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"Ein Wald ohne Weg ist wie ein Haus ohne Tür"

Rosenheim/Landkreis - Mit einem neuen Merkblatt sensibilisiert das Landratsamt Rosenheim für einen ordnungsgemäßen Wegebau im Wald.

Denn nach wie vor sorgen Fälle, bei denen die Erschließung zur unkontrollierten Bauschuttentsorgung missbraucht wird, für Ärger und gefährden den Naturhaushalt.

"Ein Wald ohne Weg ist wie ein Haus ohne Tür", findet Dr. Georg Kasberger. Der Leiter des Amtsbereiches Forsten beim Amt für Landwirtschaft und Forsten unterstützt deshalb die 9000 Waldbauern im Landkreis aktiv beim Forstwegebau. Ohne eine ordentliche Erschließung lässt sich der Wald, so Kasbergers Erfahrung, nicht effektiv bewirtschaften - und auch die geforderte Naturverjüngung nicht durchführen. Der Umbau in stabile Mischwälder, die den Herausforderungen des Klimawandels trotzen und einen hohen ökologischen Wert als Grünlunge besitzen, könne nur stattfinden, wenn Fällung und Abtransport des Altbestandes sowie Neuanpflanzungen auch technisch möglich seien, betont Kasberger.

Trotzdem funktioniert der Wegebau nicht immer so vorbildlich wie auf einer Vorzeigefläche im nordöstlichen Landkreis. Hier hat ein Waldbauer einen 585 Meter langen, mitsamt der Bankette bis zu vier Meter breiten Erschließungsweg für Transport-Lastwagen bis zu 40 Tonnen angelegt. Das Forstamt hat die Baumaßnahme zu 60 Prozent bezuschusst. Der Hauptweg im 15 Hektar großen Waldgebiet ist ohne Bauschutt erstellt worden, die Deckschicht besteht aus Kies. Im Laufe der Jahre wird sich die Natur, so Kasberger, des Weges annehmen - mit der Folge, dass nur noch die Fahrspuren unbegrünt bleiben. Die Rückegassen, von denen aus das gefällte Langholz aus dem Wald zum Lkw gezogen wird, sind nicht befestigt und kaum als solche zu erkennen.

Doch es gibt auch Negativbeispiele. Franz Holzeder vom Sachgebiet Abfallwirtschaft beim Landratsamt Rosenheim kennt Fälle, bei denen "der Wegebau missbraucht wurde, um Bauschutt zu entsorgen". Aufmerksam wird die Behörde auf diese Problematik in der Regel durch Hinweise aus der Bevölkerung. Wanderer und Erholungssuchende beschweren sich über Wege, aus denen große Beton- oder Steinbrocken samt Rohrleitungen oder, so ein Extremfall, sogar Kanaldeckel herausschauen. Diese Wege sind dann kaum begehbar. Viele stören sich auch am optischen Bild, berichtet Holzeder.

Grundsätzlich weist auch Kasberger darauf hin, dass sich mineralisches Bauschuttmaterial für den Wegebau durchaus anbieten kann. Unter der Voraussetzung einer fachlichen Begleitung werde sogar eine Erschließungsmaßnahme, bei der solch ein Material Verwendung finde, bezuschusst, teilt er mit. Doch Kasberger fordert den Einsatz von zertifiziertem Schuttgut, dessen ökologische Unbedenklichkeit und Eignung für den Wegebau von einem unabhängigen Prüfer bestätigt worden sei. Das Landratsamt erlaubt ausschließlich die Verwendung von mineralischem Abbruchmaterial wie zerkleinerten Ziegeln oder Betonbruch, das wasserdurchlässig ist und nicht durch Schadstoffe - etwa durch Öl oder Asbest - verunreinigt ist. Altmetall, Bleirohre, Kupferleitungen, Zinkblech usw. dürfen nicht verbaut werden, teilt Holzeder mit. Vermischter Baustellenabfall mit Resten beispielsweise aus Tapeten oder Plastikböden sowie Dämmstoffen sei ebenfalls tabu. Teerhaltige Materialien oder unpassende Teile wie grobe Betonbrocken oder Abwasserrohre dürften nicht genutzt werden. Geschehe es trotzdem, müsse der Grundeigentümer mit einer Aufforderung zur Nachsortierung oder Beseitigung rechnen oder Proben des Materials auf die Unbedenklichkeit analysieren lassen. Bei Zuwiderhandlungen können, so das Merkblatt des Landratsamtes, Bußgelder bis zu 50000 Euro verhängt werden.

Kasberger fordert bei der Verwendung von Bauschutt auch einen sachgemäßen Einbau des Materials. Es könne durchaus als Unterbau dienen. Der Weg müsse jedoch eine Deckschicht aus Sand oder Kies erhalten, betont er. Bei der Erstellung von Rückegassen, die unbefestigt bleiben müssen, ist das Aufbringen von Bauschutt nach seinen Angaben nicht erlaubt. "Das würde dem Grundprinzip widersprechen, dass der Wegebau im Wald immer bedarfsgerecht und naturschonend stattfinden soll." duc/Oberbayerisches Volksblatt

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