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Gemeinsam säen und ernten

Wasserburg wird wieder zur „essbaren Stadt“

Lecker ist die „essbare Stadt“ Wasserburg – ein Projekt, bei dem auch Familien ausdrücklich willkommen sind.
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Lecker ist die „essbare Stadt“ Wasserburg – ein Projekt, bei dem auch Familien ausdrücklich willkommen sind.

Paprika und Physalis mögen den Anbaustandort Wasserburg nicht so gerne, Mangold und Erdbeeren dagegen umso mehr: Das sind Erfahrungen der „essbaren Stadt“. Am Freitag, 1. April, geht das Projekt weiter. Organisatorin Dr. Christine Mayerhofer über die Freude am gemeinsamen Garteln.

Wasserburg – Nach zweijähriger Corona-Pause startet die Aktion „essbare Stadt“ auf der Fläche vor dem Bauhof wieder durch. Initiatorin Dr. Christine Mayerhofer erläutert im Interview, warum es so viel Spaß macht, gemeinsam zu garteln, was in Wasserburg besonders gut wächst und warum das Säen und Ernten so viel mit Wertschätzung gegenüber der Natur zu tun hat.

Dr. Christine Mayerhofer

Nach zweijähriger Zwangspause startet die Aktion „essbare Stadt“ wieder durch. Was ist am Freitag, 1. April, geplant?

Dr. Christine Mayerhofer : Zwangspause kann man so nicht sagen. Wir haben auch in der Coronazeit die „Essbare Stadt“ am Laufen gehalten, haben die Beete hergerichtet, bepflanzt, geerntet. Lediglich gemeinsame Treffen waren schwierig. Auch sind in der Zeit einige Mitstreiterinnen und Mitstreit abgesprungen. Wegen der wechselnden Vorschriften konnten wir nicht zu Treffen einladen. Der offene Treff am 1. April soll interessierten Personen eine Möglichkeit bieten, sich zu informieren, sich die Fläche anzuschauen, die sich neu formierende Gruppe kennenzulernen, Fragen zu stellen. Wir müssen jetzt auch die Beete noch ein wenig herrichten. Erstes, zum Beipiel Radieschen, könnten schon ausgesät werden. Es wird nicht die einzige Gelegenheit bleiben, sich zu informieren. So soll an jedem ersten Freitag im Monat um 17 Uhr dieser Treffpunkt stattfinden.

Die „Essbare Stadt“ ist ein Gemeinschaftsprojekt. Wer kann mitmachen? Sollten Interessenten einen „grünen Daumen“ haben oder dürfen auch im Garteln Ungeübte aktiv werden?

Mayerhofer: Mitmachen kann wirklich jeder. Dazu braucht es keine Vorerfahrung. Hier kann man ausprobieren und Erfahrungen austauschen. Das ist ja das Schöne an einem Gemeinschaftsprojekt, dass ein jeder vom anderen etwas lernen kann. Besonders würden wir uns natürlich auch über Familien mit Kindern freuen. Es ist ja wie ein Naschgarten, wenn auf der einen Seite die Johannisbeeren reif sind und im Hochbeet die kleinen Tomaten zum Probieren einladen und die Pfefferminze für den erfrischenden Tee gepflückt werden kann. Und auf der Bank kann man auch mal seine Brotzeit genießen.

Was haben Sie seit 2015, als das Projekt gestartet worden ist, alles angepflanzt und geerntet? Was fehlt noch?

Mayerhofer : Wir haben es eigentlich schon mit allen gängigen Gemüsesorten probiert. Besonders sonnenhungrige Paprika oder Physalis haben sich weniger bewährt. Dagegen sind Lauch, Mangold, Salate , Erdbeeren, Freilandgurken, Rote Beete, Bohnen und Erbsen, Kartoffeln, Rhabarber, verschiedene Kräuter, Grün- und Palmkohl, Zucchini, Kürbisse, Freilandtomaten und verschiedene Kräuter ganz gut gewachsen. Wildkräuter kommen von selber. Der Platz ist natürlich begrenzt, da mussten wir auch lernen nicht zu dicht zu pflanzen. Eine Fachberatung von der Stiftung Attl war hier eine große Hilfe bei der Auswahl geeigneter Gemüsesorten. Von dort bekommen wir auch immer großzügige Pflanzenspenden ebenso von der Bio-Gärtnerei Löwenzahn. Wir pflanzen auch selbst gezogene Pflanzen, und hier fängt ja der Spaß an, wenn aus einem Samenkorn eine Pflanze wächst, von der man später ernten kann. Es reizt immer wieder im Frühjahr, auch wenn es nicht immer gelingt. Dabei wächst der Respekt vor dem Gemüseanbau, wie viel dazu gehört, dass von einer gesunden Pflanze geerntet werden kann. Dabei wächst auch die Wertschätzung, gesunde Lebensmitteln sind dann keine Selbstverständlichkeit mehr. Da können wir viel lernen und besonders auch die Kinder.

Permakultur und Gemeinschaftsgärten: Aktionen wie Ihre sind derzeit im Trend. Wie erklären Sie sich diese Entwicklung?

Mayerhofer : Wir leben in einer der Welt der Entfremdung, Lebensmittel kaufen wir im Supermarkt, haben scheinbar wenig Einfluss auf die Abläufe, in denen wir stecken. Die Klimakrise zeigt uns drastisch, dass wir so nicht weiter machen können. Das Bedürfnis, sich selber zu versorgen, Dinge selber herzustellen, wieder zu verwenden oder „up zu cyceln“, wächst. Wenn wir selber anbauen, es wieder lernen, im Einklang mit der Natur, den Jahreszeiten und unserer Umwelt tätig zu werden, erleben wir uns wieder als handlungsfähig. Das macht glücklich. Es „erdet“ im wahrsten Sinne des Wortes Und wir werden belohnt mit gesunden Lebensmitteln, wir nutzen Ressourcen schonend, tragen zum Klimaschutz bei (Selbstangebautes muss nicht transportiert werden). Mit Kompostierung und Permakultur sind wir Teil eines Kreislaufs, wir verbessern die Artenvielfalt nebenbei oder gezielt und lernen auch noch andere Menschen kennen, mit denen wir uns austauschen und neue Ideen entwickeln können. Und es gibt noch ganz viele Ideen, um schlecht genutzte Ecken in unserer Stadt zu beleben und uns zurückzuerobern im positiven Sinn.

Treffen am 1. April

Interessierte lädt die „essbare Stadt“ zu einem offenen Treffen an der Fläche vor dem Wasserburger Bauhof ein, damit die Bepflanzung und weitere Pläne für dieses Jahr besprochen werden. Das Treffen ist am Freitag, 1. April, um 17.30 Uhr. Es gelten die aktuellen Corona-Regeln. Informationen gibt es bei Dr. Christine Mayerhofer (Telefon 08071/103473, E-Mail christine.mayerhofer@t-online.de).

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