Stadt Wasserburg erteilt Genehmigung nur mit Einschränkungen 

Zu eng, zu laut, zu viele Gäste: Heiße Debatte um Discoparty in Hofstatt 

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Das Basarzelt auf dem Christkindlmarkt in der Hofstatt - Ende des Jahres soll hier eine Discoparty stattfinden. 
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Wasserburg - Alle Jahre wieder steht die Frage im Raum, welche Verwendung man dem Basarzelt in der Hofstatt nach Beendigung des Christkindklmarkts noch zuschreiben könnte. Der TSV würde nach Weihnachten gerne eine Discoparty durchführen - doch diese Idee konnte mitnichten alle Mitglieder des Haupt- und Finanzauschusses begeistern. 

Der Punkt stand ursprünglich gar nicht mehr auf der Tagesordnung der Sitzung des Haupt- und Finanzauschusses am 6. Dezember. Wegen Dringlichkeit wurde er kurzfristig aufgenommen. 

Am 5. Dezember, so erläuterte Bürgermeister Michael Kölbl den Sachverhalt, sei ein Schreiben der Fußballabteilung des TSV 1880 Wasserburg in der Verwaltung eingegangen. Darin hätten sie die geplante Durchführung einer "Après-Ski-Party" am Samstag, 29. Dezember 2018, in der Hofstatt beantragt. Es soll eine Veranstaltung mit DJ-Musik in der Zeit von 20 Uhr bis 5 Uhr morgens werden. Größenordnung: 500 Gäste - 200 im Basarzelt und 300 im Außenbereich der Hofstatt. 

Bei der Vorstellung dieser Details ging bereits ein Raunen durch die Reihen des Haupt- und Finanzausschusses. An den Gesichtern war erkennbar: Damit ist nicht jeder einverstanden

Polizei und Stadt sehen Standort in der Hofstatt kritisch

Kölbl erklärte weiter, die Verwaltung habe in der Kürze der Zeit einen Beschlussvorschlag ins Leben gerufen, der die Genehmigung der Party zwar grundsätzlich vorsehe, jedoch mit Einschränkungen, denn: "Polizei und Stadt sehen den Ort der Veranstaltung problematisch, nicht zuletzt wegen der Enge der Hofstatt und der Akustik in der Altstadt. Vergleichbar wäre das Event mit dem zwei Monate später stattfindenden 'Unsinnigen Donnerstag', der aber um 1 Uhr nachts endet." 

Stadtführer, Geschäftsleiter der Stadt und Feuerwehrmann Thomas Rothmaier legte das Ganze aus Sicht der Wehren dar: "Ich gebe zu bedenken, dass wir hier das gleiche Problem haben werden wie heuer mit den Toiletten "Am Gries", als die After-Zug-Party frühzeitig beendet werden musste wegen Überfüllung. Außerdem ist es nicht gewiss, dass es bei 500 Leuten bleibt. Polizeichef Markus Steinmaßl sagte uns, er rechne unter Umständen mit 1000 Leuten in der kleinen Hofstatt. Auf sein Anraten sollte die Veranstaltung an einem anderen geeigneterem Ort stattfinden. Außerdem bezweifeln wir ernsthaft, ob ein Sicherheitsdienst mit nur fünf Personen vor Ort - wie vom Antragsteller dargestellt - ausreichend ist. Zudem brauchen wir ein gewisses Kontingent für Feuerwehr und Rettungsdienst und die Baustelle in der Hofstatt schränkt uns zusätzlich auf dem etwa 400 Quadratmeter großen Areal ein." 

Vier Wochenenden Christkindlmarkt-Betrieb für die Anwohner

Ist eine Open-Air-Party mit rund 500 Gästen für die Anwohner der Hofstatt überhaupt zumutbar? Darüber scheideten sich die Geister in der anschließenden Diskussion im Ausschuss. Rothmaier dazu: "Schon nach dem Fasching erreichen uns regelmäßig massive Beschwerden von Anwohner des Hennagassls und der Sedlmaiergasse, weil die Narren viel zu oft die Gassen als Toiletten benutzen - ich muss ehrlich sagen, ich habe keinen Lösungsvorschlag parat."

Armin Sinzinger (Wasserburger Block) untermauerte Rothmaiers Bedenken: "Bei 200 Leuten im Zelt ab 22 Uhr die Musik auf ein verträgliches Maß reduzieren - wir wissen alle, dass das nicht funktioniert, weil diese Vorgaben niemanden interessieren. Ich möchte keine Spaßbremse sein, aber die Anwohner haben dann vier Wochenenden permanenten Christkindlmarkt-Betrieb bis 9 Uhr abends hinter sich - ich glaube kaum, dass die begeistert sind, wenn nach Weihnachten erneut Tumult herrscht. Ich bin gegen die Genehmigung dieser Veranstaltung in dem Rahmen. Soll der TSV doch auf den Sportplatz ausweichen als Veranstaltungsort." 

Genau darum gehe es aber in der Debatte, so erwiderte Kölbl, das bereits stehende Basarzelt auch nach Weihnachten noch zu nutzen. "Außerdem verwandelt sich der Sportplatz in einen Acker, wenn die Party dort stattfindet."

Das Hennagassl zwischen Hofstatt und Sedlmaiergasse. 

Edith Stürmlinger (Bürgerforum) zeigte sich erstaunt, dass Sinzinger annehme, die Wasserburger Jugendlichen seien alle Chaoten: "Die Polizei ist natürlich froh, wenn kein Event stattfindet. Aber ich kann doch den jungen Leuten nicht von vornherein unterstellen, dass diese Party nicht funktioniert. Die Fußballabteilung des TSV möchte das gerne ausprobieren, also sollten wir ihnen einen Vertrauensvorschuss geben, sie unterstützen und einfach mal machen lassen." 

Diese Formulierung Stürmlingers gefiel Sinzinger gar nicht: "Ich verwehre mich dagegen, gesagt zu haben, die jungen Leute seien alle Chaoten - ich würde es dem TSV durchaus gönnen, aber nicht an diesem Ort, selbst wenn das Zelt schon steht." 

Feuerwerk-Verkauf gestartet: "Bisserl Angst um unsere Stadt" 

Elisabeth Fischer (CSU) äußerte ebenfalls ernste Bedenken - vor allem in Hinblick auf die Tatsache, dass so kurz vor Silvester bereits Feuerwerkskörper im Handel seien. "Ich habe bei dem Gedanken bisserl Angst um unsere Stadt. Jetzt haben wir erst beschlossen, den gesamten Parkplatz 'Am Gries' aus Platzgründen den Faschingsfeiernden zu überlassen und nun würden wir eine Party in der engen Hofstatt genehmigen..." 

Wolfgang Janeczka (SPD) verwies auf die in Konjunktiv geäußerten Befürchtungen seiner Kollegen: "Sofort wird von Eskalation und Überfüllung geredet, dabei sollte man bedenken, ob überhaupt so viele Leute kommen. Ich kann mich noch erinnern, als es vor wenigen Jahren eine vom WFV organisierte Silvesterparty im Basarzelt gab. Das war ein absoluter Rohrkrepierer und als Trauerspiel kaum zu überbieten. Wer sagt denn, dass die Besucherzahl über 500 hinaus geht?" 

Dennoch ein wichtiger Aspekt in den Augen Janeczkas, der auch Zustimmung von Markus Hoeft (Die Grünen) bekam, sei die Zahl der Sicherheitsleute: Zehn müssten es mindestens sein, denn eine Veranstaltung stehe und falle an den Ordnern - auch wenn das erhebliche Mehrkosten verursache. 

Werner Gartner (SPD) verwies am Ende der Diskussion auf den unglücklich gewählten Zeitpunkt des Antrags, was Sinzingers abhaltende Meinung wiederum bestärkte: "So eine Party so kurzfristig zu beantragen ist überfallartig." 

Gegen die Stimme von Sinzinger beschlossen die Mitglieder des Haupt- und Finanzauschusses die Party in der Hofstatt unter folgenden Bedingungen zu genehmigen

  • Da Open-Air-Veranstaltungen üblicherweise um 1 Uhr enden, solle sich auch diese Party an die Vorgabe halten. Bisher habe es keine vergleichbaren Veranstaltungen im Freien in der Altstadt gegeben, die über einen längeren Zeitraum hinaus genehmigt worden seien. Zur Räumung der Straße und für Aufräumarbeiten werde eine weitere Stunde genehmigt, sodass um 2 Uhr Ruhe in der Hofstatt eingekehrt sein müsse.
  • Musikdarbietungen werden bis 24 Uhr genehmigt, wobei ab 22 Uhr das Maß der Lautstärke auf ein für Anwohner erträgliches Niveau reduziert werden müsse.
  • Der Veranstalter habe darauf zu achten, dass die Gäste die ausgeschilderten Parkflächen nutzen und Straßen sowie Flucht- und Rettungswege nicht durch parkende Autos versperrt werden. 
  • Des Weiteren müsse der Veranstalter die Brandschutzbestimmungen einhalten, die besagen, dass sich maximal 199 Personen gleichzeitig im Zelt aufhalten dürften. Dies müsse beispielsweise anhand von Strichlisten überwacht werden. Das gesamte Veranstaltungsgelände dürfe nicht von mehr als 500 Personen betreten werden. Der Veranstalter müsse sich überlegen, wie er auf Gäste reagiere, wenn die Gesamtzahl überschritten werde. Der Haupt- und Finanzausschuss empfiehlt, Eintrittskarten als festgelegtes Kontingent vorab zu verkaufen
  • Die ordnungsgemäße Nutzung von Toiletten müsse gewährleistet sein.
  • Für die Einhaltung der Sicherheit auf dem Gelände müsse eine Sicherheitsfirma beauftragt werden, die während der Veranstaltungsdauer mindestens fünf Mitarbeiter einsetzt. Im Bedarfsfall müsse die Zahl der Ordner nach oben angepasst werden. 
  • Der Veranstalter müsse möglichst bald eine Ausschankerlaubnis von alkoholischen Getränken einholen. Außerdem müsse die gaststättenrechtliche Erlaubnis sowie eine Sondernutzungserlaubnis beantragt werden. Auch der Abschluss einer Veranstaltungshaftpflicht sei nachzuweisen.

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mb

Quelle: wasserburg24.de

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