schlagen hoch. Dennoch fiel in der Stadtratssitzung am Donnerstag eine Entscheidung.

Im Zentrum von Bad Aibling soll anstelle zweier in die Jahre gekommener und zwischenzeitlich in weiten Teilen leer stehender Wohn- und Geschäftshäuser am Übergang zwischen Marienplatz und Kirchzeile ein Neubau entstehen.

Die Investoren Werndl & Partner Bad Aibling GmbH & CO. KG haben das bestehende Gebäude, in dem sich unter anderem das "Sebastiani" befindet oder früher das "Kinderland", gekauft wollen es abreißen und neu aufbauen. Dafür wurde in Abstimmung mit der Stadt Bad Aibling ein Realisierungswettbewerb ausgeschrieben.

Entscheidung gefallen

In der Stadtratssitzung am Donnerstagabend stellten die Planer des ersten uns zweiten Platzes ihre Entwürfe vor, außerdem erläuterte der Vorsitzende des Preisgerichts die Gründe für die Entscheidung und die Investoren standen dem Stadtrat Rede und Antwort. Fast zwei Stunden lang wurde diskutiert, bis schließlich die Entscheidung fiel: Mit 13:9 Stimmen stimmte der Stadtrat für den Siegerentwurf des Büro abp Architekten und Stadtplaner aus München. 

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So wird das neue Gebäude aussehen

So soll das neue Lichtspielhaus am Bad Aiblinger Marienplatz aussehen. Das Büro abp Architekten und Stadtplaner gewann den ersten Preis des Ralisierungswettbewerbs

"Die Leitidee war, ein Gebäude zu entwickeln, das sich passgenau in das Stadtbild einfügt und auf bestehende Gebäude reagiert", erläuterte Thomas Pfeiffer seinen Entwurf. Der Ort an zentraler Stelle in Bad Aibling sei eine Herausforderung gewesen. Ziel sei es gewesen, einen Baukörper zu entwickeln, der sich selbstbewusst als Bau unserer Zeit zeigt, die Nebengebäude aber nicht in den Schatten stellt. "Wir haben immer das beste Ergebnis im Auge", so der Architekt. "Wir haben uns das Zentrum von Bad Aibling genau angeschaut und anhand der Gegebenheiten diese Planung entwickelt."

Mit im Rennen:

Der Entwurf von Auer Weber Architekten aus München gewann den zweiten Platz des Realisierungswettbewerbs

Das Konzept von Auer Weber Architekten aus München war, eine volle Symbiose aus zwei Typologien zu schaffen, aber auch den Übergang zum Marienplatz deutlich zu machen, so Planer Philipp Auer. "Wir wollten ein Gebäude, das eine gewisse Präsenz am Platz haben darf." Das geplante Gebäude stellt sich deutlich höher dar, als das alte Haus. "Es ging uns nicht darum, möglichst viel Platz in ein Gebäude zu pressen, wir schauen uns das schon an und sind ziemlich überzeugt davon, dass es diese Größe vertragen kann."

"Wir haben es uns nicht leicht gemacht"

"Nicht die Gewinnmaximierung steht im Vordergrund, sondern die Qualität", sagte Bernhard Peck, Vorsitzender des Preisgerichts. Dies hätten Gespräche mit den Investoren im Vorfeld deutlich gemacht. Peck betonte, dass sich das Gremium, bestehend aus sechs Architekten, vier Stadträten sowie den Bauherren Maximilian Werndl und Florian Eisner (Werndl & Partner Bad Aibling GmbH), die Entscheidungen alles andere als leicht gemacht hätte. Er halte es für ein großes Glück der Stadt, dass sich ein Investor gefunden habe und dass dieser sich auf einen Wettbewerb eingelassen habe, da das Ergebnis hier oft nicht absehbar sei. 

Ausschlaggebendes Kriterium für die Entscheidung sei das Erscheinungsbild und und das Thema Einfügung gewesen. Hier hätten sich zwei Arbeiten deutlich herauskristallisiert. "Der Preis ist keine Zufallsentscheidung." Der Siegerentwurf sei genau für diesen Platz entwickelt worden. "Das ist kein Allerweltsgebäude, das überall stehen könnte." Er sei überzeugt davon, dass das Gebäude Bad Aibling sehr gut tun würde und riet dringend zur Realisierung des Entwurfes von abp Architekten.

"Waren anfangs nicht begeistert von einem Wettbewerb"

Investor Florian Eisner machte keinen Hehl daraus, dass man anfangs nicht begeistert von einem Wettbewerb gewesen sei. "Wir haben uns aber darauf eingelassen, 150.000 Euro dafür ausgegeben und bitten, dass man diese Entscheidung akzeptiert." Man freue sich darauf, wolle weitermachen und ein Gebäude schaffen, dass identitätsstiftend sei. "Wir wollen etwas Gutes hinterlassen, nicht nur Gewinn erzielen."

SPD und ÜWG wehren sich gegen die Siegerentwürfe

In der anschließenden Diskussion waren sich SPD und ÜWG einig, was die Höhe des Gebäudes betrifft. Sie stellten zwei fast identisch lautende Anträge, die ursprünglich auf vier Stockwerke geplanten Gebäude auf drei Stockwerke plus Dachgeschoß zu reduzieren. Das Gremium lehnte die Anträge knapp mit 10:12 Stimmen ab. "Uns stellt sich die Frage, ob sich das Format in die Kirchzeile einfügt und ob es sinnstiftend ist", sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Richard Lechner. 

CSU-Fraktionsvorsitzender Stephan Schlier zeigte sich von dem Antrag überrascht: "Die Höhenentwicklung war ja schon relativ früh Thema. Aus meiner Sicht gab es seitens des Stadtrats die Zusage, dass man so hoch gehen will." Für ihn seien das zwei Schritte vor und einer zurück.

Rudi Gebhart von der ÜWG stellte sich auf Lechners Seite: "Ich bin der Meinung, dass der Platz diese Höhe nicht verträgt." Auch er beantragte die Reduzierung auf drei Geschoße. Sollte hierbei keine Einigung erzielt werden, beantragen wir eine Veränderungssperre für die Kirchzeile mit neuem Bebauungsplan zu erlassen."

Kopfschütteln bei den Investoren

Die Anträge sorgten bei den Investoren für Unverständnis. "In keiner der vorangegangenen Sitzungen ist kontrovers über die Höhe diskutiert worden. Alle beteiligten Stadträte hatten die Unterlagen, in denen die Festsetzungen drin waren", so Eisner. "Wir haben uns kooperativ gezeigt und uns auf den Wettbewerb eingelassen, was wir nicht hätten tun müssen. Wenn man jetzt sagt das Gebäude ist zu hoch, dann muss man den Wettbewerb wiederholen. Ich kann aber die Bundestagswahl auch nicht einfach wiederholen, weil mir das Wahlergebnis nicht gefällt." Die Investoren bleiben bei dem Wettbewerbsentwurf. "Wir könnten auch einfach einen Bauantrag stellen, über den dann das Landratsamt entscheidet. Wir stehen aber zu unserem Wort."

Unterstützung bekam die Entscheidung von Seiten der Grünen: "Wir bringen den Investoren unser Vertrauen entgegen. Ich finde den ersten Entwurf besser, weil er der Stadt gerechter wird."

Florian Weber von der Bayernpartei sowie Thomas Höllmüller und Stefan Glas (beide CSU) bemühten sich darum, dass die Entscheidung vertagt wird. "Dieser Platz ist sehr sensibel. Für viele Aiblinger ist das Heimat. Wir dürfen deshalb nicht den Fehler machen und etwas übers Knie brechen, das aus der Emotion heraus entstanden ist", sagte Weber.

Dieter Bräunlich (ÜWG) erinnerte an die Unterschriftensammlung von Juwelier Max Regensburger, der über 700 Unterschriften gegen die Entwürfe sammelte. "Gehen Sie in sich und entscheiden Sie sich nicht gegen den Willen der Bürger. Es könnte ein Fiasko werden, wenn man hier Werbung macht und es dann in Richtung Bürgerentscheid geht."

Bauherr Maximilian Werndl hätte sich diese Diskussion für ein Verfahren ohne Wettbewerb gewünscht. "Wir sind den für uns teureren Weg gegangen. Wir wussten alle nicht was rauskommt. Jetzt noch einmal etwas auseinander reißen, das geht nicht. Wir hätten uns diese 150.000 Euro sparen können. Was hier gerade passiert stimmt mich traurig."

Unterstützung bekamen die Investoren auch von Bürgermeister Felix Schwaller. "Gegenüber dem Investor ist es nicht fair, wenn man ein dreiviertel Jahr diskutiert und jetzt kommen die Anträge. Werndl & Partner haben ein gutes Renommee. Sie kommen aus der Region. Maximilian Werndl ist sogar Aiblinger. So ein solventer und verlässlicher Investor ist mir lieber, als irgendeine Firma von außerhalb."

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