Bürgerversammlung zum Wasserburger ISEK-Konzept - Thema Verkehr 

Eine Gondel über den Inn - könnte das den Altstadtverkehr entlasten? 

Selten rollen nur einzelne Autos wie auf dem linken Bild über die Innbrücke. Möglicherweise könnte eine Gondel vom Kellerberg bis zum Gries über dem Inn Abhilfe in punkto Verkehrsbelastung in der Altstadt schaffen. 
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Selten rollen nur einzelne Autos wie auf dem linken Bild über die Innbrücke. Möglicherweise könnte eine Gondel vom Kellerberg bis zum Gries über dem Inn Abhilfe in punkto Verkehrsbelastung in der Altstadt schaffen. 

Wasserburg - Rund 47.000 Autos rollen pro Tag durch die Innstadt. Verkehrsexperte Robert Ulzhöfer ist sich sicher: "Das Verkehrsaufkommen muss reduziert werden, damit Wasserburg seine Lebensqualität behält und verbessert." 

Mahnende Worte richtete Ulzhöfer am Dienstagabend des 27. Novembers bei der Vorstellung des abschließenden ISEK-Konzepts auf der vierten Bürgerversammlung im historischen Rathaussaal an die Wasserburger. Und er hatte freilich auch einige konkrete Verbesserungsvorschläge für die von ihn in den letzten Jahren herausgearbeiteten Brennpunkte: 


  • Die Ortsumfahrung B304 könnte den Verkehr langfristig aus der Stadt und von der stark frequentierten Innbrücke weglenken - wenn sie denn auch genutzt werde. Mit entsprechenden Verkehrsregelungen oder Beschilderungen solle dem Autofahrer klar gemacht werden, wie unattraktiv die Durchfahrt durch die Altstadt sei. Zudem gehe es über die Bundesstraße schneller. 
  • Einige Engpässe gibt es bereits in der Altstadt wie an der Tränkgasse am Marienplatz oder am Kaspar-Aiblinger-Platz am Salzstadel. Laut Ulzhöfer könne es ruhig noch mehr davon geben, die den Verkehr effektiv abbremsen. Auch der Einbau sanfter Schwellen sei eine Variante, das Autofahren deutlich unangenehmer zu machen. 
Engstellen wie hier an der Tränkgasse am Marienplatz, die die Autofahrer zum abbremsen und warten zwingt, könnte es mehr geben, wenn es nach dem Planer ginge. 

  • 2.500 Altstadbewohner parken in der Stadt. Dass sich die Suche nach einem Parkplatz vor der Haustür allerdings beinahe zu einer Sisyphusarbeit entwickelt, sei ein Problem in Wasserburg. Abhilfe schaffen könnte eine Erweiterung des Parkhauses an der Überfuhrstraße oder auch die Errichtung sogenannter mechanischer Quartiersgaragen, die das unterirdische Parken unter der Straße möglich machen. Auch die Gestaltung der Parkhausgebühren könnte zu Gunsten der Altstadtbewohner ausfallen. Gleiches sollte natürlich auch für den Stadtbus gelten. 
  • Ebenfalls eine wichtige Aufgabe, bei der die Bürger gefragt sind: Das richtige Erziehen der Kinder. "Wenn jeder seine Kinder mit dem Auto vor die Schultür bringt, lernt das Kind nie die Vorzüge, die ein Schulweg zu Fuß oder mit dem Radl haben kann", ist sich Ulzhöfer sicher. Die Schulen könnten zusammen mit Schülerlotsen Aktionen wie "zu-Fuß-zur-Schule" ins Leben rufen. Die Eltern indes könnten sich mit Car-Sharing-Angeboten anfreunden oder Fahrgemeinschaften bilden.
  • Eine Idee, die dem Planer vorschwebt, sei die Errichtung einer Gondel oder Seilbahn über den Inn, der die beiden Parkmöglichkeiten am Gries und am Kellerberg verbindet. Das würde den Parksuchverkehr deutlich reduzieren. 
  • Ein weiterer Punkt, an dem nach Ansicht Ulzhöfers noch viel getan werden müsste: Der Ausbau des Radwegenetzes. Hier habe er viele unzureichende Verbindungen gefunden: Richtung Babensham müsse man teils auf der Straße radeln, in östliche Richtung nach Edling hinaus ende die Radstraße in einem unbefestigtem Feldweg, die alte Bahntrasse fehle komplett, der Weg von der Dirneckerstraße ins Wuhrbachthal sei sehr schwer zu finden und die Verbindung Bachmehring-Eiselfing allgemein schmal. Hier sieht Ulzhöfer Handlungsbedarf in der Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden. "Wenn Bürger aus den umliegenden Gemeinden, die etwa 7.000 Autofahrten in die Stadt ausmachen stattdessen mit dem Rad nach Wasserburg kämen, wäre das bereits eine Verbesserung. Was hier noch notwendig sei: Eine bessere Ausstattung von E-Bike-Ladestationen und Fahrradabstellanlagen oder diebstahlsichere Boxen wie es sie schon am Gries gebe. 
  • In dem Zusammenhang sieht der Planer auch Handlungsbedarf was Querungsstellen für Fußgänger angeht. An der Salzburger Straße sei der gesamte Bereich ab dem Theater gefährlich, hier könnte man auch für Radfahrer einseitige Radstreifenmarkierungen setzen. 
  • Ebenfalls Mängel fand Ulzhöfer im Busfahrplan: Der Bus, der am Badria ende, könne doch weiter in Richtung Eiselfing fahren, die Linie über die Salzburger Straße könnte weiter nach Penzing und Babensham fahren und in Edling ende die Linie abrupt am Bahnhof, dabei sei es doch nur noch ein Katzensprung nach Edling. 
Rund 100 Wasserburger folgten den Ausführungen der Planer bei der vierten ISEK-Bürgerversammlung im historischen Rathaussaal. 

Abschließend erklärte Ulzhöfer, dass Bus oder Bahn sowie das zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren definitiv die effektivsten Möglichkeiten sind, dem Verkehr langfristig Einhalt zu gebieten. Der ruhende Verkehr sei zwar wirksam was die Effektivität angeht, jedoch könnte sich dieser auf andere Standorte verlagern. Die Verkehrslenkung, -führung und -beruhigung in der Altstadt sowie die Ausweisung neuer Straßen hätten eher eine geringe Effektivität, was die Verbesserung der Verkehrssituation anbelange. 

Am Ende des rund halbstündigen Vortrags von Ulzhöfer wurde den rund 100 Wasserburgern - darunter auch viele Stadträte - die Möglichkeit gegeben, in kleinen Gruppen Ideen und Vorschläge direkt mit den Experten zu besprechen. Eine anschließende offene Diskussion gab es deshalb nicht. 

Auch die beiden Städteplaner Dr. Robert Leiner und Michael Leidl standen für Fragen bereit und waren für Anregungen der Bürger offen. Ein ausführlicher Bericht über das abschließende ISEK-Konzept zum Thema städtebauliche Entwicklung und strategische Projekte in Wasserburg folgt.  

mb

Quelle: wasserburg24.de

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