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Integration an der Schule

Willkommen an der Wasserburger Realschule: So helfen Lehrkräfte den ukrainischen Schülern

Realschuldirektor Markus Hösl-Liebig an einem Fachraum, in dem deutsche und ukrainische Schülerinnen und Schüler gemeinsam den Kunstunterricht besuchen.
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Realschuldirektor Markus Hösl-Liebig an einem Fachraum, in dem deutsche und ukrainische Schülerinnen und Schüler gemeinsam den Kunstunterricht besuchen.

Digitalunterricht aus der Ukraine, Übersetzungsapps und der Deutschunterricht. Diese drei Säulen prägen derzeit den Alltag der ukrainischen Schülerinnen und Schüler an der Wasserburger Realschule.

Wasserburg – Sie sind aus der Ukraine nach Wasserburg geflüchtet, doch der Krieg ist trotzdem ganz nah – sogar manchmal im Unterricht.

Denn die Online-Verbindung in die Heimat, wo Lehrkräfte die Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine nach wie vor per Video unterrichten, bricht regelmäßig ab: weil die Pädagogen aufgrund eines Angriffs die Schutzräume aufsuchen müssen.

Unterstützung auch nach Unterrichtsende

„Erschütternd“ sei dies, sagt Markus Hösl-Liebig. Er ist als Vertreter der Realschulen im Landkreis Mitglied in der Steuerungsgruppe des Landratsamtes, die sich um die Beschulung der Flüchtlingskinder kümmert. Dies klappt nach Erfahrungen von Hösl-Liebig in Wasserburg gut – auch dank eines überdurchschnittlichen Einsatzes von Lehrerinnen und Lehrern der Realschule. Sogar nach Unterrichtsschluss helfen sie mit, damit die Bildung und Integration der ukrainischen Schülerinnen und Schüler im Krieg nicht auf der Strecke bleiben.

Start in der Willkommensgruppe

Den Start an der neuen Schule in der Heimat auf Zeit erleben die Mädchen und Buben aus der Ukraine, die in Wasserburg in Privatunterkünften oder der Realschulturnhalle untergekommen sind, in einer Willkommensgruppe.

Hier bleiben die Kinder und Jugendlichen in der Sekundarstufe eins (Alter von zehn bis 16 Jahren) beisammen – egal, ob sie in der Heimat eine Mittel-, eine Realschule oder ein Gymnasium besuchen würden. Ist die Realschul-Willkommensgruppe gefüllt, wird am Gymnasium eine weitere eröffnet, danach ist die Mittelschule an der Reihe, erklärt Hösl-Liebig das Prozedere.

Unterricht über W-LAN

Für die jungen Ukrainerinnen und Ukrainer gibt es trotzdem eine individuelle Förderung – auch dank Ehrenamtlichen, externen und pensionierten Lehrkräften sowie der Jugendsozialpädagogin, berichtet der Realschuldirektor. Nach einem festen Stundenplan würden in den ersten vier Stunden in zwei Gruppen mit je zehn Schülerinnen und Schülern Deutschunterricht sowie über W-Lan Bildungsprogramme aus der Ukraine. Außerdem gebe es täglich altersgerechte Angebote – und die Möglichkeit, am Regelunterricht teilzunehmen. Hier bieten sich nach Erfahrungen des Realschulleiters musische Fächer, Kunst und Sport an.

Englisch keine Kommunikationshilfe

„Es läuft wirklich erstaunlich gut“, sagt Hösl-Liebig auch angesichts der Tatsache, dass viele junge Ukrainer noch nicht die englische Sprache kennengelernt haben. Sie kann also oft nicht als Brücke der Kommunikation dienen. Das übernimmt dagegen ein ukrainischer Schüler, der relativ gut Deutsch spricht, freut sich Hösl-Liebig. Außerdem im Dauerbetrieb: die Übersetzungs-Apps auf dem Handy. Dolmetscherinnen und Dolmetscher, die in der Unterkunft in der Turnhalle helfen, unterstützen bei Verständigungsproblemen.

Ziel: Möglichst schnell Deutsch lernen

Möglichst schnell Deutsch lernen, das ist nach Angaben des Realschulleiters auch deshalb wichtig, weil junge Geflüchtete nach drei Monaten in Deutschland schulpflichtig werden. Sie müssen dann am Regelunterricht teilnehmen. Eine Herausforderung auch deshalb, weil die Bildungsspanne sehr groß ist, wie Hösl-Liebig feststellt. In der Willkommensklasse sitzen hoch gebildete Jugendliche, die kurz vor dem Abschluss an ihrer Schule in der Ukraine standen, ebenso wie Kinder, die sich grundsätzlich mit dem Lernen schwer tun.

Die Integration in das Schulleben funktioniere jedoch gut, findet Hösl-Liebig. Die Realschülerinnen und Realschüler seien auf die Aufnahme der Neuen aus der Ukraine gut vorbereitet – auch weil sie eine Bildungseinrichtung besuchen würden, die sich als Schule ohne Rassismus und mit Courage intensiv um Integration bemühe. „Vielfalt ist uns wichtig. Wir bemühen uns traditionell sehr darum, dass sich bei uns alle wohlfühlen – egal welcher Religionszugehörigkeit, Hautfarbe oder Nationalität.“

Viele helfen mit

Ehrenamtliche und Lehrkräfte helfen tatkräftig mit, dass sich die Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine in Wasserburg und an der Realschule wohlfühlen. Zwei Koordinatoren aus dem Lehrerkollegium – die Verbindungslehrkräfte Martina Helwig und Michael Andörfer – kümmern sich beispielsweise um Kontakte zum Helferkreis, organisieren Aktionen und Projekte. Der Verein Wasserburger Wunschbaum hilft mit Spenden – etwa für Schulmaterialien. Lehrer Bernhard Pötzl fuhr in den Osterferien mit 70 Ukrainern in den Wildpark nach Oberreith. Lehrerin Katrin Heidlinger lädt regelmäßig Kinder und Jugendliche aus der Unterkunft zum Sporteln oder Eis essen ein. Lehrerinnen und Lehrer organisieren Kinoabende, Ausflüge, Beschäftigungsangebote – auch in ihrer Freizeit und nach dem Schlussgong.

Jeder, der mag, bringt sich mit seinen Talenten ein, sagt Realschuldirektor Markus Hösl-Liebig. Ihm ist es wichtig, dass die 85 Lehrkräfte an der Realschule, stark belastet durch 2,5 Jahren Pandemie, bei aller Bereitschaft, erneut zu helfen, nicht überfordert werden. „Wir sind ein gutes Team, es wird viel kommuniziert. Auch deshalb klappt es gut“, so seine Erfahrung. Außerdem sei die Realschule krisenerprobt: Bereits 2015 in der ersten Flüchtlingswelle hat sie Organisationsstrukturen aufgebaut, die sich jetzt erneut bewähren würden. Auch die gute Zusammenarbeit mit benachbarten Schulen, die helfen würden, um die fehlenden Hallenkapazitäten auszugleichen, und mit dem Landkreis als Sachaufwandsträger würden zum Gelingen beitragen. Die Stadt sei ebenfalls immer ansprechbar und kümmere sich sofort, wenn es ein Problem gebe. Die Abschlussfeier der Realschule beispielsweise kann nicht in der Turnhalle, derzeit eine Unterkunft für Flüchtlinge, stattfinden und wird dank Unterstützung der Verwaltung in den Rathaussaal verlegt.

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