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Brigitte Buckl spricht über die Nachwehen von Corona und einen Neustart

Warum Blasmusik kein Blech ist und Musik gut für die Schule - Priens Musikschul-Leiterin im Interview

Ein Bild aus Zeiten vor Corona: Brigitte Buckl (links) dirigiert eine Bläsergruppe. Jetzt will sie Jugendliche mit einem Bläser-Workshop wieder für die Jugendkapelle begeistern.
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Ein Bild aus Zeiten vor Corona: Brigitte Buckl (links) dirigiert eine Bläsergruppe. Jetzt will sie Jugendliche mit einem Bläser-Workshop wieder für die Jugendkapelle begeistern.

Die Priener Jugendmusikkapelle ist infolge der Corona-Pandemie von 22 auf acht Mitglieder geschrumpft. Jugendliche sind schwerer zu motivieren. Wie und warum die Musikschule dagegen steuert, das erzählt Leiterin Brigitte Buckl.

Prien – Dumpfe und helle Töne wirbeln am Samstag (21. Mai 2022) durch den König-Ludwig-Saal. Rund 70 Musikschüler haben sich zum Blasmusik-Workshop der Priener Musikschule angemeldet. Lothar Beyschlag, Musikschullehrer und Leiter der Jugendblaskapelle Prien, wird das quirlige Durcheinander zusammenfügen und mit den Kindern das gemeinsame Spiel proben. Ein Abschlusskonzert gibt es am Freitag, 15. Juli, im kleinen Kurpark. Musikschul-Leiterin Brigitte Buckl spricht im Interview über den Neustart der Blasmusik nach der Corona-Delle.

Wie geht es der Musikschule Prien nach zwei Jahren Corona-Achterbahn?

Brigitte Buckl: Eigentlich sehr gut. Die Schülerzahlen beim Instrumentalunterricht haben sich nicht gravierend verändert. Wir sind aktuell bei rund 560 Schülern, vor Corona waren es rund 600. Ich hatte Schlimmeres befürchtet. Komplett eingebrochen sind allerdings die Bläserklassen an den Grundschulen Prien und Wildenwart.

Woran liegt das?

Buckl: Während der Corona-Beschränkungen durften wir keinen Gruppenunterricht geben und wir durften nicht mehr in die Schulen. Als wir im September wieder starten wollten, hatten wir wenig Anmeldungen. Das hatte mehrere Gründe. Ich denke einer war, dass die Leute vorsichtig waren wegen der Ansteckungsgefahr. Es hieß ja lange Zeit, wegen der Aerosole sei es gefährlich, Blasinstrumente zu spielen. Nach eineinhalb Jahren Pause war das dann einfach ein wenig eingeschlafen. Es ist schwer geworden, die Jugendlichen wieder zu motivieren. Unsere Jugendblaskapelle ist von 22 Mitglieder vor Corona auf jetzt acht geschrumpft.

Mit dem Blasorchester-Workshop und rund 70 Teilnehmern im König-Ludwig-Saal am Samstag meldet sich die Blasmusik quasi wieder zurück?

Buckl: Einige Blasinstrumentenschüler haben wegen Corona noch nie gemeinsam mit anderen gespielt, immer nur einzeln für sich. Beim Workshop wollen wir ihnen zeigen, wie schön gemeinsames Musizieren ist. Ich bin begeistert von der Resonanz und dass so viele beim Probenworkshop dabei sind. Auch ein paar erwachsene Schüler haben sich erfreulicherweise angemeldet.

Was ist das Gute daran, wenn Kinder ein Instrument erlernen?

Buckl: Ich finde, dass dies ein wahnsinnig guter Ausgleich zur Schule ist. Muss man für die Schule viel lernen, wird das Gehirn wieder aufnahmefähiger, wenn man zwischen den schulischen Lernphasen das Instrument in die Hand nimmt und musiziert, quasi das Hirn durchlüftet. Wenn die Kinder regelmäßig üben, haben sie natürlich auch Erfolgserlebnisse. Mit Musik kann man anderen Menschen große Freude bereiten, diese Freude kommt zu einem selbst zurück. Außerdem ist es wissenschaftlich erwiesen, dass beide Gehirnhälften nirgends so gut miteinander verknüpft werden wie beim Spielen eines Instruments. Dies ist sehr komplex, da beide Hände – beim Schlagzeuger sogar auch noch die Beine – meist ganz unterschiedliche Bewegungsabläufe zu bewältigen haben. Es ist oft so, dass Schüler, die ein Instrument lernen, auch in der Schule besser werden. Umgekehrt fällt es guten Schülern ganz oft leicht, ein Instrument zu spielen. Regelmäßiges und konzentriertes Üben sind wichtige Voraussetzungen für ein Erfolgserlebnis am Instrument.

Tun sich Erwachsene schwerer als Kinder?

Buckl: Gegebenenfalls fällt es Erwachsenen schwerer, die gleiche Fingerfertigkeit wie ein Kind zu erreichen. Dies gleicht er aber meist mit großem Überfleiß und Eifer aus.

Wie hoch ist der Anteil Erwachsener bei der Musikschule?

Buckl: Rund zwölf Prozent. Meine älteste Schülerin ist 82 Jahre alt. Zur Zeit haben wir sehr viele Anfragen von 30- bis 40-Jährigen. Es macht auf jeden Fall großen Sinn, auch in diesem Alter noch ein Instrument zu lernen. Man kann noch ein sehr gutes Niveau erreichen.

Immer wieder bereuen Erwachsene, dass sie als Kind nicht ein Instrument erlernt haben. Wie viel Druck von Seiten der Eltern macht Sinn?

Buckl: Musikalische Früherziehung oder Musikzwergerl als Ersterfahrung sind äußerst empfehlenswert. Hier wird einfach ein musikalischer Grundstein für das Kind gelegt. Anschließend sollte ein Kind aber von sich den Wunsch äußern, ein Instrument lernen zu wollen. Wenn ein Kind zum Beispiel lieber Fußball spielen oder reiten gehen möchte, sollte man es auch lassen. Es muss nicht jedes Kind ein Instrument spielen, sondern auf seine Vorlieben geachtet werden. Wenn Kinder immer unwillig zum Musikschulunterricht kommen, macht das keinen Sinn. Gott sei Dank kommt dies aber eher selten vor. Etwas anderes ist es, einen Durchhänger abzufangen. Meist ist dieser, dadurch gut zu überbrücken, dass die Eltern etwas auf das regelmäßige Üben achten und sich dadurch wieder Erfolgserlebnisse einstellen. Ferner versuchen natürlich auch die Lehrkräfte in solchen Phasen, besonders die speziellen Musikwünsche der Kinder und Jugendlichen zu erfüllen, um sie wieder mehr für das Instrument motivieren zu können.

Zurück zum Blasmusik-Workshop: Ziel ist vermutlich, wieder mehr Kinder und Jugendliche für die Jugendblaskapelle zu begeistern.

Buckl: Ja genau. Und daraus soll letztlich auch wieder Nachwuchs für die Blaskapelle Prien generiert werden, mit der wir eine Kooperation haben. Das im Vordergrund stehende Ziel ist aber zuerst einmal, den Schülern das unglaublich motivierende und erfüllende Erlebnis des gemeinsamen Musizierens in einem Orchester schenken zu können. Alles andere ergibt sich dann von selbst.

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