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Angebliche Tochter ruft an

„Papa, hol mich hier raus“: Schon wieder dreister Betrugsversuch bei Priener Rentner

Immer wieder fallen Senioren auf Betrüger am Telefon herein.
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Immer wieder fallen Senioren auf Betrüger am Telefon herein.

„Papa, hol mich hier raus, ich kann nicht mehr.“ Willi Kaufmann (Name von der Redaktion geändert) blieb fast das Herz stehen, als ihn die junge Frauenstimme durch das Telefon anflehte. 85000 Euro sollte der 81-Jährige ganz schnell auftreiben, um seine „Tochter“ aus dem Gefängnis zu holen.

Prien – Dass er der Betrugsmasche nicht aufgesessen ist, hat er einem misstrauischen Bänker zu verdanken. Es ging um die gleiche Summe, die nur ein paar Tage vorher unbekannte Anrufer von Wilma Walter haben wollten. Die Parallele: Auch bei der 78-Jährigen ging es um einen vermeintlichen Unfall mit Todesfolge, den die angebliche Tochter verursacht habe und für den sie nun in Untersuchungshaft gehen sollte.

„Ich bin ein gutgläubiger Mensch“

Sowohl Walter als auch Kaufmann haben Töchter, deshalb flog der Betrug nicht sofort auf. „Ich bin ein gutgläubiger Mensch“, räumt der 81-jährige Rentner ein, und wenn es um eine seiner beiden Töchter gehe erst recht. Der weinenden Frau am anderen Ende der Leitung, die nicht durch eine Nummer am Display zu erkennen gewesen sei, habe schnell ein angeblicher „Hauptwachtmeister Müller vom Dezernat München“ den Hörer aus der Hand genommen und vom angeblichen Unfall erzählt. Der Mann habe ihm die Möglichkeit einer Kaution von 85 000 Euro schmackhaft gemacht.

Als Kaufmann erwiderte, dass er als Rentner nicht auf die Schnelle so viel Geld aufbringen könne, erkundigte sich der angebliche Polizist nach Goldbarren und anderen Wertsachen. Kaufhold zog in seiner Verzweiflung angesichts der vermeintlichen Notlage der „Tochter“ in Erwägung, sich schnell Geld bei Familienangehörigen und Freunden zu leihen. Ein weiterer Mann, der sich „Oberstaatsanwalt König“ nannte, bekräftigte den 81-Jährigen. Er erzählte auch noch ein Märchen von einem neuen Gesetz, dass es möglich mache, Angehörige durch eine Bürgschaft vor dem Gefängnis zu bewahren.

Schließlich lief der Priener zu seiner Bank. Der „Oberstaatsanwalt“ hatte ihm zuvor noch eine Schweigepflicht auferlegt und angewiesen, zu behaupten, er brauche das Geld, um Handwerker zu bezahlen.

Das machte schließlich einen Angestellten seiner Bank misstrauisch, als Kaufmann dort 40 000 Euro abheben wollte, zumal er diese Summe gar nicht auf dem Konto hatte. Jetzt dämmerte auch dem Rentner, dass er gerade im Begriff war, viel Geld an gewissenlose Verbrecher zu verlieren.

Perfide Masche

Die perfide Masche der Betrüger wird noch deutlicher, als Kaufmann den OVB-Heimatzeitungen erzählt, wie ihn der „Oberstaatsanwalt“ in einen Smalltalk übers Autofahren verwickelte, als es darum ging, dass der 81-Jährige anbot, selbst zur Geldübergabe an einem noch nicht genau benannten Ort in München zu fahren.

Am Ende tat Kaufmann das, was ihm der aufmerksame Bankangestellte empfahl und was Tage zuvor auch Wilma Walter getan hatte: Er wandte sich an die Polizei. Als er zum Betrugsdezernat im Präsidium in Rosenheim durchgestellt war, klärte ihn eine echte Beamtin gleich auf, dass er an diesem Vormittag schon der 15. Anrufer war, bei dem es die Betrüger versucht hatten.

Kaufhold glaubt, sich zu erinnern, dass ganz kurz eine Nummer mit zwei Nullern im Display seines Apparats erschien, als er abhob. Den Rest des Telefonats mit den Betrügern sei keine Nummer angezeigt worden, die Rückschlüsse darauf zuließe, woher der Anruf kam.

Der Priener möchte nun, wie zuvor schon Wilma Walter, andere Senioren warnen, nicht auf die raffinierte Masche solcher Betrüger hereinzufallen.

Betrugsmasche taucht in Wellen auf

Beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Rosenheim gehen immer wieder in Wellen Anrufe von zumeist älteren Menschen aus dem Einzugsgebiet ein, bei denen Unbekannte versucht haben, Gutgläubigkeit auszunutzen, um an das Geld der Senioren zu kommen. Vor wenigen Tagen habe sich erst wieder eine ganze Reihe von Betroffenen aus dem Raum Holzkirchen und Miesbach bei der Polizei gemeldet, berichtet Pressesprecher Stefan Sonntag auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. „Zum Glück fällt kaum noch jemand darauf herein“, so Sonntag. Die Polizei führt diesen Erfolg unter anderem auf ihr breit angelegtes Aufklärungsprogramm zurück.

Tipps der Polizei

Im Internet werden unter www.polizei-beratung.de verschiedenste Betrugsmaschen erklärt und Hinweise gegeben, wie man reagieren sollte.

Die Polizei rät unter anderem:

„Rufen Sie beim geringsten Zweifel bei der Behörde an, von der die angebliche Amtsperson kommt. Suchen Sie die Telefonnummer der Behörde selbst heraus oder lassen Sie sich diese durch die Telefonauskunft geben.

Die Polizei wird Sie niemals um Geldbeträge bitten.

Geben Sie am Telefon keine Details zu Ihren finanziellen Verhältnissen preis.

Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Druck setzen. Legen Sie einfach auf.

Übergeben Sie niemals Geld an unbekannte Personen.“

Auf der Internetseite wird die Vorgehensweise der Betrüger auch in einem Kurzfilm und einem Comic erklärt.

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