Polizei zieht aus Wasserburger Altstadt aus

Kritik am Standort Burgau - Polizei nimmt Stellung zum Inspektions-Neubau 

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Das Grundstück am Landschaftsweg: Hier ensteht die neue Polizeiinspektion Wasserburg. Links zu sehen ist der Eingang des bisherigen Gebäudes am Kaspar-Aiblinger-Platz in der Altstadt. 
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Wasserburg - In der Burgau entsteht in den kommenden Jahren die neue Polizeiinspektion. Kritik hagelt es von Seiten der Bürger bezüglich des Standorts außerhalb der Altstadt. Sind die Zweifel berechtigt? 

Als die Entwürfe zum Neubau der Inspektion auf dem Grundstück in der Burgau im Mai im Wasserburger Bauausschuss öffentlich vorgestellt wurden, gab es nicht nur Worte des Lobes. 

Vor allem Josef Baumann (Freie Wähler Reitmehring/Wasserburg) gefiel der Standort außerhalb der Innschleife gar nicht: "Ich habe Bedenken, dass die Beamten nachts in Zukunft nicht mehr so oft durch die Stadt marschieren und kontrollieren, wenn sie erst jedes Mal erst ins Auto steigen müssen. Ich möchte nur ungern den Standort in der Altstadt verlieren."

Auch unter den Lesern gab es kontroverse Meinungen, beispielsweise auf Facebook: Die einen befürworten den neuen Standort im Ortsteil Burgau - mitunter weil es nicht nur um die Stadt Wasserburg gehe, sondern weil auch die umliegenden Dörfer schneller erreicht werden könnten. Andere wiederum sehen Nachteile, für die Bewohner aus dem auf der anderen Innseite liegenden Stadtteil Burgerfeld zum Beispiel. 

Was sagt die Polizei selbst zu dem Standort? 

"Ein Umzug einer Polizeidienststelle ist regelmäßig mit Veränderungen in der Erreichbarkeit für diverse Stadtteile verbunden. Durch den Neubau der Inspektion tritt jedoch unzweifelhaft eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Wasserburger Polizei, aber auch für die Bürger ein", betont Carolin Hohensinn, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd auf Nachfrage der Redaktion. 

Die neue Polizeiinspektion Wasserburg entsteht in der Burgau am Kreisverkehr. 

Neubau die "wirtschaftlichste Unterbringungsmöglichkeit" 

Die Option, die Inspektion in den bisherigen Räumlichkeiten des Salzstadels am Kaspar-Aiblinger-Platz zu halten, käme laut Hohensinn nicht in Frage: "Die jetzigen Räumlichkeiten erfüllen keineswegs die Anforderungen der aktuellen Planungsgrundsätze für Polizeibauten, geschweige denn für einen modernen Dienstbetrieb. Die Dienststelle befindet sich im ersten Obergeschoss eines Mehrparteienhauses und ist nicht barrierefrei, da sie nur über zwei Treppen erreicht werden kann. Bautechnisch ist eine barrierefreie Erschließung nicht möglich. Auch die Haftzellen befinden sich im ersten Obergeschoss. Festgenommene oder in Gewahrsam genommene Personen müssen über die Garage über die zwei Treppen dorthin gebracht werden, wodurch ein erhebliches Konflikt- und Verletzungspotential gegeben ist."

Sicherheitsrelevante Aspekte, wie das Fehlen eines Polizeihofs, sowie das gemeinsame Nutzen ein und desselben Treppenhauses mit weiteren Nutzern des Gebäudes, entsprächen des Weiteren nicht den aktuellen Anforderungen. Die Diensträume könnten zudem nicht klimatisiert werden. 

Die Möglichkeit einer Sanierung obliege im Generellen dem Eigentümer beziehungsweise dem Vermieter des Objektes und hätte laut der Pressesprecherin die grundsätzlichen Bedürfnisse einer neuen Polizeiinspektion nicht erfüllen können. Zudem seien Ankauf und Errichtung eines Neubaus die "wirtschaftlichste Unterbringungsmöglichkeit".

Auf diesem Grundstück soll die Inspektion der Wasserburger Polizei enstehen. 

Verbesserung gegenüber dem Altstadtstandort: 

Der geplante Neubau entspreche Hohensinn zufolge "allen aktuellen Erfordernissen der Planungsgrundsätze für Polizeibauten" und biete zudem auch "einsatztaktisch eine hervorragende Erreichbarkeit der Bundesstraßen 15 und 304, ohne damit verbundene Einbußen bei der Anfahrt zur Innen- und Südstadt im Rahmen von Einsatzfahrten". 

Der neue Standort biete für die Bürger zudem "beste Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie der RVO-Linie 9418 mit unmittelbar vor dem Gelände positionierter Haltestelle".

Nachteile für Altstadt- und andere Stadtteil-Bewohner? 

Der neue Standort liegt etwa 1,5 Kilometer von der Altstadt entfernt. Laut Hohensinn werde "nicht in jedem Fall" ein Dienst-Wagen der Polizei für Einsätze in der Altstadt benötigt. Zudem seien für die Zukunft Fahrradstreifen angedacht. 

"Unserem Polizeipräsidenten Robert Kopp ist es sehr wichtig und ein zentrales Anliegen, dass die sichtbare Präsenz der Polizei keinesfalls beeinträchtigt wird und wir rund um die Uhr für die höchstmögliche Sicherheit der Wasserburger sorgen", betont die Pressesprecherin in Bezug auf die Bedenken mancher Bürger, die Präsenz der Polizei in der Altstadt könne durch den neuen Standort der Inspektion in der Burgau abnehmen. 

Das neue Gelände, auf dem die Polizeiinspektion entstehen wird. 

Ein Nachteil bei Einsätzen für die Stadtteilbewohner im Burgerfelds werde ebenfalls nicht gesehen: "Einerseits werden Polizeieinsätze regelmäßig von Streifen übernommen, die ohnehin unterwegs sind. Darüber hinaus ist das Burgerfeld über die B304 recht schnell vom neuen Standort zu erreichen."

Die bisherige Anfahrt durch die Innenstadt sei aufgrund von blockierenden Bussen und Lkw sowie das beengte Brucktor oftmals auch nicht schneller. Darüber hinaus sei die Einsatzbelastung am neuen Standort Burgau höher als im Stadtteil Burgerfeld - bedingt durch das kbo-Inn-Salzach-Klinikum, Kreiskrankenhaus, Altenheim und Asylbewerberheim. Gerade bei Vermisstenfälle und Entweichungen könne die Wasserurger Polizei künftig deutlich schneller reagieren.

Baubeginn im kommenden Jahr 

Für den Neubau der Polizeiinspektion hat der Bayerische Landtag rund 1,9 Millionen Euro eingestellt und beschlossen. Insgesamt soll das Projekt rund 6,4 Millionen Euro kosten. Mit den Abbrucharbeiten auf dem Grundstück am Kreisverkehr gegenüber der Aral-Tankstelle soll noch heuer begonnen werden. Der Baubeginn wird dann im ersten Halbjahr 2020 angestrebt, Fertigstellung des Gebäudes wäre Ende 2021.

mb

Quelle: wasserburg24.de

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