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Brauchtum und Tradition in Eggstätt

„Scheidlzoa“ und die „Noderin“: Was macht eigentlich ein Hochzeitslader?

Christian Glas (zu seiner aktiven Zeit) mit dem für einen Hochzeitlader typischen „Hoazat-Stecka“. Die Farben der Bänder stehen unter anderem für Liebe (rot), Hoffnung (grün), Treue (blau) und Unschuld (weiß). Die Figur in der linken Hand zeigt Johannes der Täufer, den Schutzpatron der Hochzeitlader.
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Christian Glas (zu seiner aktiven Zeit) mit dem für einen Hochzeitlader typischen „Hoazat-Stecka“. Die Farben der Bänder stehen unter anderem für Liebe (rot), Hoffnung (grün), Treue (blau) und Unschuld (weiß). Die Figur in der linken Hand zeigt Johannes der Täufer, den Schutzpatron der Hochzeitlader.

In unserer Region gibt es viele Traditionen rund um Hochzeiten. Angefangen mit dem Hochzeitlader, einem sogenannten Progoder. Eggstätts Bürgermeister Christian Glas, selbst jahrzehntelang aktiver Hochzeitlader, hat den OVB-Heimatzeitungen einen Einblick in das bunte Treiben rund um die Hochzeit gegeben.

Eggstätt – „So unterschiedlich wie die Kirchturmspitzen in den Ortschaften, so verschieden sind die regionalen Hochzeitsbräuche“, sagt Glas. „Wenn man die Hochzeitstradition der Landwirte beleuchtet, konnte während der Fasten- und Erntezeit sowieso nicht geheiratet werden. Der Sonntag als christlicher Feiertag fiel weg und so blieb in vielen Fällen der Montag oder Freitag, je nach Gebiet, übrig.“

Einladungen werden persönlich verteilt

Vor der Vermählung war für den Hochzeitlader natürlich noch einiges zu organisieren. So ging er zum Beispiel teilweise noch persönlich zum Einladen der Hochzeitsgäste. Das Prozedere ist immer das Gleiche und beginnt mit der Braut. Sie wird vom Hochzeitlader im Namen des Bräutigams eingeladen. Weiter geht es mit deren Eltern, Geschwistern, der Ehrmutter und Ehrvater – das waren meist die Taufpaten, das Kranzlpaar, die Noderin (Anm.d.Red. Schneiderin) und so weiter. Das „Hausladen“ ist sehr zeitaufwendig und wird nur noch von weinigen Hochzeitsladern durchgeführt. Für Christian Glas war es zu seiner aktiven Zeit ein Muss, zumindest die engere Verwandtschaft persönlich zu laden. „Man lernt sich kennen und einzuschätzen und oft erfährt man bei einer Tasse Kaffee auch Dinge, Gegebenheiten oder Vorkommnisse, die der Hochzeitslader beim Abdanken gut gebrauchen und dann in Versform niederschreiben und wiedergeben kann“, so Glas.

Nette Erlebnisse gäbe es genügend, erinnert sich der ehemalige Hochzeitslader. Eine Braut, die sich spaßeshalber im Keller hinter einer „Scheidlzoa“ (Scheidholzwand) versteckt hatte, um sich der Einladung zu „entziehen“. Oder ein Brautvater, der nur leicht bekleidet den Kopf aus der Badezimmertüre herausstreckte und Einladung vom Treppenaufgang zugerufen bekam.

Nach der kirchlichen Trauung ging es ins Wirtshaus. Es gab keine freie Platzwahl, sondern eine feste Sitzordnung- Die Ehrleut (Taufpaten) und die Schneiderin (Noderin) sahsen als wichtige Gäste am Brauttisch. Dort nahmen auch die Verwandten, die Braut mit Verwandtschaft rechts, die Seite vom Bräutigam links, Platz.

Während des Kaffeetrinkens „dankt der Progoder ab“, erklärt Glas. „Dazu hat er sich im Vorfeld vom Brautpaar zu den Gästen nette Anekdoten erzählen lassen, die der zu einem amüsanten Vier- oder Sechszeiler formuliert hat und vorträgt“. Und obwohl die Verse lustig sein sollen. war es Christian Glas immer wichtig, dass die Grenzen des Geschmacks weit „oberhalb des Bauchnabels“ sind.

Nach dem Kaffeetrinken mussten das Braut- und Kranzlpaar (Anm.d.Red. Trauzeugen) beim ersten Tanz ein besonderes Augenmerk auf den Brautstrauß legen. Denn die Braut und ihre Trauzeugin sind dafür+ verantwortlich, dass der Strauß nicht geklaut wird.

Auf das Abendessen folgten „Weisen und Ehrtänze“. Dabei geben die geladenen Gäste ihre mitgebrachten Präsente ab und in manchen Regionen wird dazu weißer und roter Wein kredenzt. Die Musik bekommt für jeden zusätzlichen Tanz Geldstückl in einen Korb geworfen. Gegen Mitternacht ist dann „Zapfenstreich“. Es folgt ein letzter Tanz und dann verlässt das Brautpaar durch ein Gästespalier die Gesellschaft.

Junge Paare wollen zurück zur Tradition

Heutzutage gibt es alternativ zum Hochzeitlader den Hochzeitsplaner. Beide kümmern sich um die Feierlichkeiten. Der Hochzeitsplaner läufe dem Hochzeitslader aber nicht den Rang ab. „Wer eine Brauchtums-Hochzeit wünscht, wird nach wie vor den Hochzeitlader präferieren“, sagt Glas. „Eine freudige Tendenz zeigt aber, dass wieder ganz viele junge Menschen ihre Arbeit aufnehmen und sich somit Brauch und Tradition des Hochzeitladers nach wie vor großer Beliebtheit erfreut.“

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