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Corona-Kontrollen zu unsensibel?

„Schikane“ und übertriebene Kontrollen: Frust bei Priener Friseuren über die Gewerbeaufsicht

Eine Friseurin desinfiziert Kamm und Scheren mit einem Desinfektionsmittel. In den Salons gelten strenge und umfangreiche Hygieneauflagen.
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Eine Friseurin desinfiziert Kamm und Scheren mit einem Desinfektionsmittel. In den Salons gelten strenge und umfangreiche Hygieneauflagen.

Lockdowns, 2G-Beschränkungen, Hygienevorschriften: Viele Betriebe ächzen unter den Auswirkungen der Pandemie. Bei Kontrollen der Einhaltung der Vorschriften vermisst die Kreishandwerkerschaft mitunter das Fingerspitzengefühl der Gewerbeaufsicht. Priener Friseurbetriebe bekamen das zu spüren.

Prien a. Chiemsee - Just an dem Tag, als Bayerns Friseure nach Monaten der 2G-Beschränkung auch wieder bei Vorlage einen negativen Corona-Tests die Haare schneiden durften, tauchte eine Kontrolleurin der Gewerbeaufsicht des Landratsamtes Rosenheim bei Priener Friseursalons auf. Zwei Betroffene machten ihrem Ärger danach bei der Kreishandwerkerschaft Luft.

Übers Ziel hinausgeschossen“

Deren Geschäftsführerin Mirjana Berndanner findet, dass die Kontrolleurin übers Ziel hinausgeschossen ist. „Unser betroffenes Innungsmitglied befolgt alle Regelungen. Alle nötigen Unterlagen und Hygienekonzepte konnte der Betrieb vorweisen. Das war allerdings der Prüferin nicht genug.“ Weil in den gleichen Räumen neben Friseur- auch Nagel- und Kosmetikstudio-Leistungen angeboten werden, muss die Inhaberin für jede dieser Tätigkeiten nun extra schriftlich praktisch identische Hygienekonzepte nachreichen. Die Inhaberin bestätigte dies auf Anfrage, möchte aber anonym bleiben, solange die Korrespondenz mit der Gewerbeaufsicht für sie nicht zu einem guten Ende gebracht ist. Ihr drängte sich der Eindruck auf, dass die Kontrolleurin so lange gesucht habe, bis sie etwas gefunden hatte, dass sie bemängeln konnte.

Die Kontrolleurin habe auch ein ergänztes Protokoll eingefordert, wer wann welchen Arbeitsplatz desinfiziert habe, lüfte, ja sogar, wer die Tür auf- und zumache.

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Eine andere Priener Friseurin, die am gleichen Tag von derselben Prüferin kontrolliert wurde und ebenfalls nicht genannt werden möchte, bestätigt die Eindrücke. Auch sie empfand die Kontrolle als übertrieben. Beide Friseurmeisterinnen mussten wegen der zahlreichen Nachfragen mehrmals ihre Kunden mit nassen Haaren längere Zeit sitzen lassen. Die beiden Polizisten, die die Kontrolleurin begleiteten, hätten ab und zu durch Grinsen ihre Meinung zu den peniblen Nachfragen zu erkennen gegeben, hat die eine Ladeninhaberin beobachtet.

Berndanner appelliert in einer Mail an die Gewerbeaufsicht, „die beauftragten Prüfer im Außendienst ein wenig zu sensibilisieren“. Die Interessenvertreterin des heimischen Handwerks wirbt um Verständnis. Gerade viele Friseurbetriebe, denen bürokratisch sehr viel abverlangt werde und die nach jedem Kunden sehr aufwendig desinfizieren müssten, hätten durch die monatelange 2G-Reglementierung Umsatzeinbußen von 30 Prozent und mehr. „Die Schwarzarbeit floriert“, weiß sie, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil der professionellen Haarpflege in den privaten Bereich ausgewichen sei.

„Schikane, weil man nichts gefunden hat“

Sie sei überzeugt, dass die Hygienekonzepte notwendig sind. Auch die Betriebe sähen dies so. „Allerdings frage ich mich, ob es notwendig ist, einen Betrieb, der offensichtlich alles richtig macht, so zu schikanieren, nur weil man nichts gefunden hat.“

Fingerspitzengefühl wünscht sich die Geschäftsführerin auch von manchen Kunden. Als die Salons wegen des Lockdowns geschlossen blieben, habe es Fälle gegeben, bei denen Passanten die Polizei riefen, weil sie durch das Schaufenster vermeintlich illegale Beschäftigung entdeckt hätten. In Wirklichkeit übten Friseurmeister mit Lehrlingen, weil die Ausbildung ja trotz Lockdown weitergehen musste.

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Unglücklich findet Berndanner auch, dass die Kontrolleurin in Prien in Begleitung von zwei Polizeibeamten war. Das verunsichere die Kunden. Das Landratsamt begründet die „Zweckmäßigkeit“ dieser Eskorte damit, dass Verstöße sowohl Ordnungswidrigkeitenverfahren als auch Strafverfahren nach sich ziehen können“, so Michael Fischer, Pressesprecher der Rosenheimer Behörde.

Einmal in der Woche entsende das Landratsamt Corona-Kontrolleure, die in der Regel dann vier bis fünf Betriebe unangekündigt besuchen. Diese werden nach dem Zufallsprinzip ausgesucht. „Zudem werden Betriebe überprüft, zu denen Beschwerden vorliegen.“

Überprüft werde vorrangig die Einhaltung der Maskenpflicht und der G-Regelungen sowie das Hygienekonzept, fasste Fischer zusammen.

Das Landratsamt Rosenheim zieht eine positive Zwischenbilanz seiner Corona-Kontrollen. Pressesprecher Michael Fischer fasst zusammen: „Die Vorschriften werden durch die Betriebe weitestgehend eingehalten. Bei geringfügigen Abweichungen erfolgt eine mündliche Belehrung. Seit Mitte November 2021 bis Ende Januar 2022 wurden circa 220 Betriebe überprüft. Dabei wurden 27 Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet sowie zwei Strafanzeigen wegen Verdacht auf gefälschte Impfnachweise an die Staatsanwaltschaft abgegeben.“

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