Hitzige Debatte zum Schutz der Bäume im Wasserburger Stadtrat 

Neue Baumschutzverordnung - oder Rücktritt des Umweltreferenten 

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Ohne den Beschluss einer Baumschutzverordnung wolle der Umweltreferent der Stadt Lorenz Huber künftig nicht mehr seines Amtes walten. Aktionen wie die Baumfällung an der Berufsschule in Wasserburg sollen dadurch vermieden werden. 
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Wasserburg - Eine emotionale Diskussion entbrannte in der jüngsten Sitzung des Stadtrats am 29. November um den auf den ersten Blick recht unscheinbaren elften Punkt der Tagesordnung "Erlass einer Baumschutzverordnung". 

"Wenn wir diese Baumschutzverordnung in der heutigen Sitzung nicht durchkriegen, dann steht mein Posten zur Disposition." Warnende Worte sprudelten aus dem Mund von Umweltreferent Lorenz Huber (Bürgerforum) in Richtung des dritten Bürgermeisters Otto Zwiefelhofer (CSU). Der Grund: Dieser stellte sich partout gegen den Erlass einer neuen Baumschutzverordnung

In Zwiefelhofers Augen würde diese neue Verordnung mit einem "erheblichen Kontroll- und Personalaufwand" verbunden und auch "bürokratisch nicht ohne" sein. Zudem sehe er das Fällen von Bäumen auf einem Privatgrundstück als Privatangelegenheit an, man könne den Bürgern auf ihrem eigenen Grund und Boden nicht verbieten, einen Baum zu fällen, den der Eigentümer vor 50 Jahren selber gepflanzt habe.

"Ich halte diese Baumschutzverordnung für absolut überflüssig, in all den Jahren, in denen ich nun schon im Stadtrat bin, kann ich mich nicht erinnern, dass auch nur ein wirklich schützenswerter Baum ohne Genehmigung gefällt wurde. Weshalb brauchen wir dann heute so eine Verordnung? Ich kann diesem Erlass nicht zustimmen, ich bin sogar absolut dagegen." 

Umweltreferent Huber: "Baumschutz ist Denkmalschutz"

Unverständnis beim Umweltreferenten Huber: "Es geht bei der Satzung nicht darum, die Bürger zu gängeln und den Anschein zu erwecken, dass man keinen Baum mehr umschneiden darf. Aber es ist nicht tragbar, dass wir ständig vor vollendete Tatsachen gestellt werden und uns anschließend im Rat mit Tabula-Rasa-Aktionen wie an der Berufsschule oder in Attel rumärgern müssen. Sonst könnte ich mir das Amt des Umweltreferenten gleich sparen. Baumschutz ist auch Denkmalschutz und den gilt es zu erhalten." 

Die Regelung gelte außerdem nicht für "Bonsai-Bäume", sondern werde erst ab einem Meter Umfang auf einem Meter Höhe spruchreif. Zur Veranschaulichung hatte Huber eine Baumscheibe dabei, die exakt diesen den Umfang darstellte, ab wann künftig vor dem Umschneiden die Stadt Wasserburg zu informieren wäre.

Stenger: "Eine Unverschämtheit, dass das so einfach geht bei uns"

Rückendeckung bekam Huber in der Debatte von beinah allen Stadträten, besondere Unterstützung aber von SPD-Kollege Peter Stenger, der sich regelmäßig im Rat für den Erhalt von Bäumen ausspricht: "Ich bin heilfroh, dass wir eine Baumschutzverordnung bekommen sollen.

Erst am Donnerstag habe Stenger ein typisches Beispiel beobachtet, was die Problematik der unangemeldeten Baumfällaktionen wiederspiegle: An der Ecke Mozarstraße/Brunhuberstraße im Burgerfeld seien Bäume gefällt worden, drei Birken und zwei Buchen. Letztere hätten einen Umfang von 3,10 bis 4,10 Meter gehabt, das habe er nachgemessen. Im Vorfeld seien nur die Birken zur Fällung angemeldet worden, dann mussten die Buchen auch noch dran glauben. "Das ist eine Unverschämtheit, dass das so einfach geht bei uns in Wasserburg. Mit einer entsprechenden Verordnung wäre das nicht passiert oder hätte zumindest vorab genehmigt und untersucht werden müssen." 

Bis zu vier Meter Umfang hätten die gefällten Buchen im Burgerfeld gehabt. 

Stenger weiter: "Bäume beinhalten Leben, filtern frische Luft und bieten uns Lebensqualität - gerade angesichts unserer akuten und zunehmenden Verkehrsproblematik sollte uns das zu denken geben." 

Auch Christian Stadler von der Grünen Stadtratsfraktion blies ins selbe Horn und erklärte nüchtern: "Wie oft haben der Kollege Stenger oder ich nach einer erneuten spontanen Baumfällaktionen kritisiert, mit einer entsprechenden Verordnung wäre uns das nicht passiert?" 

Am Ende beschloss der Rat gegen die Stimmen von den CSU-Abgeordneten Otto Zwiefelhofer und Andras Aß eine Baumschutzverordnung für die Stadt Wasserburg zu erlassen

Kölbl dankte in diesem Zusammenhang dem Umweltreferenten Lorenz Huber und Helmut Schmid vom Bauamt. Gemeinsam haben sie die neue Satzung für die Stadt Wasserburg erarbeitet

mb

Quelle: wasserburg24.de

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