Zur Selbstjustiz gegriffen

Rosenheim/Landkreis - Auf einer Höhe zwischen Inntal und Chiemseebecken stehen zwei Häuser. Ein perfekter Altersruhesitz für zwei Herren in den Siebzigern sollte man meinen.  Wer aber denkt, dass die zwei Ruheständler gemütlich am Gartenzaun ein Glas Rotwein miteinander trinken, täuscht sich schwer.

Dem Agrarwissenschaftler wurde genau vor sein Domizil ein Neubau gesetzt, der ihm den weiten Blick in den Chiemgau jetzt versperrt. Seither ist er schwer verärgert. So beschloss er für seinen Garten: Wildwuchs! Damit hatte der Professor im Nachbargartenkeine Freude mehr. Sein Gemüsegarten bekam erst ab Nachmittag die nötigen Sonnenstrahlen. Weil die trennende Hecke auf des Agrariers Garten inzwischen die Höhe von drei Metern überschritt, bat er den Nachbarn schriftlich, die grüne Trennwand zurück zu stutzen. Als dieser nicht reagierte, montierte er eine Hinweistafel, die über die Wucherhecke ragte mit der Aufforderung, die zulässige Heckenhöhe ein zu halten. Der wiederum entfernte die Tafel samt 3,5 Meter langer Stange und warf sie auf des Nachbars Grund zurück.


Die Auseinandersetzung gipfelte schließlich in Selbstjustiz: Der Professor schnitt des Doktors Hecke zurück und weil er schon einmal dabei war, kappte er auch gleich die Kronen zweier Bäume, von denen er befürchtete, sie würden in Zukunft noch mehr Schatten auf sein Grundstück werfen.

Damit war dann das Maß voll: Er erhielt eine Anzeige wegen Sachbeschädigung.


Der Sachverhalt wurde fotografiert, beschrieben und dokumentiert, der Staatsanwalt bejahte ein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung und so nahmen die Dinge ihren Lauf.

Doch der Anwalt des Professors, Rechtsanwalt Rainer Würz, machte diesem klar, dass er weder sein Haus unter den Arm nehmen und gehen könnte, noch er die Möglichkeit hätte, den unliebsamen Doktor los zu werden, der ihn gar noch vor den Richter gezwungen hatte. Er empfahl ihm die Rosenheimer Schlichtungsstelle anzurufen. Der Rechtsanwalt des Doktors, Rechtsanwalt Christian Wachter, mochte sich dem Vorschlag nicht verschließen und legte seinem Mandanten ein Schlichtungsgespräch nahe.

So traf man sich kurz vor dem Gerichtstermin bei Rechtsanwalt Dr. Werner Schropp, dem amtlich bestellten Schlichter. Ihm gelang es, die Fronten aufzuweichen: Der eine wird seine Hecke stutzen und die Strafanzeige zurück nehmen, der andere wird den von ihm angerichteten Schaden vergüten. So blieb Richter Axel Jacobi die Beweisaufnahme erspart und mit Zustimmung des Staatsanwaltes konnte er das Verfahren kurzerhand einstellen.

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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