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Testphase für die Altstadt

„Wenn es nicht im Chaos endet, ist es ein Erfolg“: Wasserburg plant Bushaltestelle am Rathaus

Probehalt am Marienplatz: Der Nostalgiebus beim Frühlingsfest hatte hier keine Probleme.
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Probehalt am Marienplatz: Der Nostalgiebus beim Frühlingsfest hatte hier keine Probleme.

Mit dem Stadtbus direkt vor das Wasserburger Rathaus. Das könnte den Stadtverkehr entlasten, glaubt die Mehrheit des Wasserburger Stadtrates – doch es gibt auch Bedenken.

Wasserburg – Zwei neue Stadtbus-Haltestellen sollen im kommenden Jahr in Wasserburg probeweise eingerichtet werden: am Marienplatz (Rathaus/Kernhaus) und am Heisererplatz (Bereich Einmündung). Das beschloss der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung nach einer lebhaften Diskussion mit 16:6 Stimmen. Die Gegenstimmen kamen aus der Fraktionsgemeinschaft CSU/Freie Wähler und Wasserburger Block. Der Antrag zu diesem Beschluss kam von der Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen sowie der Fraktionsgemeinschaft SPD/LLW.

Bereits 2020 hatte sich der Stadtrat bei einer Verkehrsklausur mit diesem Thema beschäftigt. In einer Bauausschusssitzung im Juni 2021 wurde das Thema wieder aufgenommen, allerdings unter anderem wegen Corona und der Umstellung beim Stadtbus zunächst wieder aufgeschoben.

Marienplatz mit dem Bus barrierefrei erreichen

In der jüngsten Sitzung betonte Friederike Kayser-Büker als Fraktionsvorsitzende der SPD/Linke Liste die Dringlichkeit ihres Antrags. „Wir beantragen den Versuch, weil nichts passiert ist“, machte sie deutlich und führte weiter aus: „Wir können hier nur gewinnen, wenn wir versuchen, die Strukturen zu verbessern. Wir möchten den ÖPNV stärken, damit mehr Fahrgäste mit dem Bus in die Innenstadt kommen. Autos können am Marienplatz halten, bisher ist es aber nicht möglich, den Marienplatz barrierefrei mit dem Bus zu erreichen.“

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Andreas Hiebl zeigte in einer Präsentation den Stand der Dinge zum Stadtbusverkehr in Wasserburg, machte auf Vorgaben und Gegebenheiten für verschiedene mögliche Standorte aufmerksam, die zu bedenken wären, und warf auch die Frage auf, wie man im Anschluss an den Probebetrieb feststellen wolle, ob er erfolgreich gewesen sei.

Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) zögerte nicht lang und rief in den Saal: „Der Erfolg ist da, wenn wir kein Chaos verursachen.“

Wolfgang Schmid (CSU) fragte nach den Kosten für diesen Versuch. Die seien überhaupt noch nicht berechnet, hieß vonseiten der Verwaltung. Auch die Dauer des Probeversuchs stand zur Debatte. In der Beschlussfassung einigte man sich auf ein halbes Jahr. Anvisiert wird der Zeitraum vom 1. April bis zum 30. September 2023. Stadtbaumeisterin Mechthild Herrmann gab zu bedenken, dass die genaue Terminierung letztendlich in Absprache mit den Planern erfolgen müsse.

Einkaufsstadt könnte Attraktivität verlieren

Heike Maas sah das Versuchsprojekt kritisch. Die Fraktionsvorsitzende für CSU/Freie Wähler und Wasserburger Block fragte nach objektiven Kriterien, mit denen man den Erfolg dieses Projekt feststellen könne und warnte davor, dass Wasserburg als Einkaufsstadt an Attraktivität verlieren könne, wenn der Autoverkehr zu stark eingeschränkt würde. Christoph Klobeck (CSU) hatte zuvor mahnend darauf hingewiesen, dass für eine Haltestelle am Marienplatz von den vorhandenen 15 Parkplätzen fünf wegfallen müssten. „Den Eingriff in die Struktur sehe ich als zu groß“, betonte er.

Christian Peiker (Linke Liste) sprach sich für den Versuch aus: „Barrierefreiheit und kurze Wege, das verstärkt den Anreiz den Bus zu nehmen und bringt die Stadt vorwärts.“

Den Versuch im Zeitraffer beobachten

Andreas Hiebl regte an, zur objektiven Überprüfung der Testphase die Haltestellen den ganzen Zeitraum über filmisch zu beobachten, damit die Verkehrsplaner anschließend im Zeitraffer ein fachmännisches Urteil treffen könnten. Das müsste auch mit dem Datenschutz vereinbar sein, machte er im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich, denn auf den Filmen seien durch den Zeitraffer keine einzelnen Personen zu erkennen.

Dr. Martin Heindl (SPD) sprach sich gegen eine Auswertung aus. „Ich halte nichts von Studien, Überwachungen und Befragungen. Kein Chaos ist schon Erfolg genug“, argumentierte er.

Auch der Ticketverkauf im Bus wurde von einigen Stadträten angesprochen. Er könne dazu führen, dass die Busse zu lange Standzeiten hätten, die dann wieder zu Staus führen könnten, befürchteten sie. Friederike Kayser-Büker setzte dagegen: „Staus haben wir jetzt schon. Wenn der motorisierte Verkehr noch zunimmt, dann kollabiert der Verkehr auf der roten Brücke.“

Heike Maas hatte für ihre Fraktion in der Sitzung auch die Tränkgasse als möglichen Halteort für den Versuch ins Spiel gebracht und diesen Haltepunkt favorisiert, doch über diese Variante wurde nicht abgestimmt, weil Marienplatz und Heisererplatz bei der Abstimmung die Zustimmung der Mehrheit fanden.

Weitere Entscheidungen derzeit noch offen

Andreas Hiebl bestätigte auf Nachfrage unserer Redaktion, dass der Stadtrat in der Sitzung nicht festgelegt habe, ob nach dieser Testphase bei erfolgreichem verlauf beide Haltepunkte, Marienplatz und Heisererplatz bestehen sollen, oder ob dann ein Standort ausgewählt würde. An beiden Orten bestünde im Falle einer festen Haltestelle Umbaubedarf, so Hiebl. Am Heisererplatz müsste eine Hecke weichen, am Marienplatz müsste die Barrierefreiheit hergestellt werden.

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