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Was brachte Distanzunterricht? - Vergleich zu „normalem“ Schuljahr

So viel Unterrichtsausfall gab es 2020/21 an Realschulen und Gymnasien


Ein leeres Klassenzimmer einer Schule (Symbol)
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Ein leeres Klassenzimmer einer Schule. (Symbolbild)

Der Distanzunterricht wurde in den letzten beiden Jahren als Lösung zur Vermeidung des Stundenausfalls teils sehr kritisch diskutiert. Was aber hat er tatsächlich dafür geleistet? Nun liegen Zahlen für die Gymnasien und Realschulen in der Region vor, der Vergleich zu einem normalen Schuljahr ist dabei interessant.

Landkreise - „Es ist weiterhin das oberste Ziel, den Präsenzunterricht in vollem Umfang nach Stundentafel erteilen zu können. Daher sollen grundsätzlich alle Lehrkräfte wieder im Präsenzunterricht tätig sein, wobei Risikogruppen auch weiterhin auf der Basis des dann gültigen Hygieneplans im Schulbetrieb durch organisatorische Maßnahmen geschützt werden sollen“, schreibt das Bayerische Kultusministerium in seiner Stellungnahme auf eine Kleine Anfrage der Abgeordneten Anna Schwamberger (Grüne), die für den Wahlkreis Oberpfalz im Landtag sitzt. „Zur Sicherstellung des Unterrichtsbetriebs wurde beispielsweise die Mobile Reserve für Grund- und Mittelschulen umfassend aufgestellt, indem die 2500 bisher eingesetzten Vollzeitkapazitäten um 50 weitere Vollzeitkapazitäten erhöht wurden. Außerdem kommen auch im Schuljahr 2021/2022 Teamlehrkräfte zum Einsatz. Hierfür wurden den Regierungen bereits insgesamt 370 Vollzeitkapazitäten für diese beiden Schularten zur Verfügung gestellt.“

Bei der „Mobilen Reserve“ handelt es sich um Lehrkräfte, die zur Vertretung erkrankter oder nicht einsatzfähiger Kollegen eingesetzt werden. Der Einsatz als „mobile Reserve“ kann für Lehrkräfte Teil des Stellenangebots beziehungsweise Arbeitsvertrags sein. Eine mobile Reserve wird einer Stammschule zugeteilt, von der aus sie in der Regel wechselnde Aushilfseinsätze wahrnimmt. Der Einsatz in der mobilen Aushilfsreserve ist unabhängig vom Beschäftigungsverhältnis und dauert in der Regel ein Schuljahr. 

Distanzunterricht vielfach kritisch gesehen - Was wurde insgesamt beim Vermeiden von Unterrichtsausfall erreicht?

Die vielfältigen Lösungen zur Fortführung des Unterrichts, ob als Distanzunterricht oder Vertretungen sind massiv umstritten. Sowohl Eltern- als auch Lehrerverbände beziehungsweise Vertreter fanden und finden teils drastische Worte. Bei letzteren herrschte zum Beginn des aktuellen Schuljahres Erleichterung, überwiegend zum Präsenzunterricht zurückkehren zu können. „Gerade in der Grundschule ist ja der direkte Kontakt wichtig für den Lernerfolg“, betonte Bernd Rüger, Vorsitzender der Bezirksgruppe Berchtesgadener Land des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands. „Sehr vorteilhaft ist, dass wir nun wieder unsere Räumlichkeiten voll nutzen können“, so Heiko Schachtschabel, Rektor der Max-Fellermeier-Grund- und Mittelschule in Neuötting. Auf den Distanzunterricht blickten beide sehr kritisch zurück. „Da hat sich einfach gezeigt, wie weit manche Gegenden noch beim schnellen Internet hinterher sind“, so Schachtschabel. „Wir haben einige Kinder, da konnten wir alles versuchen, inklusive dem Ausleihen von guten Laptops zum Arbeiten daheim. Die Internetverbindung hat einfach nicht mitgespielt.“

Was aber haben die Maßnahmen dazu beigetragen, dass Unterrichtsausfälle vermieden werden konnten? Das Bayerische Kultusministerium erfasst seit dem Schuljahr 2005/2006 wegen der damaligen Diskussion in Öffentlichkeit und Medien über Unterrichtsausfall zentral dessen Häufigkeit. Verwertbare Daten liegen allerdings, nach Auskunft des Ministeriums, auf Landkreisebene nur für Realschulen und Gymnasien vor. Aktuell sind, aus organisatorischen Gründen, nur die Daten für das Schuljahr 2020/2021 vorliegend. Interessant dabei ist allerdings der Vergleich zum letzten Mal, als wir hier das Ergebnis einer parlamentarischen Abfrage, damals zum „normalen“ Schuljahr 2016/2017 durch den SPD-Abgeordneten Martin Güll aus Dachau behandelt haben.

Kaum Unterschiede beim Unterrichtsausfall an Realschulen

Kommen wir zunächst zu den Realschulen der Region. Hier lagen dem Ministerium nur Daten aus dem Landkreis Rosenheim ohne die Kreisfreie Stadt sowie dem Landkreis Traunstein vor, wie dies auch schon für die Schuljahr 2016/2017 der Fall war. Beide erfassten Landkreise liegen dabei insgesamt recht nahe an den Durchschnittswerten für Oberbayern und Bayern. Der Kreis Traunstein verzeichnet mit 45,3 Prozent einen leichten Ausreißer nach oben beim Anteil des Unterrichts an Realschulen, der komplett in Distanz stattfand. In Oberbayern liegt dieser bei 35,9 beziehungsweise in Gesamtbayern bei 38,0 Prozent.

Hinweis: Aus Platzgründen in der Tabelle gekürzt, wird unterschieden nach „planmäßiger Präsenzunterricht ohne Mindestabstand“; „Organisation in Distanzform“ jeweils für einen Teil oder die gesamte Klasse.; Präsenzunterricht durch Vertretung oder Zusammenlegung von Klassen; sowie Komplettausfall.

Kreis/Art LösungNormal PräsenzTeil-DistanzGanz-DistanzVertretung-PräsenzZusammenlegung Präsenz-PräsenzKomplettausfall
Rosenheim Land48,8 Prozent7,1 Prozent36,2 Prozent5,0 Prozent1,2 Prozent2,1 Prozent
Traunstein43,4 Prozent5,6 Prozent45,3 Prozent4,0 Prozent0,8 Prozent0,9 Prozent
Oberbayern 48,5 Prozent9,2 Prozent35,9 Prozent4,3 Prozent0,8 Prozent1,3 Prozent
Bayern48,3 Prozent7,6 Prozent38,0 Prozent3,9 Prozent1,0 Prozent1,3 Prozent

Nun der Vergleich zum Schuljahr 2016/2017. Zwar wurde hier angesichts der Lage vor der Pandemie anders erfasst, es bleibt aber die Zahl der komplett ausgefallenen Schulstunden im Vergleich. Der Landkreis Rosenheim verzeichnet hier einen Anstieg um immerhin 0,6 Prozent von 1,5 auf 2,1 Prozent. Im Landkreis Traunstein fiel er dagegen von 1,7 auf 0,9 um 0,8 Prozent.

KreisAnteil der nicht planmäßigen LehrstundenUnterrichtsausfall abgewendet durch OrganisatorischesUnterrichtsausfall abgewendet durch VertretungenKomplettausfall
Rosenheim/Land11,6 Prozent1,7 Prozent8,5 Prozent1,5 Prozent
Traunstein11,7 Prozent1,4 Prozent8,7 Prozent1,7 Prozent

Unterrichtsausfall an Gymnasien sogar rückläufig

Wie schaut es wiederum bei den Gymnasien aus? Auch hier ist keiner der Landkreise der Region ein bemerkenswerter Ausreißer nach oben im Vergleich zum ober- beziehungsweise gesamtbayerischen Durchschnitt. Der Landkreis Altötting liegt sogar durchgehend unter dem Durchschnitt und hat mit nur einem Prozent ausgefallener Unterrichtsstunden insgesamt auch in der Region die Nase vorn.

Hinweis: Aus Platzgründen in der Tabelle gekürzt, wird unterschieden nach „planmäßiger Präsenzunterricht ohne Mindestabstand“; „Organisation in Distanzform“ jeweils für einen Teil oder die gesamte Klasse.; Präsenzunterricht durch Vertretung oder Zusammenlegung von Klassen; sowie Komplettausfall.

Kreis/Art LösungNormal PräsenzTeil-DistanzGanz-DistanzVertretung-PräsenzZusammenlegung Präsenz-PräsenzKomplettausfall
Altötting46,7 Prozent4 Prozent45,4 Prozent2,4 Prozent0,6 Prozent1,0 Prozent
BGL41,1 Prozent8,4 Prozent45,3 Prozent3,2 Prozent0,1 Prozent1,8 Prozent
Mühldorf46,1 Prozent3,7 Prozent44,9 Prozent3,1 Prozent0,1 Prozent2,1 Prozent
Rosenheim Stadt44,5 Prozent2,3 Prozent48,0 Prozent3,3 Prozent 0,4 Prozent1,6 Prozent
Rosenheim Land47,2 Prozent7,4 Prozent40,4 Prozent2,2 Prozent0,8 Prozent2,0 Prozent
Traunstein43,0 Prozent3,7 Prozent49,1 Prozent2,1 Prozent0,3 Prozent1,7 Prozent
Oberbayern47,1 Prozent8,9 Prozent38,9 Prozent2,6 Prozent0,7 Prozent1,7 Prozent
Bayern46,1 Prozent7,9 Prozent41,0 Prozent2,8 Prozent0,5 Prozent1,7 Prozent

Nun wieder der Vergleich zum Schuljahr 2016/2017. Auch in diesem Fall wurde natürlich anders erfasst, als gleicher Datenpunkt bleibt aber der Prozentanteil der komplett ausgefallenen Unterrichtsstunden. Wie auch im Fall der Realschulen ist hier jedoch kein Anstieg zu verzeichnen. Stattdessen können sämtliche Landkreise sogar durchgehend niedrigere Anteile des komplett ausgefallenen Unterrichts nachweisen. Im Fall des Berchtesgadener Lands nur um minimale 0,1 Prozent, Altötting kommt immerhin auf 0,8 Prozent und die Stadt Rosenheim sogar 1,1 Prozent weniger.

KreisAnteil der nicht planmäßigen LehrstundenUnterrichtsausfall abgewendet durch OrganisatorischesUnterrichtsausfall abgewendet durch VertretungenKomplettausfall
Altötting8,6 Prozent2,8 Prozent4,0 Prozent1,8 Prozent
BGL10,1 Prozent1,5 Prozent6,7 Prozent1,9 Prozent
Mühldorf8,5 Prozent0,5 Prozent5,3 Prozent2,8 Prozent
Rosenheim Stadt8,0 Prozent0,4 Prozent4,9 Prozent2,7 Prozent
Rosenheim Land9,2 Prozent1,3 Prozent5,3 Prozent2,6 Prozent
Traunstein8,4 Prozent1,7 Prozent4,5 Prozent2,2 Prozent

Als Fazit bleibt also: Auf dem Papier konnten Unterrichtsausfälle vermieden und teilweise sogar im Vergleich zu sonst reduziert werden. Diese Zahlen erfassen aber natürlich nur, wie viel davon angeboten wurde. Auf einem anderen Blatt steht selbstverständlich, wie gut das Angebot den Schülerinnen und Schülern wirklich genützt hat. Dies sowohl hinsichtlich der genannten Probleme mit Internetzugängen und dessen Leistungsfähigkeit, aber auch, wie gut Lehrkräfte auf die ungewohnte Art über das Netz statt im Klassenraum die Lehrinhalte vermitteln konnten.

hs

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