Zuerst Stundentakt, dann Anrufbus

OVB
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56 Abfahrten täglich von Schloßberg nach Rosenheim: Im Zentrum ist die ÖPNV-Welt in Ordnung, doch viele Außenbereiche sind nicht erschlossen. Außerdem wünschen die Bürger einen übersichtlichen Stunden- oder Halbstundentakt.

Stephanskirchen - Übervolle und unpünktliche Busse, verwirrende Fahrpläne, schlecht ausgeschilderte Haltestellen und Ortschaften, die überhaupt nicht erschlossen sind: Der Nahverkehr in Stephanskirchen steht seit vielen Jahren in der Kritik.

Eine Sondersitzung des Gemeinderates zeigte jedoch einen Silberstreif der Hoffnung auf Besserung.


1999 hatte der Gemeinderat schon einmal alle Beteiligten an einen Tisch geholt. Geändert hat sich nach Meinung der Fraktionen jedoch wenig. In der Tat sind die Bemühungen um Verbesserungen beim öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) auch zum Bedauern von Hans Zagler vom Landratsamt Rosenheim als Aufgabenträger für den ÖPNV festgefahren. Die Behörde hat deshalb jetzt ein Sachverständigenbüro eingeschaltet: Die ÖPNV-Experten von "traffic solutions" sollen Konzepte für Verbesserungen erarbeiten - gemeinsam mit der Kommune und den Busunternehmen.

Eine erste gute Nachricht gibt es bereits: Die Vertreter der drei in Stephanskirchen tätigen Verkehrsunternehmen, der Regionalverkehr Oberbayern (DB), Omnisbus Reiter und Omnibus Siflinger, haben nach Angaben von Stephan L. Kroll von "traffic solutions" beteuert, "dass sie bereit sind, ihre Linienführung und ihr Fahrtenangebot zu verändern und auch Angebote für bisher nicht bediente Ortsteile zu schaffen". Denn auch die Verkehrsbetriebe besitzen ein wirtschaftliches Interesse daran, mehr "Kann-Kunden" anzuwerben - Bürger, die nicht auf den Bus angewiesen sind. Bisher nutzen ihn in Stephanskirchen vor allem Schüler, Senioren und Andersdenkende, brachte Margit Sievi (SPD) den Kundenstamm auf den Punkt.


Eine Analyse des bestehenden Angebots durch "traffic solutions" hat jedoch nicht nur die Schwachstellen aufgezeigt. Grundsätzlich ist das Busnetz dicht geknüpft: Es gibt sieben Bus- und eine Ringlinie, 30 Haltestellen, werktäglich 20 bis 50 Beförderungsmöglichkeiten aus Stephanskirchen nach Rosenheim und jeweils rund acht an den elf Haltestellen der Ringlinie. Außerhalb der Betriebszeiten fährt das Anruf-Sammeltaxi der Stadtwerke Rosenheim.

"In Stephanskirchen herrscht kein ÖPNV-Notstand", lautet nach Informationen von Zagler, auch Geschäftsführer der Rosenheimer Verkehrsgesellschaft (vertritt die Aufgabenträger für den ÖPNV, Stadt und Landkreis Rosenheim) die Meinung der Regierung von Oberbayern. Deshalb weigere sich diese, hoheitlich in die Feinorganisation der Linien einzugreifen, die per Konzessionsverträge an die Busunternehmen vergeben werden. Die aktuellen Verträge laufen in sieben Jahren aus.

Noch in diesem Jahr pochen die Ratsfraktionen jedoch auf Konzepte für Verbesserungen. Erstes Ziel: ein Stundentakt, der Ordnung in die verwirrenden Abfahrtszeiten bringt. Daran wird bereits gearbeitet. Außerdem sollen in Zukunft auch Ortsteile erschlossen werden, die bisher nicht angefahren wurden - etwa durch einen Anrufbus. Weitere Wünsche aus dem Gemeinderat bezogen sich auf bessere Anschlüsse am Wochenende und am Abend, eine bessere Integration in den Stadtverkehr und eine bessere Anbindung an den Zug.

Die Skepsis in Bezug auf die versprochenen Änderungen war im Rat jedoch zu spüren: CSU-Fraktionsvorsitzender Dr. Rolf-Jürgen Löffler sieht die Gefahr, dass sich die Beteiligten "weiterhin hinter Paragraphen verschanzen und als Bremser betätigen". Die Busunternehmer und die Rosenheimer Verkehrsgesellschaft warben jedoch auch für Verständnis angesichts der vielen Hürden, die bei der komplexen Neuorganisation des Nahverkehrs zu nehmen sind: von finanziellen (nur 400.000 Euro stehen im Jahr beim Landkreis für den ÖPNV zur Verfügung) bis zu Fahrplanzwängen, die vor allem durch die Notwendigkeit entstehen, den Transport von 1000 Schülern zu integrieren.

duc/Oberbayerisches Volksblatt

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