Gurtspuren überführten

Rosenheim/Irschenberg - Ohne gültigen Führerschein, aber dafür mit fast zwei Promille hatte ein 27-jähriger Rosenheimer im Januar 2009 auf der A8 einen Unfall verursacht. Nun folgte der Prozess.

Er flüchtete und beschuldigte einen Bekannten, gefahren zu sein. Diese Geschichte hatte für ihn jetzt ein Nachspiel vor dem Miesbacher Amtsgericht.


Der betrunkene Rosenheimer verlor an jenem Januarmorgen kurz vor dem Irschenberg die Kontrolle über den BMW, den er sich vom Vater seiner damaligen Freundin gegen dessen Willen ausgeliehen hatte. Zuerst frontal, dann mit der Breitseite des Wagens krachte der junge Mann in die Mittelleitplanke an der Autobahn. Doch damit nicht genug: Er entfernte sich vom Unfallort, noch bevor die Polizei überhaupt da war, kam aber später zurück und beschuldigte einen Bekannten, gefahren zu sein. Er selbst sei nur Beifahrer gewesen. Diese Lüge flog bald auf - sein Bekannter war in Österreich und wusste von nichts.

Vor dem Amtsgericht in Miesbach musste sich der Angeklagte jetzt wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Trunkenheit im Verkehr, falscher Beschuldigung und unerlaubtem Entfernen vom Unfallort verantworten. Dazu kam außerdem noch Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Die Polizisten hatten den jungen Mann damals auf der Wache sogar dazu zwingen müssen, eine eben angezündete Zigarette auszumachen.


Da der Beschuldigte zum Unfallhergang keine Angaben machen wollte und alle Zeugen aus den verschiedensten Gründen nicht zur Verhandlung erschienen waren, stützte sich alles auf den Sachverständigen Markus Hübner vom bayerischen Landeskriminalamt. Dieser erklärte, dass nur der Fahrergurt Spuren einer erheblichen Belastung aufgewiesen habe. Außerdem waren beim Angeklagten kurz nach dem Unfall deutlich sichtbare Gurtspuren am Körper nachgewiesen worden: sie führten von links oben nach rechts unten. Damit war klar, dass der 27-Jährige am Steuer gesessen hatte.

Angesichts dieser Beweislast legte Richter Walter Leitner dem Angeklagten ein Geständnis nahe. Schließlich gab der Rosenheimer zu, an besagtem Unfall schuld gewesen zu sein. Die Staatsanwaltschaft forderte acht Monate Haft auf Bewährung, eine Führerscheinsperre für sechs Monate sowie 3000 Euro Geldstrafe.

Da der Rosenheimer bereits neun Voreintragungen im Flensburger Bundeszentralregister hatte, folgte der Richter diesem Antrag in fast allen Punkten, nur die Geldstrafe milderte Leitner auf insgesamt 1000 Euro ab. Er begründete sein Urteil damit, dass der Unfall schon fast zwei Jahre zurückliegt und der Rosenheimer seitdem nicht mehr auffällig geworden sei. "Ich denke, Sie sind auf einem guten Weg", so der Richter abschließend.

tk/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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