Wie ist die Lage in Schechen?

Lothar Thaler informierte über aktuelle Asylbewerber-Situation

+
Viele Infos zur aktuellen Situation gab es durch den durch die Caritas eingesetzten Ehrenamtskoordinator Lothar Thaler

Schechen/Pfaffenhofen – Nach der Jahreshauptversammlung der Nachbarschaftshilfe sprach der Caritas-Asyl-Ehrenamtskoordinator Lothar Thaler mit Schechener Bürger über die aktuelle Asylbewerber-Situation.

Danach sind zum 20. Januar 2016 insgesamt 2.703 Asylsuchende von der Regierung Oberbayern dem Landkreis Rosenheim zugewiesen worden. Der anwesende Rathauschef von Schechen ergänzte, dass seine Kommune 45 aufgenommen habe. 

Laut Thaler kommen die meisten aus Afghanistan (562), gefolgt von Syrien (472), Pakistan (375), Nigeria (360) und Eritrea (214). Weniger stammen aus dem Irak (179), Senegal (155) und Somalia (114).

Nach Ankunft der Asylsuchenden und deren erkennungsdienstlichen Behandlung (Fingerprints, Fotos) wird weiter nach der Gruppierung in „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ und „Erwachsene und Familien“ verfahren. Erstere werden nach der Inobhutnahme, Clearing und erzieherische Hilfen eine Verteilung auf Landkreise in Bayern durchgeführt. Erwachsene und Familien werden über die Erstauf-nahmeeinrichtung Landkreisen zugewiesen bzw. deren zentrale Unterbringung in Stadt und Landkreis Rosenheim sichergestellt.

Nach Feststellung des Referenten kommen am meisten junge Männer zwischen 18 und 35 Jahren, dagegen Frauen zwischen 20 bis 25 Prozent. Offensichtlich begeben sich vorwiegend junge Männer auf den Fluchtweg, weil sie dessen Strapazen am ehesten gewachsen sind. Thaler wies besonders auf die Durchführung von ärztlichen Untersuchungen gleich nach Beginn der Ankunft der Flüchtlinge hin und dass die Infektionsgefahr als relativ gering betrachtet werde. Zu lange (1,5 bis 2 Jahre) dauere immer noch der Weg von der Meldung als Asylsuchender, über Antragstellung, Prüfung auf Dublin III und Anhörung mit jeweils der Aufenthaltsgestattung bis zum rechtsgültigen Bescheid. Thaler weiter: „Als Grundsatz gilt: Der Asylsuchende betritt zunächst illegal unser Land; sein Aufenthalt werde nur zur Durchführung des Asylverfahrens gestattet. Davon zu unterscheiden ist die Duldung, bei der das Asylverfahren zwar abgelehnt wurde, eine Abschiebung jedoch aus humanen Gründen nicht erfolgt.“

Nach entsprechenden Fragen ging Koordinator Thaler auch auf den häufig diskutierten Kostenauf-wand für Flüchtlinge ein. Diese monatlichen Ausgaben seien gestaffelt: für alleinstehende Erwachsene bzw. Familien (364 Euro), Ehegatten (327), Jugendliche 15-18 (286), Kinder 7-14 (252) und Kinder bis 6 Jahre (220 Euro). Diese finanziellen Zuwendungen seien keineswegs überzogen, sondern seien auf ein absolutes Existenzminimum reduziert, weswegen Unterstützungen der verschiedensten Orga-nisationen, der Kommunen und von privater Seite immer noch vonnöten seien.

Lothar Thaler ging auch kurz auf Qualifikation, Aus- und Fortbildung eines Ehrenamtskoordinators zur Unterstützung und beim Aufbau eines Helferkreises ein. 

Dazu gehören: Konfliktmanagement, Bera-tungen und Mediation bei Problemen im Helferkreis, Hilfe bei Zusammenarbeit mit Behörden, von Ehrenamtlichen und Asylsozialberatern sowie Infoveranstaltungen zur Vorbereitung auf die Asylbe-werbersituation. Ziel sei es, die Ehrenamtlichen in der Asylarbeit zu unterstützen, wie Deutsch, All-tagskompetenz, Kinderbetreuung, Sport, Fahrdienste, Behördengänge und vieles andere mehr. Für all diese Bereiche werden ehrenamtliche Helfer gesucht.

Am Schluss seines Vortrags ging Thaler auch auf die besondere Problematik im Zusammenhang mit Asylbewerbern in den Städten wie Köln, Hamburg und Stuttgart ein: „Es steht mir nicht an, zu den politischen Hintergründen dieser bedauerlichen Vorfälle eine Wertung abzugeben. Aber machen Sie sich bitte gedanklich frei davon, diese unerfreulichen Vorkommnisse dem Großteil der Flüchtlinge anzulasten – und schon gar nicht den Menschen, die bei uns Schutz gefunden haben. Konflikte unter den Asylsuchenden untereinander, wie sie leider auch bei uns durchaus vorkommen, sind der räumli-chen Enge, der Vielzahl der Menschen und der psychischen Belastung geschuldet“.

Lutz Ellermeyer

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Landkreis Rosenheim

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT