Wirschaftsplan 2019 fokussiert "Sorgenkind" Freizeitbad 

Warum es das Wasserburger Badria nicht aus den roten Zahlen schafft 

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Das Badria ist defizitär. 
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Wasserburg - "Das Badria ist und bleibt mit einem jährlichen Defizit von rund 1,5 Millionen Euro unsere größte Herausforderung." Die Worte aus der diesjährigen Haushaltsrede von Bürgermeister Michael Kölbl sind eindeutig. Gibt es einen Weg für das Freizeitbad, langfristig aus den roten Zahlen zu kommen? 

"Nein, das Badria wird immer defizitär bleiben", stellt Stadtwerke-Leiter Marius Regler gleich zu Beginn im Gespräch mit wasserburg24.de klar. "In ganz Deutschland finden Sie kein einziges Schwimmbad, das wirklich profitabel ist." 

Den Grund dafür sieht Regler mitunter in der Zahlungsbereitschaft der Kunden: "Um schwarze Zahlen zu schreiben, müssten wir die Preise deutlich erhöhen, aber dann bleiben im Umkehrschluss die Gäste aus."

Laut Regler müsse die Stadt Wasserburg auch die positiven Seiten sehen - das das Badria sei immerhin noch sehr gut aufgestellt. "Aktuell haben wir ein Massensterben an Bädern - vielen Kommunen fehlen schlicht die Gelder zur Finanzierung. Er sieht zwei essentielle Punkte, die für die Massenschließungen in Deutschland ausschlaggebend seien: 

  1. Ein Schwimmbad stelle ein immenses Defizit darf. Viele Bäder wurden in den 70er-Jahren gebaut und es bedarf inzwischen einer Sanierung, um die Bäder zu erhalten - was wiederum eine finanzielle Herausforderung für die Kommunen darstelle.
  2. Auch der Fachkräftemangel habe die Bäder erreicht. Qualifizierte Mitarbeiter, die Hintergrundwissen zur Technik des Bads besitzen, seien inzwischen Mangelware. 
Stadtwerke-Leiter Marius Regler. 


Schwimmbäder seien allgemein laut Regler ein "Geschäftsmodell, das sich wirtschaftlich auf Dauer nicht darstellen lässt" - deshalb gebe es auch keine privaten Schwimmbadbetreiber - "es ist nicht rentabel". 

Freizeitbäder werden von den Kommunen getragen, die Entscheidungshoheit aber habe der Staat, der der Meinung sei, man brauche die Bäder für das Wohl der Gesellschaft und für Schwimmunterricht. Denn viele Kinder könnten heutzutage gar nicht mehr oder nur unsicher schwimmen. 

Badria soll weiter Bestand haben 

Am über 40 Jahre alten Badria wollen Stadt und auch Regler weiter festhalten. Eine Schließung soll es auf keinen Fall geben. "Das Badria steht in Summe gut da und es macht auch Sinn, eines der Wahrzeichen von Wasserburg zu erhalten", lautet Reglers Fazit. Er wolle das Badria so optimal wie möglich fahren - attraktiv für die Gäste aber mit so wenig Verlust wie möglich

"Dennoch stehen uns weitere Investitionen ins Haus, eine große Baustelle wird noch das sanierungsbedürftige Freibecken, der 'Badriasee' mit all seinen Wehwechen", betont Regler. 

Etwa 80 Prozent der jährlichen 230.000 Gäste kommen aus dem Umland und das soll auch so bleiben. "Das Badria konkurriert natürlich mit heimischen Seen und Gewässern in der Region - gerade im Sommer fehlen Gäste. Doch der Zulauf stimmt uns zuversichtlich, auch angesichts der Schülerzahlen, die das Becken regelmäßig für Schulunterricht belegen - das Freizeitbad in Wasserburg muss bleiben", betont Regler. Gerade die frisch sanierte Sauna habe sich zu einem Besuchermagnet entwickelt: 2019 rechnen die Stadtwerke mit 42.000 Saunagästen.

Ein Punkt, der bei Regler aktuell ganz oben auf der Agenda seht: Die Gastronomie, für die aktuell noch ein Pächter gesucht wird. "Wir sind dran", lautet Reglers knappe Antwort dazu. 

Der "Badriasee" kommt um eine Generalsanierung nicht drumrum. 

Zahlen und Fakten aus dem Wirtschaftsplan 2019: 

Beschönigung sinnlos: Das Badria treibt die Stadtwerke als Betreiber des Bads tief in die roten Zahlen und belastet die sonst recht gefüllte Haushaltskasse der Stadt. Schon im vergangenen Jahr gestaltete sich der Wirtschaftsplan alles andere als rosig. Auch unsere Leser bemängelten bereits, dass das Badria einen "70er-Jahre-Charm" besitze - die Kritik jedoch konnte der Stadtwerke-Leiter zu einem großen Teil zurückweisen

Die Finanzen aber bleiben weiter in einem kritischen Bereich: "Wir haben ein ernsthaftes Problem mit der Liquidität", erklärte Regler im Rahmen der Vorstellung des Wirtschaftsplans den Stadträten. 2019 wird für das Frei- und Hallenbad mit Saunalandschaft ein Verlust in Höhe von 1,5 Millionen Euro erwartet. Nach vielen Jahren mit Defiziten erhöht sich der Schuldenstand der Stadtwerke auf sechs Millionen Euro

Seit 2002 haben die Stadtwerke nach Angaben von Regler 17,5 Millionen Euro für Sanierungsmaßnahmen ausgegeben. Der städtische Zuschuss lag bei knapp unter sechs Millionen. Zur weiteren Finanzierung nahmen die Stadtwerke Darlehen auf und gingen an ihre Rücklagen. Auch 2019 stehen wieder kleinere aber notwendige Maßnahmen an: 40 an der Zahl. Rund 860.000 Euro müssen in Brandschutz, den Umbau der Gastronomie mit Küche sowie in die Sanierung von Eingangshalle und Lichtkuppel gesteckt werden. 

In den übrigen Geschäftsbereichen wie Stromerzeugung und Wasserversorgung sowie Nebengeschäften stehen die Stadtwerke mit einem Plus oder schwarzen Zahlen gut da. "Doch das Badria ist für das kleine Wasserburg zu groß, um es über Erlöse aus dem Wasser- und Stromgeschäft zu finanzieren", untermalt Regler. 

Was bringt die Zukunft? 

Regler versuche, den Stadtrat zu sensibilisieren wie man mit dem vorhandenen Defizit langfristig planen könne. Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus Stadtverwaltung und Stadtwerken wird Konzepte entwickeln zur Frage, wie dauerhaft mit dem Verlust des Badrias umgegangen werden soll. 

Durch gezieltes Marketing und neue Eintrittsangebote möchten die Stadtwerke die Besucherzahlen erhöhen. Verlängerte Betriebszeiten bedeuten aber auch mehr Personal- und Energiekosten - ein Teufelskreis, aus dem man laut Regler einen langfristigen Ausweg finden müsse. 

mb

Quelle: wasserburg24.de

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