Reit im Winkl

Skilift am Hausberg steht vor dem Aus

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Zukunft ungewiss: Vor dem Aus steht der Betrieb des Dorflifts Reit im Winkl.

Vor dem Aus steht offenbar der Skiliftbetrieb auf dem Hausberg in Reit im Winkl. Wie jetzt von Seiten der "Hausberglift-Betreibergesellschaft" und der Gemeinde bekannt wurde, ist die Weiterführung des traditionsreichen und zentrumsnahen Dorflifts im kommenden Winter mehr als fraglich.

"Der Schlepplift wird von zu vielen einheimischen Übernachtungsbetrieben, von den beiden Skischulen, aber auch von der Bevölkerung zu wenig angenommen", erklärt Bürgermeister Josef Heigenhauser. Nachdem die Akzeptanz der Anlage durch die Bürger und Gäste in den vergangenen Jahren immer mehr schwindet, steigt im Gegenzug die finanzielle Belastung für die Gesellschafter.


Bürgermeister Heigenhauser lehnte ein höheres finanzielles Engagement der Gemeinde strikt ab. So mussten die Betreiber heuer bereits Mitte März via Internet trotz bester Schneeverhältnisse bekannt geben: "Aufgrund der geringen Nachfrage sehen wir uns leider gezwungen, den Skibetrieb einzustellen" - Das Aus für den Dorflift also? Eine ganze Fülle kleinerer und kleinster Liftanlagen hat es früher in und um Reit im Winkl gegeben, besonders in den 50er- und 60er-Jahren.

In diesen Zeiten hatte man feststellen können, dass sich der Wintersport als touristische Attraktion lohnt und dieses Wissen hatte man auch dem Erfolg des Hausberglifts zu verdanken. Bereits im Winter 1948/1949 war diese Anlage eröffnet worden. Erst Mitte der 80er-Jahre musste der Betrieb für ein Jahrzehnt eingestellt werden, zu geringe Schneemengen hatten das Skifahren an dem etwa 500 Meter langen, teils recht steilen Südhang unmöglich gemacht.


Zu wenig Übernachtungsbetriebe

1996 schließlich wurde eine neue Unterstützergemeinschaft, vorrangig bestehend aus Hoteliers und -größeren Unternehmern am Ort, gefunden. Der Lift wurde einer gründlichen Revision unterzogen, zudem sollte die erste Beschneiungsanlage am Ort einigermaßen für Schneesicherheit sorgen. Schließlich wurde das "Partnermodell: Freie Fahrt am Dorflift" gegründet mit dem Ziel, möglichst viele Vermieter vertraglich an das Wintersportangebot zu binden.

Mit einem je nach Hausgröße gestaffelten Betrag konnte jeder Vermieter für seine Gäste den gesamten Winter kostenloses Skifahren am Hausberg anbieten. 76 Vermieter beteiligten sich zuletzt an diesem Angebot, 17.000 Euro erbrachte dies in Summe. "Das sind von den insgesamt rund 450 Übernachtungsbetrieben viel zu wenige", wie der Geschäftsführer der Betreibergesellschaft, Hans Wolfenstetter klagt. So habe sich in den letzten Jahren nach der Bilanzierung des abgelaufenen Winters jeweils ein Defizit von 15.000 bis 20.000 Euro ergeben, was von den Unternehmern in Reihen der Gesellschafter aufgefangen werden musste.

Nach diesem Winter ist das Minus allerdings noch größer, was die Finanziers offenbar zunehmend beunruhigt. Da der Dorflift gerade mit dem Nachtskilauf und rund 20 Wintersportveranstaltungen je Saison ein attraktives Angebot für das gesamte Reit im Winkl darstellt, kam man auf die Idee, die Gemeinde um mehr Engagement zu bitten. Die Kommune unterstützt den Lift bislang indirekt: So werden die Kosten für das Wasser und die Hälfte der Stromkosten zum Betrieb der Beschneiungsanlage übernommen.

Schmerzgrenze der Gemeinde erreicht

Um den Lift für die Gäste ins rechte Licht zu rücken, wurde von der Gemeinde die Beleuchtungsanlage gekauft, deren Betrieb sie bis zuletzt finanzierte. In einer Zahl bedeutet diese gemeindliche Unterstützung je Winter 25.000 Euro. "Damit ist die Schmerzgrenze erreicht", so der Bürgermeister. Jetzt sollen nochmals alle Vermieter angeschrieben werden, mit der Hoffnung auf deutlich mehr Beteiligung am Dorflift.

"Wir brauchen in etwa noch mal so viele, um über die Runden zu kommen", so der Geschäftsführer. Sollte die Beteiligung aber nicht zustande kommen und auch die Skischulen nicht stärker eingebunden werden können, dann droht dem Dorflift das gleiche Schicksal wie so vieler kleiner Skilifte in und um Reit im Winkl: das endgültige Aus.

Quelle: rosenheim24.de

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