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Zwischenstand beim Sturzflut-Risikomanagementplan

Bad Endorf möchte sich vor einem hundertjährlichen Hochwasser schützen

Unwetter Bad Endorf Hochwasser Raiffeisenbank  Kellerzufahrt Alter Saftladen
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Das Unwetter im vergangenen Juli in Bad Endorf setzte den Parkplatz hinter der Raiffeisenbank und die Kellerzufahrt Alter Saftladen unter Wasser.

Überflutete Keller, Bäche statt Straßen und Seen statt Parkplätzen: Bad Endorf hatte in den vergangenen Jahren immer wieder mit Starkregenereignissen zu kämpfen - zuletzt 2021. Ein Sturzflut-Risikomanagementplan soll nun Lösungen bringen.

Bad Endorf - Wo sind die Gefahrenstellen im Bad Endorfer Gemeindegebiet während Starkregenereignissen? Dieser Frage geht derzeit Dr. Manfred Schindler vom Ingenieursbüro Dr. Blasy, Dr. Øverland aus München nach. In der jüngsten Marktgemeinderatssitzung stellte Schindler die Zwischenergebnisse des Sturzflut-Risikomanagementplans vor. Obwohl noch keine konkreten Schutzmaßnahmen formuliert werden können, ist bereits jetzt klar, dass die Gemeinde in den kommenden Jahren in den Hochwasserschutz investieren wird.

Simulations- und Gefahrenkarte für Bad Endorf

Die animierte Sturzflutsimulation zeigt in einem Satellitenbild die Marktgemeinde Bad Endorf. Kleine gelbe Pfeile erscheinen, erst vereinzelt und dann immer mehr. Sie sollen die Fließrichtung des Wassers bei einem hundertjährlichen Starkregenereignis darstellen. Am unteren Rand der Simulation läuft der Zeitstrahl. Von Minute zu Minute bilden sich blaue Flecken auf der Karte. Je blauer die Fläche, desto höher steht dort das Wasser. Rote Pfeile geben die Fließgeschwindigkeit an.

Zwei solcher Simulationskarten für Bad Endorf und Antwort sowie entsprechende Gefahrenkarten hat der Ingenieurswissenschaftler Schindler in den vergangenen Monaten erstellt. „Dafür haben wir erst eine Bestandsanalyse, dann eine Gefahrenermittlung und dann eine Gefahren- und Risikobeurteilung getätigt“, erklärt er. Die kommenden zwei Schritte - die konzeptionelle Maßnahmenentwicklung sowie die Planung von Notfall-Strategien - stünden noch aus.

Datenerfassung ist wichtig

Bei der Bestandsanalyse sei zuerst das Untersuchungsgebiet festgelegt worden. Dies umfasse den Ort Bad Endorf mit dem Teisenhamer und Kufer Bach, die in Teilen ober- und unterirdisch durch die Gemeinde fließen sowie den Ortsteil Antwort mit Mauerkirchen. Dort fließen mit mehreren Verzweigungen die Antworter Achen und der Kurfbach. Dabei wurde für Antwort ein hydraulisches Gutachten, das die Überflutung der Bäche und das frei abfließende Wasser durch den Regen mit einbezieht, erstellt. Für Bad Endorf wurde dazu noch ein hydrodynamisches Kanalnetzmodell angefertigt. Sie versuchen die realen Gegebenheiten zu übersetzten.

Per Scan zum Modell

„Wir greifen hierfür auf Laserscandaten zurück“, erklärt Schindler. Sie können die gesamte Geländeoberfläche von Gebäude, Mauern bis hin zu Randsteinen und Gullydeckeln abbilden. Selbst in bewaldeten Gebieten funktioniere der Laserscan, der 2021 mit einem Flugzeug aus der Luft durchgeführt wurde. An seine Grenzen stoße diese Art der Vermessung bei Gewässern. „Dort tastet der Laser die Oberfläche ab, erfasst aber nicht die Tiefe des Gewässers.“ Da diese aber für den Sturzflut-Risikomanagementplan von Bedeutung sei, mussten hierfür Vermessungen an Ort und Stelle vorgenommen werden.

Wie viel Wasser kann ablaufen?

Auch die Bodenbeschaffenheit spielt eine Rolle. „Bei versiegelte Flächen fließen 80 bis 100 Prozent des Wassers ab“, sagt Schindler. Bei einem Naturboden können Teile des Regens versickern. Dann spiele die Landnutzung eine Rolle - also, ob es sich um ein Maisfeld oder eine Wiese handelt. Auch die Vorfeuchte des Bodens, also wie viel Wasser der Boden noch aufnehmen kann, sei relevant. Auf einer Skala von A bis D, in der A als durchlässig gilt und D als undurchlässig, werde der Boden in Bad Endorf bei C eingestuft.

Datenermittlung über den Deutschen Wetterdienst

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) stellt für die Gefahrenkarte die statistischen Niederschlagszahlen für ein einhundertjährliches Niederschlagsereignis zur Verfügung. Für eine Stunde ist das für Bad Endorf ein Niederschlag von 60,6 Milliliter.

„Aufgrund der Hanglage gehen wir bei unseren Berechnungen von dem einstündigen Regenereignis aus“, erläutert der Ingenieurswissenschaftler und zeigt den Gemeinderäten die derzeitige Simulation und die entsprechenden Gefahrenkarten. Welche Maßnahmen sich für die Gemeinde und Grundstückseigentümer aus diesen Karten und Szenarien ableiten, werde in den kommenden Monaten ermittelt, sagt Jens-Folkard Schmidt vom Bad Endorfer Bauamt.

Öffentlichkeit soll informiert werden

Sobald der Sturzflut-Risikomanagementplan fertiggestellt ist, sollen die Simulationen und Gefahrenkarten der Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden. „Dann kann jeder Eigentümer schauen, wie ist mein Grundstück, mein Gebäude betroffen und entsprechende Maßnahmen treffen“, sagt Zweiter Bürgermeister Wolfgang Kirner (SPD). Auch für zukünftige Bauleitverfahren könne der Risikomanagementplan zum Einsatz kommen, so Bürgermeister Alois Loferer (CSU).

Einen hundertprozentigen Schutz vor Hochwasser gebe es zwar nicht, mithilfe der Karten könne die Verwaltung aber ihren Teil zum Schutz der Bevölkerung beitragen. Denn Manfred Schindler machte den Gemeinderäten auch klar, dass es sich bei dem Sturzflut-Risikomanagementplan zwar um ein Modell handle, aber sich aufgrund des Klimawandels die Starkregenereignisse häufen werden. Das Starkregenereignis im Sommer 2021 sei nur „im Bereich eines dreißig- beziehungsweise fünfzigjährigen Hochwassers lag“.

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