Hofladen in Zillham bei Schonstett in Planung 

Vom Getreidekorn zum Brot: Simon Fink setzt auf Regionalität

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Hier soll das "Finkennest" enstehen. Simon Fink plant die Eröffnung für 2019.  
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Schonstett - Simon Fink aus Zillham bei Schonstett stellt sich mit einem besonderen Bauprojekt die Weichen für seine Zukunft: Das "Finkennest" soll Familie, Bio und Regionalität vereinen.

"Es wird ein Hofladen, kein Allrounder-Versorgerladen", stellt Simon Fink gleich zu Beginn klar. "Unsere Hauptkernprodukte werden Getreide und Mehl von unserem Hof sein - alles was wir selbst erzeugen." 

Auch wenn der kleinen Gemeinde Schonstett ein Dorfladen fehlt, der die Nah-Versorgungsprobleme lösen soll so baut der künftige Laden von Simon Fink auf einer Bio-Schiene auf, die rein die hofeigenen Produkte vermarkten soll. Hofladen, Bäckerei und Cafè, Brotbackkurse und Veranstaltungen - das alles soll das "Finkennest" bald vereinen.   

Aktuelle Betriebssituation in Zillham: 

Regionalität vor Globalität - das ist Simon Fink wichtig. 

Simon Fink erklärt: "Wir sind ein kleiner ökologisch bewirtschafteter landwirtschaftlicher Betrieb in Zillham, der auf zwölf Hektar Ackerfläche einen jährlichen Ernteertrag von circa 35 bis 40 Tonnen Getreide erwirtschaftet. Bisweilen beschränkt sich unsere landwirtschaftliche Tätigkeit auf den Anbau und Ernten von Getreidesorten wie Dinkel und Hafer. Wir liefern unser Getreide bis dato an eine Mühle, die das Getreide weiterverarbeitet und weiterkauft. 

Seit nunmehr 25 Jahren führt der Familienbetrieb, der im Übrigen auch Mitglied im biologischen Anbauverband "Biokreis e.V." ist, diese Konzept auf biologischem Weg

Besondere Aufmerksamkeit für Urgetreidesorten 

Als zukünftiger Hofnachfolger hat Simon Fink den Anbau nun auf mehrere Sorten erweitert - und legt dabei einen ganz speziellen Augenmerk auf alte vergessene Urgetreidesorten: "So wachsen dieses Jahr auf unseren Feldern neben Brotweizen, Dinkel und Hafer auch die ersten Versuche von Emmer und Einkorn. Zu meiner persönlichen Vorstellung von biologischer ökologischer Betriebsführung und -erzeugung passte es meiner Ansicht nach nicht, unser Getreide über 200 Kilometer weit zu unserer Verbandsmühle zu liefern. Bei stets zunehmender CO2-Belastung und immer höherem Verkehrsaufkommen ist ein so weiter Transport und eine Verfrachtung eines Lebensmittels für mich nicht zu verantworten."

Das Logo des neuen Betriebs "Finkennest" steht schon fest. 

Deshalb hat sich der Jung-Landwirt und Jung-Gastronom eine Alternative überlegt. Die Lösung: Der Weg in die Direktvermarktung. "Jeder Haushalt braucht Getreide und Mehl zum Kochen und Backen. Warum soll man Mehl im Supermarkt von irgendwoher kaufen, wo man meistens nicht einmal mehr zurückverfolgen kann ob es aus Deutschland, den USA oder aus Drittstaaten kommt?" Es werde zunehmend schwieriger, die wahre Herkunft von Mehl zu ermitteln. Viele Sorten seien auch mit Gentechnik oder Glyphosat verseucht

Möglichkeit Mehl dort zu kaufen, wo es wächst 

Genau gegen dieses System möchte Simon Fink ankämpfen. Er steigt konsequent aus der Menge aus und erzeugt mit großem Aufwand ein Grundnahrungsmittel auf den hofeigenen Ackerflächen. "Mir ist das Getreide zu schade es mit irgendwelchen anderen Mehlen oder Sorten von irgendeinem Konzern vermischen zu lassen. Es würde sein Gesicht und somit seine Identität verlieren. Und das möchte ich verhindern."

Darum möchte der gelernte Koch sein Getreide selbst auf dem Hof verarbeiten, aufbereiten und direkt von dort aus verkaufen. Den Kunden - Hausfrauen und Bäckern aus der Umgebung - soll die Möglichkeit gegeben werden, ihr Mehl dort zu kaufen wo es wächst. Über das Jahr hinweg könne man mitverfolgen wie das Getreide langsam auf den Ackerflächen heranreift, geerntet und letztendlich verkauft wird. Transparent, wie Simon Fink betont. Es gebe keine unnötigen Transportkosten und dadurch keine CO2-Belastung. Das Motto des 25-Jährigen und gleichzeitig der Grundsatz einer biologischen Landwirtschaft lautet "ehrlich, direkt, fair"

Noch ist nicht viel zu sehen vom "Finkennest". Der Betrieb soll künftig Regionalität und Bio vereinen. 

Künftiges Bauvorhaben von Jungbauer Fink: 

Momentan besucht der 25-Jährige die Hotelfachschule, die ihm nach seinem Abschluss den Titel "Betriebswirt für Gastronomie und Hotellerie" verleihen wird. Das "Finkennest" wird ein Familienbetrieb unter der Leitung von Simon Fink, der den Hof in Zillham schon bald übernehmen wird. "Mein Vater Josef wird aber weiterhin mitarbeiten und mich unterstützen."

Es sind auch schon zwei Arbeitsverträge für Vollzeitstellen geschlossen. Sobald der Laden eröffnet, werden noch weitere 400-Euro-Kräfte eingestellt. Die Bauarbeiten werden etwa ein Jahr andauern, der 25-Jährige möchte im Frühjahr 2019 eröffnen. Ein komplexes Unternehmen mit fünf Betriebszweigen ist geplant: 

  • Die Basis des Unternehmens ist der Ackerbau und die Landwirtschaft. Aus den Rohstoffen des geernteten Speisegetreides backt der 25-Jährige in der neu entstehenden Hofbäckerei jeden Morgen frisches Brot und Semmeln nach alter Handwerkskunst. Das wird zusammen mit den Urprodukten – Mehl, Grieß, Spelzen, Backmischungen und selbstgemachten Müslis – im eigenen Hofladen verkauft und direkt vermarktet.
  • Angedacht ist auch die Belieferung einiger Regionalläden in der Umgebung. 
  • Als weiteres zusätzliches Standbein zu den landwirtschaftlichen Zweigen entsteht ein Hofcafé mit eigener Konditorei, das ebenfalls biologisch geführt wird. Die Räumlichkeiten bieten neben dem Tagescafé auch für geschlossene Veranstaltungen wie Familien- Geburtstags- und Firmenfeiern Platz.
  • Ebenso können Seminare und Kurse auf dem Hof abgehalten werden, eine dementsprechende Technik wird mit eingebaut. Auch Schulklassen und interessierte Gruppen möchte Simon Fink gerne in Zukunft auf den Hof einladen. Kinder und Erwachsenen haben die Möglichkeit, alle Instanzen eines Getreidekorns vom Anbau bis zum fertigen Brot sehen und erleben dürfen. 

Kurzum: Das "Finkennest" soll wie der bereits bestehende landwirtschaftliche Betrieb in ökologischer, naturnaher und nachhaltiger Betriebsführung geleitet werden. In jeder Hinsicht regional statt global.

mb

Quelle: wasserburg24.de

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