Geschäftsführer Hans Reif wehrt sich

Schwere Vorwürfe der Gewerkschaft NGG: Was geht vor im Hotel St. Georg in Bad Aibling?

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Bad Aibling - Die Kündigung eines Mitarbeiters sorgt rund um das Hotel St. Georg für großen Wirbel. Die Gewerkschaft NGG wirft den Verantwortlichen des Hotels vor, die Betriebswahl vorsätzlich zu behindern. Das Hotel weist diese Vorwürfe rigoros von sich. 

Am Dienstag, 27. November,  hat sich die Hotelleitung St. Georg entschieden, einen Mitarbeiter fristlos zu kündigen. Zu den Hintergründen gibt es allerdings zwei unterschiedliche Ansichten. Während die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) vermutet, dass die Kündigung mit der bevorstehenden Betriebsratswahl zusammenhängt, begründet die Hotelleitung die Kündigung mit systematischem Arbeitszeitbetrug vonseiten des Arbeitnehmers. 

Laut Meinung der Gewerkschaft habe der betroffene Mitarbeiter sich aktiv für die Bildung eines Betriebsrats eingesetzt. Er selbst sei Listenführer und Kandidat der anstehenden Wahl gewesen. Bereits im Vorfeld wäre der Mitarbeiter von Vorgesetzten mit Vorwürfen in der Art drangsaliert worden, dass bei einer Betriebsratswahl das Hotel Insolvenz anmelden müsse und das Hotel die Kosten eines Betriebsrats nicht tragen könne.

Hans Reif, Geschäftsführer des Hotels St. Georg, kann die Kandidatur des betreffenden Mitarbeiters für den Betriebsrat zwar bestätigen, wehrt sich aber konsequent gegen die Vorwürfe, dass die Kündigung in irgendeinem Bezug dazu stehe. "Wenn ein Zusammenhang besteht, so nur deshalb, weil der Mitarbeiter womöglich geglaubt hat, die Kandidatur gebe ihm Narrenfreiheit und deshalb dürfe er seinen Arbeitgeber weiter betrügen. In unserem Hause werden jedoch alle Mitarbeiter gleich behandelt." 

"Mit der Abmahnung sollte dem Mitarbeiter eine Chance gegeben werden"

Zuvor erläutert Hans Reif, dass der Mitarbeiter systematisch Arbeitszeitbetrug begonnen habe. "Der Mitarbeiter ist erst Anfang November wegen eines festgestellten Verstoßes abgemahnt worden. Mit der Abmahnung sollte dem Mitarbeiter eine Chance gegeben werden, obwohl unser Rechtsanwalt uns mitgeteilt hatte, dass man auf Grundlage des Verstoßes bereits kündigen könne", ergänzt Hans Reif. 

Zudem sollen sich die Mitarbeiter des Hotels im Jahr 2011 von der NGG abgewandt haben. Damals habe das Unternehmen wegen Kosten durch Rechtsstreitigkeiten, die systematisch seitens der NGG in den Betrieb hereingetragen worden wären, kurz vor der Insolvenz gestanden. 

Die Gewerkschaft NGG prüft derzeit dennoch eine Strafanzeige wegen Behinderung der Betriebsratswahl. In einer Pressemitteilung heißt es: "Auffällig ist auch, dass eine Kandidatin auf den Wahlvorschlag des gekündigten Mitarbeiters in der Zeit vor der Wahl in Zwangsurlaub geschickt wurde."

Auch wirft die NGG dem Unternehmen vor, dass dieses in der Vergangenheit tarifvertragliche Bestimmungen trotz Tarifbindung nicht eingehalten habe. Auch diese Vorwürfe weist Hans Reif zurück: "Unser Unternehmen wendet den Tarifvertrag konsequent und zutreffend an." Ebenso behalte sich das Hotel rechtliche Schritte gegen die NGG und die erhobenen Behauptungen vor.

Pressemitteilung von NGG und Stellungnahme von Hans Reif im Wortlaut: 

Pressemitteilung der Gewerkschaft NGG:

"Am 27. November wurde ein Mitarbeiter des Hotel St. Georg in Bad Aibling ohne nachvollziehbaren Grund fristlos gekündigt. Die Gewerkschaft NGG vermutet, dass die Kündigung mit der bevorstehenden Betriebsratswahl zusammenhängt. Der betroffene Mitarbeiter hat sich aktiv für die Bildung eines Betriebsrats eingesetzt. Er selbst ist Listenführer und Kandidat der anstehenden Wahl. 

Bereits im Vorfeld wurde der Mitarbeiter von Vorgesetzten mit Vorwürfen in der Art drangsaliert, dass bei einer Betriebsratswahl das Hotel Insolvenz anmelden müsste und das Hotel die Kosten eines Betriebsrats nicht tragen könne. Die Gewerkschaft NGG sieht in der Kündigung eine vorsätzliche Behinderung der Betriebsratswahl und prüft derzeit eine Strafanzeige genäß §119 BetrVG wegen Behinderung der Betriebsratswahl. Auffällig ist auch, dass eine Kandidatin auf den Wahlvorschlag des gekündigten Mitarbeiters in der Zeit vor der Wahl in Zwangsurlaub geschickt wurde. 

Das Hotel ist bereits in der Vergangenheit aufgefallen, da tarifvertragliche Bestimmungen trotz Tarifbindung nicht eingehalten werden. Insbesondere Entgelte wurden unter Tarifniveau bezahlt. „Wir werden diese dubiosen Vorgänge nicht auf sich beruhen lassen und mit allen juristischen Mitteln verfolgen“, so Georg Schneider – Geschäftsführer der NGG Rosenheim-Oberbayern."

Statement von Hans Reif, Geschäftsführer des Hotels St. Georg:

"Sämtliche seitens der NGG erhobenen Behauptungen sind unwahr. Der Gewerkschaft scheint es darum zu gehen, durch geschäftsschädigende Falschbehauptungen unserem Unternehmen Schaden zuzufügen.

Es ist richtig, dass wir am 27.11.2018 einen Mitarbeiter fristlos gekündigt haben. Es bestand schon seit längerem der Verdacht, dass dieser Mitarbeiter systematisch Arbeitszeitbetrug begeht, indem er Pausen nicht im Arbeitszeitsystem erfasst hat. Der Mitarbeiter ist erst Anfang November wegen eines festgestellten Verstoßes abgemahnt worden. Mit der Abmahnung sollte dem Mitarbeiter eine Chance gegeben werden, obwohl unser Rechtsanwalt uns mitgeteilt hatte, dass man auf Grundlage des Verstoßes bereits kündigen könne. Am 27.11. hat der Mitarbeiter nun erneut nicht ausgestempelt. Er wurde zu dem Sachverhalt befragt. Im Zuge der Befragung log der Mitarbeiter in mehrfacher Hinsicht. Unter anderem behauptete er – was sich als falsch erwies – er habe sich bei seinem Vorgesetzten für die Pause abgemeldet.

Richtig ist auch, dass der betreffende Mitarbeiter für den Betriebsrat kandidiert hat. Diese Kandidatur steht jedoch in keinerlei Zusammenhang zur Kündigung. Wenn ein Zusammenhang besteht, so nur deshalb, weil der Mitarbeiter, womöglich geglaubt hat, die Kandidatur gebe ihm Narrenfreiheit und deshalb dürfe er seinen Arbeitgeber weiter betrügen. In unserem Hause werden jedoch alle Mitarbeiter gleich behandelt.

Ob der betreffende Mitarbeiter die Betriebsratswahl initiiert hat, entzieht sich unserer Kenntnis. Es ist nicht Sache des Arbeitgebers, die Details der Betriebsratswahl zu überwachen.

Die Betriebsratswahl findet selbstverständlich statt und das Unternehmen begrüßt es ausdrücklich, dass die Mitarbeiter sich über einen Betriebsrat organisieren wollen. Dies zeigt, dass sie sich für unser Unternehmen interessieren und engagieren wollen.

Auch ist es nicht richtig, dass der gekündigte Mitarbeiter im Vorfeld der Kündigung von Vorgesetzten „drangsaliert“ wurde. Richtig ist, dass das Unternehmen im Jahr 2011 unter anderem auch wegen Kosten durch Rechtsstreitigkeiten, die systematisch seitens der NGG in unseren Betrieb hereingetragen wurden, einmal kurz vor der Insolvenz stand. Geschäftsführer Georg Schneider von der NGG war damals Hauptverantwortlicher dieser Situation. Unsere Mitarbeiter haben sich daraufhin von der NGG abgewandt und wollten insbesondere mit Herrn Schneider nichts mehr zu tun haben.

Es ist falsch, dass unser Unternehmen in der Vergangenheit Tarifbestimmungen nicht eingehalten hätte. Unser Unternehmen wendet den Tarifvertrag konsequent und zutreffend an.

Die Pressemitteilung der NGG ist eine geschäftsschädigende Kampagne, die sich gegen die Interessen unseres Hauses und damit auch gegen die Interessen unserer Mitarbeiter richtet. Wir behalten uns rechtliche Schritte gegen die NGG wegen der erhobenen Falschbehauptungen vor."

mz

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